Konzert in Berlin

Ein Abend zum Loslassen mit Laith Al-Deen

Ein Abend mit viel Gefühl, Pop und Humor. Laith-Al Deen schafft am Sonntagabend Wohnzimmer-Atmosphäre in Huxley’s Neue Welt.

Sänger Laith Al-Deen bei seinem Konzert im Berliner Huxley’s Neue Welt

Sänger Laith Al-Deen bei seinem Konzert im Berliner Huxley’s Neue Welt

Foto: Eventpress Hoensch

Laith Al-Deen reduziert sein Konzert auf das Wesentliche. Das Bühnenbild in Huxley’s Neue Welt ist schlicht, vertikale Neon-Röhren trennen gold-glänzende Rechtecke. Er betritt die Bühne in Jeans und beigefarbenem Hemd, stimmt eine A-Capella-Version von „Alles an Dir“ an. Ein Anfang mit viel Stille, der von Initimität, Gefühlen und Minimalismus geprägt ist und damit treffend den weiteren Verlauf des Konzerts beschreibt.

„Wie lange wollen wir noch warten, wie lange wollen wir uns quälen, wir können Vergangenes nicht besiegen“, singt er, diesmal mit Band. Es klingt, als verarbeite er sein musikalisches und kreatives Tief, seine Lebeskrise, wie er sie nennt, die er vor einigen Jahren hatte.

„38 Prozent des Albums sind gut“

Al-Deen, Sohn eines Irakers und einer Deutschen, wuchs in den USA und in Mannheim auf, wo er bis heute lebt. Mit seinem ersten Album „Ich will nur wissen“ machte er 2000 auf sich aufmerksam, seine Debütsingle „Bilder von dir“ hielt sich 20 Wochen in den Charts. Drei Alben erreichten Goldstatus. „Bleib unterwegs“ ist sein neuntes Album, in dessen Zentrum die Stimme steht, begleitet von pathetischen Streichern, poppigen Beats. „38 Prozent des Albums sind gut, damit kommen wir klar“, sagt der 44-Jährige am Sonntagabend. Die Platte sei über Geschichten, die ihm Menschen auf Facebook geschrieben haben, gepaart mit seinen.

Damit stimmt er seine aktuelle Single „Feuer“ an, eine der reduziertesten Nummern des Abend, zu der er sich mit viel Energie bewegt. Während die Gitarren vor sich hinsinnieren, bilden Streicher einen harmonischen Teppich. Eine nette Pop-Nummer, die im Vergleich zu dem folgenden Song, dem 14 Jahre alten „Ich mag wie du mich liebst“, verliert. Beschreibt diese viel besser die Neu-Ausrichtung, mit ihren dramatischen Synthie-Klängen, der von Al-Deen gespielten Trommel, den hymnischen „Uuhs“.

Sympathisch, humorvoll, nahbar

Al-Deen fordert sein Publikum auf, sich von der Musik mitreißen zu lassen, loszulassen, mitzusingen. „Wenn ihr es nicht fühlt, trinkt mehr“, sagt er und mischt sich unter seine Zuhörer, während er „Im Vorbeigehen“ anstimmt. Er zeigt sich sympathisch, humorvoll, nahbar. Schließlich soll sich das Publikum gegenseitig auf die Schulter klopfen, eine Geste der Gemeinschaft, die Wohnzimmer-Atmosphäre schafft.

Der Abend im Huxley’s ist schön, doch sehr poppig. Höhepunkte sind die raffiniert gespielten Gitarrensoli, Al-Deens gefühl- und kraftvolle Stimme, die in den Tiefen eine soulige Wärme versprüht. Allerdings neigt er auch zu Überdehnungen: Sowohl in den Vokalen, als auch den Songs, von denen kaum einer kürzer als fünf Minuten ist. Mit den Zeilen „Ich will nur ein Stückchen weiter, um zu finden was mir fehlt“, entlässt er sein Publikum in die Nacht.