Boy Lornsens Kinderbuch „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ erschien erstmal 1967. Zumindest in Westdeutschland genießt es, dank der TV-Puppentrickserie in den 70er-Jahren, einen fast legendären Ruf. Tobbi ist ein kleiner Erfinder und hat einen Freund: Robbi, den Roboter. Das Fliewatüüt ist ihr multifunktionales Amphibienfahrzeug.

Beide gehen in die dritte Klasse und würden wohl nie voneinander erfahren, hätte Robbi auf der Roboterschule nicht eine fantastische Hausaufgabe bekommen: Er soll eine Art Schnitzeljagd durch die Welt bestreiten und darf sich einen Menschenjungen zur Unterstützung aussuchen.

Diesmal kommt der Freund aus dem All:  Robbi und sein Gefährt
Diesmal kommt der Freund aus dem All: Robbi und sein Gefährt © STILLS PHOTOGRAPHER _TOM TRAMBOW | studiocanal

Der Charme von Lornsens detailverliebter, lakonisch witziger Erzählung besteht gerade darin, dass in ihr überbordende Fantasie und handwerkliche Faszination Hand in Hand gehen. „Die Geschichte wird technisch. Ich kann’s nicht ändern“, heißen nicht umsonst die ersten Sätze des Buchs.

Dessen neue Realverfilmung schlägt andere Töne an. Ihre Geschichte gibt sich erstens „modern“ und folgt zweitens der erklärten „persönlichen Vision“ von Regisseur Wolfgang Groos, dem es vor allem „um Emotionalität“ geht. Also wohnt Tobbi nicht bei seiner Tante, sondern bei seinen Eltern, die als Paradebeispiel vorgeblich klischeefreier Geschlechterrollen herhalten: Er („Wissen macht Ah“-Moderator Ralph Caspers) verbringt seine Zeit leidenschaftlich gern am heimischen Herd. Sie (Jördis Triebel) verdient das Geld in ihrer eigenen Autowerkstatt.

Papa wäscht, Mutter werkelt: Tobbi und seine  Eltern (Ralph Caspers, Jördis Triebel)
Papa wäscht, Mutter werkelt: Tobbi und seine Eltern (Ralph Caspers, Jördis Triebel) © STILLS PHOTOGRAPHER _TOM TRAMBOW | studiocanal

Im Namen einer vermeintlich moderneren Plausibilität fliegt das Fliewatüüt nicht mehr mit Himbeersaft, sondern mit Benzin. Robbi ist nicht „nur“ ein mechanisches Alter Ego seines Menschenfreundes, sondern stammt aus dem All. Er wurde bei einem Auffahrunfall aus dem UFO seiner Eltern geschleudert und muss nun nach seinen am Nordpol bruchgelandeten Robotereltern suchen, statt einfach Hausaufgaben zu erledigen. Verfolgt werden Robbi und Tobbi dabei auch von bösen, Martial-Arts-kundigen Industriespionen (Alexandra Maria Lara und Sam Riley).

Das kann man alles machen. Man kann sich aber fragen, wozu Filmproduzenten eine Buchvorlage brauchen, wenn sie zwar dessen zugkräftigen Namen, die Hauptfiguren und einige Schauplätze übernehmen, aber nur ihr eigenes, im Grunde äußerst konventionelles Actionabenteuer auf die Leinwand bringen wollen.

Alexandra Maria Lara und Sam Riley bei der Berlin-Premiere des Films
Alexandra Maria Lara und Sam Riley bei der Berlin-Premiere des Films © Massimo Rodari | Massimo Rodari

Vor allem muss man sich aber fragen, warum ein durchaus erfahrener Regisseur wie Wolfgang Groos („Die Vampirschwestern“) hier an der Umsetzung einfachster Szenen scheitert. Nachdem Tobbi (Arsseni Bultmann) etwa das Inuitmädchen Nunu (Melina Mardini) aus dem Polarmeer gerettet hat, lässt Groos die beiden minutenlang bibbernd voreinander stehen – obwohl das etwas wärmere Fliewatüüt direkt neben ihnen steht.

Solche Szenen ohne jedes Gefühl für Timing und Stringenz gibt es zuhauf. Und so zehrt hier vor allem an den Nerven, was vorgibt, einen vermeintlich angestaubten Kinderbuchklassiker, emotional und modern neu zu erzählen.