Konzert

Marc Forster in Berlin: Wenn Generation Snapchat Party macht

Mark Forster spielt in der ausverkauften Columbiahalle und bringt Konfetti- und Dampfkanonen mit.

Mark Forster

Mark Forster

Foto: David Koenigsmann

Justin Bieber? Längst out. One Direction? Nie gehört. Der Neue, der Coole, der Hippe, das ist jemand anders. Käppi und schwarze Brille gehören zu ihm wie Zahnspangen auf seine Konzerte. Mark Forster hat in diesem Jahr recht viele Stücke in die Charts abgesetzt, den Fußball-EM-Song des ZDF gestiftet und jetzt, am Donnerstagabend, die Columbiahalle mit Teenies angefüllt. Ausverkauft.

Wippende Pferdeschwänze überall und bunte Forster-Käppis. Dort sitzt man auf Papas Schultern, da hinten wird mit dem ersten Smartphone alles ganz fachmännisch aufgezeichnet. Generation Snapchat ist da – samt Eltern. Die lehnen aber meistens weiter hinten, nuckeln gelangweilt an ihrem Bier, hoffen, das hier könnte noch etwas anderes werden.

Nein, das ist halt kein Hermann Hesse im Popgewand. Das ist auch kein intellektueller Poststrukturalismus-Rap. Forster spielt die gefälligen Hits aus seinen drei Alben. Da geht es eben um die große Liebe – "Flash mich nochmal, als wär's das erste Mal" –, um das Suchen und Finden der Liebe – „Was ich such, Baby, das bist du!“ –, und eigentlich so generell um die Liebe zu Internetzeiten. „Du bist mein kleines Popup-Fenster“, singt er da mit dem berüchtigten Forster-Grinsen, das auch beim Singen einfach nicht verschwindet.

Forster hüpft, springt, tanzt

Damit das Konzert nicht so brav wie seine Songs gerät, hat er sich eine siebenköpfige Band auf die Bühne geholt. Sogar drei Bläser sind mit dabei, die bei jedem Stück mitgrooven und den Liebeshymnen ein bisschen Tiefgang graben. Mark Forster, der eigentlich Mark Ćwiertnia heißt, aber sich für die Bühne anders nennt, der hüpft, springt, tanzt, dass ihm schon bald der Schweiß aus dem obligatorischen Käppi rinnt.

Sogar bei balladigen Liedern hält er die zuckenden Glieder kaum im Zaum. Da breitet er die Arme weit aus, als wüchsen ihm gerade Flügel. Als würde er den Refrain seines populärsten Songs – „Wir fliegen weg, denn wir leben hohoch” – jetzt wörtlich nehmen. Dass Forsters Stücke so fröhlich geraten, das mag daran liegen, dass die vergangenen Jahre ziemlich gut für den 32-Jährigen liefen. „Tape“, sein aktuelles Album, sei ein Spiegel dieser Zeit, sagte er neulich. Denn vor seinem Plattenvertrag liegt ein abgebrochenes Jurastudium, Musik macht er als „polnischer Pianist“ beim Comedian Kurt Krömer. Dass es mit der eigenen Platte klappt, glaubt er nicht mehr – bis „Seeed“, die in Kreuzberg nebenan singen, einen Vertreter ihrer Plattenfirma zu ihm rüberschicken.

Dieses Konzert ist also etwas Besonderes für ihn. Der Pfälzer lebt seit über zehn Jahren in Berlin. Das hier, schreit er ins Mikro, ist für ihn Zuhause. Also hat er Konfetti- und Dampfkanonen mitgebracht, es soll eine richtige Party werden. Und die wird's. Zu unermüdlichen Gute-Laune-Beats lässt er „Chöre“ rappen, besingt die „Beste Nacht“ und die innere Stimme, auf die man mal besser hören sollte, denn „sie macht dich stark, sie will dass du's schaffst.“ Aha. Da wird klar, warum Eltern ihre Kids so bereitwillig zur Forster-Show begleiten. Das „Glaub an Dich“ der konfettigezuckerten Lebensweisheiten in Liedform, das überbietet einfach jeden elterlichen Rat. Und es macht mehr Spaß.