Die Sommersonne dringt in eine Scheune. Im Gegenlicht schichten Jugendliche Heu um. Wird das ein historisches Bauerndrama? Handelt es sich um einen sentimentalen Zugriff auf einen Ort, an dem die Welt vermeintlich noch in Ordnung ist? Weder noch! Die Jugendlichen sind hier aus therapeutischen Gründen, Landluft und körperliche Arbeit sollen helfen, sie von ihrer Drogensucht zu befreien.

Doch Jungbauer Jonathan (Jannis Niewöhner) fühlt sich in dieser ländlichen Idylle gefangen. Neben der täglichen Arbeit auf dem Hof, den der 23-Jährige mit seiner schwermütigen Tante Martha (Barbara Auer) bewirtschaftet, pflegt er seinen Vater Burghardt (André M. Hennicke), der an Krebs im Endstadium leidet. Dabei plagen Jonathan vage Erinnerungen an seine Mutter, die früh starb – bei einem Unfall, angeblich.

Über Einzelheiten hat sich Burghardt stets in Schweigen gehüllt. Wenn Jonathan seine Tante fragt, sagt sie nur: „Frag deinen Vater.“ Als die Pflegerin Anka (Julia Koschitz) und Burghardts lang verschollener Jugendfreund (Thomas Sarbacher) zur Un- terstützung auf den Hof kommen, brechen Gefühle von ungeahnter, explosiver Kraft auf.

Eine starke Rolle für Nachwuchsdarsteller Jannis Niewöhner
Eine starke Rolle für Nachwuchsdarsteller Jannis Niewöhner © Kinofreund | Kinofreund

Kameramann Jeremy Rouse setzt geradezu beschwichtigende Bilder dagegen, die nach poetischer Schönheit suchen. Sie verfehlen ihre Wirkung nicht, obwohl man nackter Pärchen, die auf sonnendurchfluteten Feldern Hasch-Mich spielen und Insekten, die immer wieder nackte Glühbirnen umflattern, auf Dauer durchaus überdrüssig werden kann. Auch die Dialoge sind eher klar und direkt, als wollte sie einen Ausgleich schaffen zu den hier seit Jahrzehnten krampfhaft verschwiegenen Familiengeheimnissen.

Entsprechend neigen hier die schwächeren Momenten zum plakativen Kunstgewerbe. Vor allem Dank seiner starken Schauspieler und der atmosphärischen Bildgestaltung überwiegen in „Jonathan“ jedoch die Szenen von beeindruckender emotionaler Intensität.