Kultur

Sechs Schauspieler springen von einer Rolle zur nächsten

Shakespeare Company zeigt den „Kaufmann von Venedig“

Es rummste und wummste durch die abendliche Sommerstimmung im Natur-Park Schöneberger Südgelände, als die Shakespeare Company am Dienstag die Sommerspielzeit einläutete. Wohl eher trommelten und tröteten die sechs Schauspieler aus dem unabhängigen Theaterensemble das Stück auf die hauseigene Freilichtbühne, die sich als passender Ort für Shakespeares dunkle Komödie „Der Kaufmann von Venedig“ erwies. Einzig das Wasser fehlte, um die Besucher in das düstere Szenario einzuführen, auch wenn die Handlung nur zum Teil in Venedig spielt. Einige Szenen ereignen sich in Belmont, wo die schöne Portia (Vera Kreyer) verheiratet werden soll. Derjenige, der von drei Kästchen das richtige öffnet und darin ihr Bildnis findet, darf sie zur Frau nehmen. Insgeheim hofft Portia auf den Edelmann Bassanio. Der leiht sich das nötige Geld von seinem Freund Antonio, dem Kaufmann von Venedig, gespielt von Oliver Rickenbacher. Dieser wiederum leiht es sich von seinem größten Widersacher, dem Juden Shylock, der in Antonio den Inbegriff des ihm verhassten Christentums sieht. Ein Schuldschein wird ausgefüllt, der bei Überschreitung der Frist nicht mit Zinsen, sondern mit einem Pfund Fleisch aus Antonios Körper beglichen werden soll.

Bassanio macht sich auf den Weg nach Belmont, wo die Brautwerbung auf Hochtouren läuft. Allein diese Szene gleicht einer perfekten Komödie. Ein Freier nach dem anderen wird vor die Tür gesetzt, darunter der gierige Prinz von Marokko und der lispelnde Prinz von Arragon. Bis schlussendlich Bassanio erscheint. Alle drei Anwärter werden von Daniel Schröder gespielt, was die Vielseitigkeit des Ensembles unter der künstlerischen Leitung von Christian Leonard nicht nur an dieser Stelle unterstreicht. Sechs Schauspieler verkörperten vierzehn Rollen.

Bassanio wählt das richtige Kästchen und gewinnt Portia für sich. Indes hat sich Shylocks Tochter Jessica mit ihrem Liebhaber Lorenzo davongemacht und all sein Geld mitgenommen. Shylock ist mittellos und sinnt auf Rache, die er allem Anschein nach auch bekommen soll. Nachdem Antonios Handelsschiffe verschollen sind, kann er den Schuldschein nicht rechtzeitig einlösen. Bassanio reist zurück nach Venedig, um Antonio zu retten, doch das Gesetz von Venedig spricht gegen ihn. „Ich will Gerechtigkeit! Bekomm ich sie?“, donnert Shylock (Stefan Plepp) derart ausdrucksvoll in die Nacht, dass sekundenlang Schweigen auf der Bühne und im Publikum herrscht. Antonios Muskeln zittern zum Zerbersten, als er mit entblößtem Oberkörper auf den Tod wartet. Doch „ein heißblütiges Temperament übertrifft jedes kalte Gesetz“, weiß Portia und rettet Antonio mit einem gewitzten Einfall. Am Ende sind (fast) alle in Glück vereint. Nur der Kaufmann bleibt allein zurück, immerhin hat er sein Vermögen wieder.

Freilichtbühne im Natur-Park Schöneberger Südgelände. Bis zum 6.August