Das Geburtstagkind, Bernd Schultz, ist gar nicht da. Er wusste warum – dem Trubel zum 75. Geburtstag in Berlin, dem wollte er entgehen. Nun hat der Gründer der Villa Grisebach sich am Montag in New York feiern lassen, die Familie war dabei. Aber so ganz war er dann doch nicht weg. Mittags sendete die Villa Grisebach eine Mail – darin wird der Führungswechsel in der Fasanenstraße bekannt gegeben. Schultz zieht sich als Geschäftsführer und Impresario aus dem Auktionshaus zurück.
Er übergibt den Posten an Florian Illies (45), der seit fünf Jahren als einer der Gesellschafter am Hause ist. Schon als er damals anfing, wusste man, dass der in der Öffentlichkeit bekannte Journalist und Autor („Generation Golf“, „1913“) nicht engagiert worden war, um im Kunst-Büro still die Expertisen zu studieren. Nun wird er als Sprecher der Geschäftsführung in den Vordergrund treten. In seinen Zuständigkeitsbereich gehört das 19. Jahrhundert, das er liebt. Damit erweiterte er das Spektrum des auf Klassische Moderne spezialisierten Hauses. Der studierte Kunsthistoriker wird das Auktionshaus ab 1. Januar nicht allein, sondern zusammen mit Micaela Kapitzky leiten. Kapitzky teilt sich seit 2005 die Verantwortung mit Bernd Schultz.
Mit Schultz’ Abschied und Illies Aufstieg ist eine Neupositionierung des Auktionshauses verbunden, das in der europäischen Liga der großen Häuser mitspielt. Illies übernimmt zur Kunst des 19. Jahrhunderts zusätzlich die Sektion für zeitgenössische Kunst. In Berlin möchte das Haus eine andere Sammlerschaft stärken und ausbauen. „Die Gegenwartskunst soll zur zweiten Säule avancieren“, wie Micaela Kapitzky sagt. „Dahin geht die Reise.“
Zentral bleibt weiterhin die Klassische Moderne, Markenzeichen der Villa.
Täglich wird Bernd Schultz wohl nun nicht mehr in seiner Villa sein, zumal er viel auf Reisen ist. Aber wer ihn kennt, weiß, ganz rausziehen wird der Mann sich nicht. Und so soll es sein: Er wird weiterhin beraten, seine Kunden betreuen, da ist schließlich das Vertrauen über die Jahre gewachsen. Viele Kunden gehören seiner Generation an.
In einigen Wochen wird Jubiläum gefeiert in der Fasanenstraße – zum 30-jährigen Bestehen der Villa. Vom 30. November bis zum 3. Dezember finden die Jubiläumsauktionen statt. Es soll die größte Auktion in der Geschichte des Hauses werden. 1517 Kunstwerke mit einem mittleren Schätzwert von 28 Millionen Euro kommen dann unter den Hammer. Ein Gerhard Richter wird auch dabei sein.
Gabriela Walde

