Kultur

Hieronymus Bosch, der irre Meister des Monströsen

Eine Film-Doku zeigt die Arbeit hinter den Museumskulissen

Eine Eule späht aus einer Baumhöhle, aus dem Himmel starren uns Augen an, überall diese Dämonen mit den merkwürdigen Ohren. Hieronymus Boschs Gemälde sind visuell ein Tanz auf dem Vulkan. Vor 500 Jahren starb der Maler, Grund genug, den Meister des Monströsen in seiner Geburtsstadt Den Bosch mit einer großen Schau zu feiern. Nur: Vom Meister existieren 25 Werke – doch keines davon hängt dort. Der Filmregisseur Pieter van Huystee begleitet also die holländischen Experten des Forschungsteams bei der überaus zähen Recherche um die Welt. Sein Ziel ist es, das Making-of der Ausstellung „Bosch – Schöpfer des Teufels“ im Noordbrabants Museum zu dokumentieren.

Herausgekommen ist eine Art Roadtrip hinter die Kulissen der Museen in Washington, Madrid und Venedig. Auch das Kupferstichkabinett in Berlin ist Anlaufstelle, hier gibt es Bosch-Zeichnungen im Fundus. Kaum zu glauben, dieser Kampf unter den Kuratoren, Restauratoren, Kunsthistorikern und Museumschefs. Da wird diskutiert, verhandelt, die Eitelkeiten sind nicht ohne. Jeder beansprucht die Deutungsmacht. War der Meister Rechtshänder? War er gebildet, ein Humanist bei diesen diabolischen Fratzen? Mit der Lupe werden die Jahresringe einer Holztafel abgefahren, um das exakte Alter des Gemäldes zu datieren und damit die Echtheit zu bestätigen. Venedig leiht gerne aus, Kansas auch. Der Prado in Madrid stellt sich an. Schließlich organisiert das Haus eine eigene Schau im El Bosco-Museum, will die prestigeträchtigen Meisterwerke für sich. Die Holländer wollen den wahnsinnigen „Garten der Lüste“ zur Ausleihe. Geht nicht. Kleine Retourkutsche, schließlich haben die Holländer Rembrandts „Nachtwache“ auch nicht herausgerückt.

Mit dem spektakulären, erotisierenden Bosch-Bilder-Universum werden wir leider nicht verwöhnt. Dazu verhakelt sich die Dokumentation zu sehr in der wissenschaftlichen Analyse, dem Bilderstreit der Spezialisten. Statt im Farbrausch zu schwelgen, bleibt sie eng am Motiv verhaftet. Am Ende zeigt die Doku, die in acht Berliner Kinos läuft, ein Politikum: den Streit der internationalen Museen um Einfluss und Ansehen. Da bleibt der Künstler schon mal auf der Strecke.