Musical

Daniela Ziegler kehrt ins Theater des Westens zurück

17 Jahre hat die Berlinerin nicht mehr am Haus gespielt. Jetzt probt sie fürs Musical „Sister Act“. Und hat Angst, ob sie das packt.

Es fühlt sich nach Zuhause an – und doch wieder nicht:  Daniela Ziegler im Theater des Westens

Es fühlt sich nach Zuhause an – und doch wieder nicht: Daniela Ziegler im Theater des Westens

Foto: Reto Klar

Der Fotograf hat sie mitten in das herrliche Spiegelfoyer gestellt. Dort drängeln sich bei Vorstellungen die Gäste in der Pause. Daniela Ziegler aber steht hier jetzt ganz allein. Und während der Fotograf noch an der Beleuchtung werkelt, schweift ihr Blick über den weiten, leeren Raum.

Es muss ein seltsames Gefühl sein für die 68-Jährige: Daniela Ziegler hat hier große Zeiten erlebt, hat etwa 1981 in der deutschen Erstaufführung von „Evita“ die Titelrolle gespielt. Aber 17 Jahre lang hat sie nicht mehr an diesem Haus gespielt.

Berlin hat nichts mit ihr am Hut

Sie ist nach wie vor zu Premieren geladen worden, das schon. Aber seit Helmut Baumann vom Theater des Westens (TdW) gegangen ist, gab es kein Stück mehr für sie. Überhaupt hat sie, obwohl sie in Charlottenburg lebt, seit der „Meisterklasse“ im Renaissance Theater nicht mehr in ihrer Stadt gespielt, und das ist jetzt auch schon elf Jahre her. „Irgendwie“, meint sie später, als wir ganz allein in dem riesigen Saal an einem Tischchen sitzen, „haben die Berliner Theater mit mir nicht wirklich ,was am Hut’ gehabt.“

Sie sagt das ohne Verbitterung. Aber jetzt ändert sich das. Mit gleich zwei Comebacks. Am Sonntag hat im Theater des Westens das Musical „Sister Act“ Premiere. Und am Sonnabend darauf gibt es gleich noch eine Premiere,­ „Alles halb so schlimm! Alt sein für Anfänger“ im Schlosspark Theater. Mit ihr – und Helmut Baumann, dem ehemaligen TdW-Intendanten. Das ist zwar reiner Zufall, aber auch irgendwie eine merkwürdige Fügung.

Das Haus markiert einen Wendepunkt in ihrem Leben

Dass sie jetzt mit „Sister Act“, dem Musical nach dem furiosen Whoopi-Goldberg-Film, zurückkehrt, ist nicht ohne Ironie. Die deutsche Erstaufführung hat sie 2010 in Hamburg, ihrem zweiten Wohnsitz, gespielt. Als die Produktion nach Stuttgart und Oberhausen ging, war sie nicht mehr dabei. Erst jetzt wieder zur Berlin-Premiere. Wobei in Hamburg die Londoner Fassung des Stücks gespielt wurde, in Berlin nun aber die New Yorker. Manche Szene gibt es gar nicht mehr, völlig neue sind dazugekommen. „Wenn ich mich nicht total konzentriere“, gibt sie zu, „kann es passieren, dass ich in die alte Produktion rutsche.“

Fühlt sich das jetzt, zurück in der Kantstraße, wie ein Nach-Hause-Kommen an? Sie überlegt ein bisschen. Und antwortet dann mit einem entschiedenen Jein. „Es gibt noch immer Mitarbeiter von früher, in der Technik, in der Maske, in der Garderobe. Aber ansonsten ist es schon sehr anders.“ Die Zeiten ändern sich eben. „Es wäre ja auch schrecklich, wenn alles so geblieben wäre“, meint sie. „Dann wäre es ja stehen geblieben.“

Das Theater des Westens markiert einen Wendepunkt in ihrer Karriere. Daniela Ziegler hat in Bochum Schauspiel studiert und dann ab 1972, wie sie das nennt, die „Ochsentour“ gemacht: klein, größer, groß. Erst Deutsches Theater Göttingen, dann Staatstheater Hannover, schließlich Schauspielhaus Hamburg. Dafür wurde sie aus ihrem Vertrag in Hannover herausgekauft.

