An Ihren ersten wirklich großen Auftritt in Berlin erinnere ich mich noch sehr gut. Hans Pels-Leusden hatte Sie, seinen langjährigen Mitarbeiter, zum Partner gemacht und die ganze Stadt richtete erwartungsvoll ihre Blicke auf Sie. Das war gegen Ende der 70er-Jahre und rüttelte das West-Berliner Kulturgefüge – mehr als es diesem damals lieb war – heftig durcheinander. Im zu der Zeit noch geteilten Berlin ging es sehr kommod zu, doch die Sitten waren deutlich verkrustet. Gelder und Stipendien wurden im Gießkannenprinzip verteilt. Ein Segen für die Künstler, gleichsam ein Fluch für die Stadt.
Berlin, als Frontstadt, galt seinerzeit als Eldorado der Nichtverstandenen, der Aufmüpfigen, der Kriegsdienstverweigerer und eben auch der Künstler. Mittel für die Finanzierung der Berliner Kultur gab es im Übermaß. Doch nicht immer flossen diese in ertragversprechenden Humus. Anfang der 80er-Jahre wurde durch Ihre Privatinitiative im Langhans-Flügel des Schlosses Charlottenburg die weit über die Grenzen der Stadt hochgelobte „Orangerie 82“ inszeniert. Eine auf hohem Niveau aufgestellte Messe für feines Tafelsilber, antikes Mobiliar und viele erlesene Besonderheiten. Mit einer musealen Inszenierung wurde eine neue Form der Kunstmesse ins Leben gerufen. In der gegenüberliegenden „kleinen Orangerie“ wurde wilde Malerei gezeigt, darunter die Schwimmer-Kolonnen von Salome.
Ganz plötzlich stand Berlin im Mittelpunkt kultureller Diskussion. Ihr richtungsweisendes Gestalten und die später folgende „Zeitgeist“-Ausstellung von Joachimides und Rosenthal gaben der Stadt Impulse, von der sie heute noch zehrt. Die Stadt und ihre Bürger sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet. In der Folge haben Sie aus Ihren Aktivitäten das Auktionshaus „Villa Grisebach“ gegründet, und es innerhalb kürzester Zeit zu einer bedeutenden Adresse für exzellente Kunst im europäischen Auktionswesen etabliert.
Auch bei der Neugründung des Käthe Kollwitz Museums Mitte der 80er-Jahre waren Sie federführend beteiligt. Vieles bis in die heutige Zeit entstand durch Ihre unerschütterliche Liebe zu unserer Stadt. In Ihrem stets sicheren Schritt durch das Berliner Bürgertum, aber auch bei Ihren allabendlichen Stippvisiten bei „Adnan“, erinnern Sie mich immer wieder an den Flaneur in Charles Baudelaires „Le Peintre de la vie moderne“. Mit stilvoller Eleganz, einem immer wachen Auge, einem stets offenen Ohr, mischen Sie sich auch gerne mal unbequem in die Belange des gesellschaftlichen Lebens ein. Freunde werden zu Gegnern, und Feinde werden zu Mitstreitern – immer an der Sache orientiert.
Durch Ihren Weitblick haben Sie ein großes Stück Berliner Geschichte mitgestaltet, und es ist davon auszugehen, dass das noch lange nicht das Ende ist. Nicht nur dem Bürgertum haben Sie Selbstbewusstsein und kreative Energien verliehen, quer durch alle Schichten profitiert die Stadt von Ihrer Tatkraft. In kulturpolitischen Themen genauso, wie in gesellschaftsrelevanten Anliegen.
Gestatten Sie mir zum Schluss noch folgende Bemerkung: Unsere Namensgleichheit führte in der Vergangenheit zu manch ungewöhnlichem Telefonat. Die Anrufer wollten Sie, bekamen aber mich. Immer dann erfüllte es mich mit Stolz, auch diesen doch eher bescheidenen Namen in mir zu tragen.
Der Berliner Galerist Michael Schultz hat gerade den Band „(Un)zensiert“ herausgegeben, Geschichten rund um den Kunstbetrieb und andere Anmerkungen

