Im orange-roten Brokatkleid bietet sich die edle Dame dem Maler Lucas Cranach dem Jüngeren dar, mit formschönem Kopfputz aus demselben Stoff und üppig mit Schmuck beladen. Eine mittellange Goldkette mit mehreren Anhängern voller wertvoller Edelsteine und Perlen daran, eine deutlich längere dunkle Perlenkette mit einem kostbaren Medaillon sowie etliche prunkvolle Ringe schmücken Agnes von Hayn auf dem 1543 entstandenen Porträt. Schaut man sich die Bildnisse von Adeligen und hochstehenden bürgerlichen Persönlichkeiten von Lucas Cranach dem Jüngeren und auch bei seinem Vater an, so stellt man fest, dass Schmuck dabei stets eine große Rolle spielt. Selbst Akte tragen oft Ketten um den Hals, als einziges Kleidungsstück.
Anlässlich des 500. Geburtstags von Cranach d. J. (1515–1586) lobte die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt bereits 2014 einen Wettbewerb für Schmuckdesigner aus, die – angeregt durch das Werk der Cranachs – Schmuckstücke entwerfen sollten. Aus 146 Einsendungen wurden 51 Objekte ausgewählt, die nun im Kunstgewerbemuseum unter dem Titel „Beautiful Mind“ zu sehen sind. Die Schmuckstücke spielen mit der Pracht und Üppigkeit des Renaissanceschmucks und suchen nach Übersetzungen in die Gegenwart.
Die Arbeiten der drei Preisträgerinnen des Wettbewerbs sind in den schmalen Vitrinen gleich zu Anfang der Ausstellung zu sehen. Bettina Dittl-mann, die sich schon lange mit der Kunst der Renaissance auseinandersetzt, hat eine mit dem ersten Preis prämierte, große Brosche aus Eisen kreiert, die mit Granatsplittern besetzt und sparsam emailliert ist. Die Formensprache ist dabei von der Renaissance inspiriert, doch das Material – Eisen und industriell gefertigte Steine – entspringt eher unserer modernen Zeit. Die opulente Halskette der Berlinerin Svenja John, ausgezeichnet mit dem dritten Preis, kann man sich gut als Repräsentationsschmuck am Hals einer edlen Dame aus der Renaissance vorstellen. Nur sind die Glieder dieser Kette nicht aus Gold und Edelsteinen, sondern aus Kunststoffteilen, welche die Künstlerin mit einem speziellen Programm am Computer entwirft und selbst einfärbt, um zu ihren farbenprächtigen Entwürfen zu kommen.
Auch viele andere Arbeiten sind originell, wenn sie die Üppigkeit der historischen Schmuckformen aufgreifen und vollkommen andere Materialien verwenden: Antje Bräuer schafft eine opulente Kette aus Buchensperrholz, André Ribeiro macht Halsschmuck aus Dichtungsringen und Claudia Baugut aus Drahtverschlüssen von Champagner- und Sektflaschen. Georg Dobler verwendet für sein Collier, das sich an den schweren Goldankerketten auf Cranachs Bildern orientiert, Korallen. Franziska Höhne nutzt die 3-D-Laserfertigungstechnik für ihr reduziertes Schmuckstück mit Renaissancereminiszenzen.
Die Bezüge zu Cranach werden ganz unterschiedlich hergestellt: Entweder beziehen sich die Schmuckkünstler direkt auf bestimmte Bilder wie Karin Seufert, die mit ihrer Kette aus Kunststoff von Flaschen oder Tuben von dem eingangs erwähnten Porträt der Agnes von Hayn inspiriert ist. Oder der Bezug ist spielerisch-assoziativ wie bei Elke Mohaupt, die eine zierliche Goldkette mit rechteckigem Anhänger entworfen hat, in den schnöde Wäschezeichen eingraviert sind, als Anspielung darauf, dass betuchte Damen damals wie heute das Privileg genießen, unliebsame Tätigkeiten nicht selbst zu verrichten.
Schade nur, dass neben den einfallsreichen Schmuckstücken die Cranach-Gemälde zum Vergleich fehlen. Stattdessen sind die Schmuckvitrinen locker eingebettet in die ständige Ausstellung des Kunstgewerbemuseums mit prunkvollen Goldschmiedearbeiten der Renaissance, darunter allerdings nur wenig Schmuck. So gut ausgeleuchtet wie diese Exponate hätte man sich auch die Schmuckstücke aus der Neuzeit gewünscht.
Kunstgewerbemuseum Berlin, Matthaikirchplatz. 1, täglich 10–18 Uhr. Bis 29. August.