Daniela Ziegler in der TV-Adelssaga „Der Fürst und das Mädchen" pa / dpa/ Wolfgang Langenstrassen

Als ihre erste Produktion aber floppte und bei der zweiten die Rechte nicht frei wurden, hat Intendant Ivan Nagel mitten in der Spielzeit „Danke, das war’s“ gesagt. „Das war ein ziemlicher Schlag für mich“, gibt sie zu. Aber es gebe in einem Schauspielerleben nun mal Sachen, die nicht schön seien, aber wichtig: „um zu sehen, wie groß ist mein Durchhaltevermögen in Krisensituationen, wie groß ist meine Leidenschaft, wie weit lasse ich mich demütigen.“

Sie hat dann etwas gemacht, was sie immer schon machen wollte, wozu sie aber damals kein Geld hatte: eine Musical-Ausbildung. Und wenn schon, dann gleich am Broadway. Freunde hatten angeboten, wenn sie das wolle, würden sie das Geld leihen. Sie haben wohl nie damit gerechnet, dass sie Ja sagen würde. Das tat sie dann aber.

Eine Karriere auf drei Beinen

Für neun Monate ging sie nach New York. „Anfangs dachte ich, das schaff ich nie. Bis das, was die da vorn gesagt haben, durch meinen Körper war, waren die längst woanders. Aber irgendwann hat das Klick gemacht und ich konnte das.“ Das Geld hat sie übrigens zurückgezahlt. Wenn auch ohne Zinsen.

Ihre erste Musicalrolle in Deutschland war die Aldonza in „Der Mann von La Mancha“. Der Durchbruch kam dann kurz danach, mit der deutschen Erstaufführung von „Evita“ am TdW. Da habe es erst große Blockaden gegeben, gibt sie zu, ohne näher darauf eingehen zu wollen. Aber sie hat es schließlich gemacht. „Das war mein Einstieg ins große Musical.“

Man hatte sie schon vorher schief angesehen. Weil sie nebenher Fernsehen gemacht hat. Womit man in den 70er-Jahren im Theater als nicht mehr seriös galt. Jetzt auch noch Musicals. Aber seither steht sie sicher auf drei Beinen. In den USA wäre sie gerade deshalb ein Star. Hierzulande dagegen muss man alle in Schubladen stecken können.

Daniela Ziegler hat es dennoch weit gebracht. Das Fernsehen machte sie populär, mit Serien wie „Der Fürst und das Mädchen“. Sie spielt weiter Theater, zuletzt überwiegend am Hamburger Ernst Deutsch Theater. Und immer wieder Musicals. „Sunset Boulevard“ oder „Elisabeth“, das sie bis nach Schanghai brachte. Doch trotz allen Ruhms ist es immer noch so, dass nicht jeder gleich ihren Namen parat hat. Wurmt sie das eigentlich?

Nach all den Jarhen immer noch Fracksausen

Nein, auch da ist sie ganz entspannt. „Es gibt halt noch eine andere Liga. Ich binNagel nicht Iris Berben und nicht Senta Berger. Ich sage immer, ich schwimme auf der Suppe des mittleren Segments immer obendrauf.“ Sie versteht sich als Gebrauchsschauspieler. Den Begriff hat sie von Mario Adorf. Es gibt wenig, was speziell für sie konzipiert wird. Aber es gibt Rollen, und für die braucht man Schauspieler.

Wie die Mutter Oberin in „Sister Act“. Den Film kannte Daniela Ziegler gar nicht, den musste sie erst gucken, als man ihr die Rolle anbot. Trotz all der Jahre begreift sie das Musical-Fach übrigens immer noch als „Ausflug“: weil man nur da wirklich zu Hause ist, was man als Erstes gelernt hat. „Ich habe all die großen Sachen gemacht und doch immer wieder Angst, ob ich das packe“, gesteht sie. Das ist keine Koketterie: „Es ist so, ich kann es nicht ändern.“ Ihre Mutter Oberin würde sich an dieser Stelle wohl bekreuzigen.