Ein Ausstellungsraum als Comfort Zone? Bei der Art Week eilt ohnehin so mancher von uns von einer Vernissage zur nächsten Preisvergabe und danach zur irgendeiner Party. Da kommt ein wenig Wohlfühlatmosphäre gerade recht.

Im privaten Me Collectors Room in der Augustraße funktioniert das vorzüglich. Hausherr Thomas Olbricht hat gepolsterte Paletten-Sessel aufgestellt, Sofas, Nordic Styl, wie sie jetzt modern sind, bestückt mit lauter bunten Kissen, dazwischen Stehlampen. Er ließ Teppiche auslegen, darauf stapeln sich wild Kunstkataloge, die zum Stöbern animieren. Blaue, rote und grüne analoge Telefone auf den Tischchen erinnert ein bisschen ans gesellige Tanzcafé Keese. „Please order“ heißt es auf einem Schild.

Eine gewaltige Farbflut

Hier kann man Spritz Aperol oder ein Käffchen vorne an der Bar bestellen. Und da hängt sie, die Kunst an den großen weißen Wänden, und will in dieser Wohnzimmeratmosphäre meditativ betrachtet werden: Katharina Grosse, Wolfgang Tillmans, Robert Longo, Thomas Scheibitz Rosemarie Trockel, John M. Armleder, Bernard Frieze, Gerhard Richter, lauter richtig gute Namen. Die jüngere Generation ist mit Künstlern wie David Ostrowski vertreten. Eine gewaltige Farbflut, die da von den Wänden auf den Sofa-Besucher hinabstürzt. Aber wir sitzen ja.

70 Werke sind es, die Sammler Olbricht ganz nach seinem Gusto in seiner Ausstellung „My Abstrakt World“ zusammenfließen lässt. 350 abstrakte Arbeiten besitzt er, von 90 Künstlern. Seine Auswahl belegt, jeder Künstler deutet Abstraktion auf seine Weise: Grosses gigantisches, explosives, kantiges Spray-Tableau saugt alle Blicke sofort auf, Sarah Morris hingegen lenkt das Auge in feste Strukturen in gedämpfter Farbigkeit. Bernard Frize malt diesmal kein Gras, sondern tupft fröhliche Pop-up-Blüten, dicht an dicht.

Zu den Bildern gibt es einen Soundtreck

Und Turner-Preisträger Tillmans zeigt in seinem „Mental Picture“, wie weit sich Fotografie tatsächlich von der Bildhaftigkeit lösen kann. Robert Longo zeichnet ein schwarzes Quadrat – in Anspielung auf Malewitschs Ikone, die die figürliche Malerei aus den Angeln hob. Hier an den Wänden zählt keine Chronologie, sondern der Rhythmus der Farben und Formen.

Wobei wir bei Max Dax wären, der Kunst- und Musikpublizist stellte zu einigen Bildern Songs zusammen. „Assoziativ“, wie er sagt. John M. Armleder bekommt „Blue Monday“ von New Order an die Seite gestellt. Thomas Ruff hat bei der Bearbeitung der Fotoserie „Substrat“ immer wieder Richard Wagners „Götterdämmerung“ aufgelegt. Und Rosemarie Trockel entwickelte ein Faible für die Elektro-Akustikband Kreidler aus dem Düsseldorfer Raum. Per App (me Collectors Room) kann sich der Besucher die Musik auf dem Smartphone runterladen.

Wer um 16 Uhr kommt, hört den Soundtrack auf dem Sofa oder vor den Bildern laut in den Ausstellungshallen.

Olbrichts Intention für die Schau war simpel, einfach mal unsere Sinne in Schwung bringen. Der Ausstellungsbetrieb ist ernst genug. Die Hemmschwelle für abstrakte Kunst per Musik und Spritz abbauen? Muss nicht immer klappen, hier im lichten, großzügigen Wohnzimmer an der Auguststraße funktioniert es bestens.

Me Collectors Room, Stiftung Olbricht. Augusstr. 68. Di-So, 12-18 Uhr. Bis 2. April 2017. Katalog: 19,80 Euro