Konzert in Berlin

Zucchero zeigt sich in Berlin von seiner besten Seite

Satte drei Stunden spielt der Italo-Rocker vor 8500 Fans in der Mercedes-Benz-Arena - und hinterlässt ein glückliches Publikum.

Zucchero auf der Bühne

Zucchero auf der Bühne

Foto: dpa Picture-Alliance / Okla Michal / picture alliance / dpa

„Es fällt uns echt schwer, euch zu verlassen“, ruft der Italiener auf Englisch in den Saal. „Wir lieben Euch. Und genau das ist das Problem.“ Morgen müssten sie ja schon in München spielen. Und die Bühnencrew sollte langsam mal mit dem Abbau beginnen. Aber Zucchero, der knuffige Rockmusiker mit dem markanten Zylinder, will einfach nicht aufhören. Und spielt am Freitagabend in der Mercedes-Benz-Arena vor 8500 begeisterten Fans Zugabe um Zugabe.

Die wuchtige Rockballade „Iruben Me“ etwa, von seinem 1989er-Hitalbum „Oro incenso & birra“. Oder „Eccetera eccetera“, ein Lied, das er mal für seine Tochter geschrieben hat. „Vielleicht wird es euch nicht gefallen, aber mir ist jetzt einfach danach“, kündigt er es an. Oder gar den Latino-Gassenhauer „Guantanamera“. Es geht querbeet. Und natürlich, da ist es schon gegen 23 Uhr, erklingt „Senza una donna (Without A Woman)“, sein 1991er-Hit, den er damals mit Paul Young im Duett gesungen hat. Die Musiker auf der Bühne und die Menschen im Saal sind nach diesem Konzert gleichermaßen erschöpft und glücklich.

Drei Stunden vorher: Pünktlich um 20 Uhr kommen Italo-Superstar Adelmo Fornaciari, den alle nur als Zucchero kennen, und seine zwölf Musiker und Musikerinnen auf die Bühne. Und überraschen zunächst durch ein erstaunliches Americana-Bühnenbild. Zur Linken ein schäbiges Brettergerüst mit Leuchtschriften wie „In Blues wie Trust“, zur Rechten ein riesiger hölzerner Wasserturm, auf dem ein imposantes 50er-Jahre-Mikrofon thront. Und in der Mitte eine zugegeben etwas kitschige, aber gewaltige Leinwand in Herzform, über der ein gigantisches Kreuz baumelt.

Ein musikverliebter Entertainer

Zucchero ist ein musikverliebter Entertainer. Mit einem Bein steht er fest verankert in der Liedtradition der italienischen Cantautore, mit dem anderen tief im Blues des amerikanischen Südens. Mühelos verbindet er seit den 80er-Jahren in seiner Musik Gospel und Soul, Blues und Folk, San-Remo-Schmelz und Rock-Energie zu seinem ureigenen Sound. Und in dieser Tournee-Show erlebt man den wohl besten Zucchero seit langem.

„Black Cat“ heißt sein neues, blues- und gospelschwangeres Album. „Black Cat“ ist auch der Titel dieser Tournee, die in drei Akte aufgeteilt ist. Im ersten Akt spielt der 61-Jährige zur Überraschung des Publikums erst einmal das nahezu komplette neue Album vor. Der Pianist hämmert ins Hony-Tonk-Keyboard, Schlagzeug und Bass sorgen für wummernden Beat, bevor Zucchero ans Mikrofon tritt und mit seiner markanten Stimme „Partigiano reggiano“ ins Mikrofon singt. Krachende Rocksongs wechseln mit emotionalen Balladen und vom Gospel beseelten Stücken wie „Ten More Days“ oder „Hey Lord“.

Eine großartige, international besetzte Band hat er dafür um sich geschart. Drei Gitarristen, zwei Keyboarder, zwei Schlagzeuger, drei Bläser, Bass und eine Geigerin sorgen für den satten Sound. Darunter sind der britische Organist Brian Auger, die einstige Prince-Schlagzeugerin Queen Cora Dunham, Gitarristin Kat Dyson, Background-Sängerin Tonya Boyd Cannon und Pedal-Steel-Gitarrist Doug Pettibone. Dies wird ein Abend voller aufwühlender, inbrünstiger, bewegender Musik, an dem selbst die poppigen Schlenker an Format gewinnen.

Nach satten drei Stunden trennt sich Zucchero von seinen Fans

Im zweiten Akt werden Hit und Lieblingslieder aufgefahren. Dampfende Klassiker wie „Baila (Sexy Thing)“ oder eine gefühlige Gospelversion von John Fogertys „Long As I Can See The Light“. Mit Tenor Luciano Pavarotti hat Zucchero 1992 das Duett „Miserere“ aufgenommen. Nun singt der 2007 gestorbene Tenor auf der Leinwand seinen Part, Zucchero steigt live auf der Bühne mit ein. Quasi als Übergang zum dritten und letzten Akt bekommt der 77-jährige Jazzrock-Organist Brian Auger bei „Freedom Jazz Dance“ von Eddie Harris die Band und die Bühne ganz für sich und brilliert mit ausgefeilten solistischen Höhenflügen.

Der dritte Akt hält mit „Diamante“, „Cosi Celeste“ oder „Diavolo in me“ zum furiosen Finale noch einmal einige Evergreens bereit, die durch die neuen Arrangements um einiges rauer und direkter daherkommen. „Mille Grazie“ ruft Zucchero. Und auf Deutsch „Tausend Dank“. Aber so einfach lässt ihn Berlin einfach nicht gehen. Mit Händen und Füßen wird applaudiert und erst nach satten drei Stunden kann sich Zucchero von seinen Fans trennen.