Sein Name steht neben Theaterlegenden wie Max Reinhardt und Elisabeth Bergner im Foyer des Deutschen Theaters in Berlin auf der Tafel der Ehrenmitglieder. Und doch ist Dieter Mann vermutlich noch immer einer der unterschätzten großen Theater- und Filmschauspieler, der in der DDR Starruhm genoss und dann auch im vereinten Deutschland über Rollenangebote vor allem im Fernsehen nicht klagen konnte.

    Auch kulturpolitisch hat das frühere SED-Mitglied und der DDR-Nationalpreisträger als Intendant des Deutschen Theaters in Berlin, wo er die noch aufstrebenden Talente wie Frank Castorf, Heiner Müller und Thomas Langhoff um sich scharte und förderte, einiges erlebt und bewirkt. Über sein atemberaubendes berufliches Leben und die weniger glamourösen Kinderjahre hat Mann jetzt in mehreren Gesprächen mit dem Journalisten Hans-Dieter Schütt Auskunft gegeben. „Schöne Vorstellung“ heißt die Autobiografie.

    Seinen Durchbruch und Überraschungserfolg hatte Mann in den 70er-Jahren als junger Rebell Edgar Wibeau in Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“, den er über 300-mal spielte. Später war er Wallenstein, Odysseus, Zirkusdirektor, der Tempelherr in „Nathan der Weise“ und der Wehrhahn in Hauptmanns „Biberpelz“. Auf der Leinwand war er das „Glück im Hinterhaus“. In der ZDF-Krimiserie „Der letzte Zeuge“ wurde Dieter Mann an der Seite von Ulrich Mühe auch im Westen bekannter.

    Die Kinderzeit hielt für den Arbeitersohn aus Berlin-Tiergarten, der im Juni 75 wird, wenig Sonnenschein bereit, was im Nachkriegsberlin allerdings auch keine Seltenheit war. Im Krieg wurde er im Kinderwagen von der Mutter durch die brennenden Seitenstraßen der Schönhauser Allee geschoben. Spielplatz waren später die Ruinen.

    Dass man als Intendant nicht geliebt wird, sollte Dieter Mann in seinen späteren Berufsjahren erfahren. „Liebe sollte man da nicht erwarten.“ Aber schon 1964 gehörte er dazu und wurde (bis 2006) Ensemblemitglied im Deutschen Theater, dessen Intendanz er schließlich von 1984 bis 1991 übernahm, wenn auch erst nach einer Bedenkzeit.

    Anwerbungsversuchen der Stasi habe er widerstanden, meint Mann. Aber „einen Mitarbeiter des Ministeriums gab es am Theater wie in anderen Institutionen auch“. Die Frage, wie man sich in bestimmten Funktionen „vereinnahmen lässt“, sei schwer zu beantworten, meint Mann rückblickend. „Ich bilde mir ein, aufgepasst zu haben.“ Der oft auch unbequem nachfragende Gesprächspartner Schütt (der in DDR-Zeiten mal Chefredakteur der FDJ-Zeitung „Junge Welt“ war) hakt nach, ob das schon „die entscheidende Lebenslüge“ sei. „Ich bin mit mir im Reinen, was den Charakter der Selbstprüfungen betrifft“, meint Mann. Er habe weder sich noch andere belogen.

    dpa