Karneval der Kulturen

Nadja Mau ist Karnevalistin aus Leidenschaft

Sie hat ein Händchen fürs Organisieren: Nadja Mau managt den Karneval der Kulturen und fordert eine Sicherung für das Event.

Umgeben von Utensilien für den Straßenumzug: Nadja Mau in einer der Werkstätten im „Haus des Karnevals“

Umgeben von Utensilien für den Straßenumzug: Nadja Mau in einer der Werkstätten im „Haus des Karnevals“

Foto: Reto Klar

„Ich war schon in der Schule immer die Kulturtante“, sagt Nadja Mau. Die Leiterin des Büros des Karnevals der Kulturen lächelt. Sie erläutert, was sie damit meint: „Ich habe in der Erweiterten Oberschule Carl von Ossietzky einen Schulclub gegründet und dort dann Veranstaltungen organisiert.“ Das sei so einige Jahre kurz vor der Wende gewesen, sagt Nadja Mau. Ihre Augen strahlen, als sie davon erzählt, wie sie die alte Hausmeisterwohnung der Oberschule in Pankow, dem Bezirk, in dem sie als Tochter von Ärzten geboren wurde und aufwuchs, für ihre Mitschüler zum Club umgestaltete.

Tatkräftiges Organisieren und die Menschen zusammenbringen hat Nadja Mau im Laufe ihres Lebens in verschiedenen Bereichen und auf unterschiedlichen Ebenen professionalisiert. Eigentlich wollte sie Kulturwissenschaften studieren, kam dann aber nach einem Praktikum im Berliner Haus der Kulturwissenschaften wieder davon ab. „Ich habe dort Einstufungen erteilt. Das war so eine Art Gewerbeschein, den Kleinkünstler in der DDR zum Geldverdienen in ihren jeweiligen Genre benötigten“. Mau sagt von sich selbst, „ ich mag Menschen“. Statt für Kulturwissenschaften entschied sie sich dann für das Studium von Arbeits- und Organisationspsychologie – unter anderem, denn die Berlinerin hat auch einen Abschluss im Studium „Deutsch als Fremdsprache“ in der Tasche.

Als „Kommunikationsbeauftragte die eierlegende Wollmilchsau“

„Im Rahmen dieses Studiums war ich auch ein halbes Jahr in Equador.“ In der Casa Humboldt, „einer Kultureinrichtung ähnlich dem Goethe-Institut“ machte sie in der Hauptstadt Quito ein Praktikum – und nachhaltige Erfahrungen. Durch das Leben in Gastfamilien konnte sie die dort völlig andere Kultur kennenlernen. Das sei eine Bereicherung gewesen. „Die Menschen leben dort viel mehr in der Gemeinschaft und nicht so vereinzelt wie wir hier in West-Europa“, sagt Nadja Mau, die übrigens auch einen Magister in Literatur- und Theaterwissenschaft hat.

Zunächst war sie jedoch nach dem Abschluss ihrer Studien als Psychologin tätig. 2000 machte sie sich dann als Veranstalterin selbstständig und gab ein Jahr später schon bei Radio Multikulti in der Funktion als „Kommunikationsbeauftragte die eierlegende Wollmilchsau“. Wie? „In dem ich mir beispielsweise Content ausgedacht habe für Kooperationsaktionen mit anderen Partnern, denn wir hatten da ja auch keinen Etat“, sagt Mau. Das Organisieren im multikulturellen Bereich wurde ihr dann nicht nur zur Profession, sondern vielmehr auch zur Passion. Denn ohne Leidenschaft für die Sache wäre Nadja Mau kaum so erfolgreich.

Mau führt die Fäden zusammen für das Multikulti-Event

Seit Februar 2015 agiert sie wieder als „Leiterin des Karnevalsbüros“, wie sie ihren Job fast schon zurückhaltend bescheiden bezeichnet. Denn auch, wenn das Büro - sie selbst eingeschlossen, mit nur drei festen Mitarbeiterinnen eine personell doch recht überschaubare Größe hat, könnte man den Job von Nadja Mau auch ganz einfach als den einer Managerin bezeichnen. Klingt deutlich anders als Büroleiterin, entspricht aber durchaus den Tatsachen - zumal das Arbeitspensum gerade jetzt, in der Phase des Countdowns für den Karneval der Kulturen, nicht mit einem Achtstundentag zu bewältigen ist.

Schließlich führt Mau jetzt wieder die Fäden zusammen für Berlins größtes Multikulti-Event, das auch in diesem Jahr wieder am Pfingstwochenende in Kreuzberg mit dreitägigem Straßenfest und dem traditionellen Straßenumzug steigt. Darin hat sie allerdings nicht erst seit 2015 Erfahrung. Die Berlinerin war bereits von 2002 bis 2012 hauptberufliche „Karnevalistin“. Dass sie vor vier Jahren in aller Stille ging und ihr Amt niederlegte, ohne sich öffentlich zu positionieren, begründet sie ganz diplomatisch damit, dass sie dem Karneval nicht schaden wollte. Später wurde offensichtlich, dass in der damaligen Trägerschaft einiges schief lief, weshalb der Senat dann auch 2014 die Reißleine zog.

Endlich eine feste Bleibe in Marzahn

Zum genauen Konzept und Programm des diesjährigen Karnevals, da ist Mau natürlich voll Profi, wolle sie uns derzeit noch nichts sagen. Sie verweist auf die Pressekonferenz, an der neben Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) unter anderem auch Unterstützer teilnehmen. „Am Mittwoch werden wir über die Details informieren“, sagt Mau.

Die Pressekonferenz findet erstmals im „Haus des Karnevals“ statt, wie die jetzt endlich feste Bleibe für Büro, Werkstätten und Proberäume der Gruppen des Karnevals der Kulturen heißt. Wobei es sich nicht um ein ganzes Haus, sondern vielmehr um zwei flächenmäßig riesige Etagen in einem Gewerbebau auf dem „econoparc“ genannten Gewerbeareal der GSG in Marzahn handelt. „Wir haben hier sieben große Räume mit einer Gesamtfläche von etwa 1700 Quadratmeter“, sagt Nadja Mau. Klar, gesteht sie, wäre es schöner gewesen, wenn man eine innerstädtische Bleibe gefunden hätte.

Gleichwohl, als Nadja Mau uns durch die hellen und überaus großzügigen Säle führt, in denen schon Teile der farbenfrohen Dekorationen für die Umzugswagen hergestellt werden, wird auch deutlich, hier könnte der Karneval der Kulturen wieder eine Zukunft haben. „Dafür“, in diesem Punkt wird Nadja Mau ganz bestimmt, „brauchen wir allerdings langfristig eine finanzielle Sicherung. Es kann nicht sein, dass wir jedes Jahr wieder aufs Neue Anträge für die Finanzierung schreiben müssen, Die Zeit haben wir nicht.“