Kultur

„Den Job hat Gott mir gegeben“

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Jens Dirksen

Klezmer-König Giora Feidman wird 80 und spielt ein Ständchen in Berlin

In Argentinien ist er geboren, in Israel lebt er, Deutschland ist ihm „ein Stück Heimat“, sagt er. Klarinettist Giora Feidman ist musikalischer Weltbürger und ungekrönter König des Klezmer. Seinen 80. Geburtstag am Freitag nimmt Giora Feidman zum Anlass für eine Deutschland-Tournee. Am 7. April gastiert er im Konzerthaus.

Berliner Morgenpost: Herr Feidman, im neuen Programm spielen Sie „When I’m 64“. Dürfen wir trotzdem fragen, wie man sich mit 80 fühlt?

Giora Feidman: Tja, ich werde zum ersten Mal im Leben 80, mir fehlt die Erfahrung, um die Frage professionell zu beantworten. Im Ernst: Es ist schön! Die meisten in meinem Alter jammern herum, dass das Leben so schnell vorbeisaust und so. Na, und? Ich habe zehn Enkel, das ist toll! Und ich kann immer noch mein Instrument spielen.

Haben Sie keine Angst, dass Ihnen die Puste ausgeht? Klarinetten gelten als körperlich durchaus fordernd.

Ach was, nein. Zuerst macht die Seele den Ton, dann erst kommt der Atem. Ich sehe mich übrigens als Sänger, nie als Instrumentalist. So habe ich es gelernt – und wir sind ja alle Resultate unserer Erziehung.

An was denken Sie, wenn Sie an Ihre Kindheit denken?

An eine Familie, in der ich gar nicht anders konnte, als Musiker zu werden. Vier Generationen Klezmer-Musiker! Mein Vater, ein Exempel an Selbstlosigkeit, war zugleich Klarinettist an der Oper in Buenos Aires. Als es mit mir so richtig losging, als ich schon mit 19 am berühmten Teatro Colon eine Stelle hatte oder später beim Israel Philharmonic, tja, da ging ich als junger Mann natürlich vor Stolz durch die Decke.

Ihr Vater war Ihr großer Lehrer?

Ein sagenhafter! Aber auch später habe ich mir immer Lehrer gesucht. Bis heute. Ich sag’ Ihnen was, da bin ich ganz sicher: Wenn Gott Ihnen ein Talent gibt, dann gibt er Ihnen auch Lehrer!

Sie sagen „Gott“. Ist für Sie alles bestimmt von einer höheren Macht?

Unbedingt. Bei uns musiziert nun die nächste Generation. Das ist eine Gabe von oben, die müssen wir gut behandeln. Wenn einer zu mir sagt: „Du spielst aber toll Klarinette“, sag’ ich immer: „Den Job hat Gott mir gegeben!“

Sie sind oft in Deutschland. Welche Bedeutung hat dieses Land für Sie?

Eine sehr besondere. Von Deutschland geht ein großes Beispiel aus: Das Verhältnis von Juden und Deutschen heute ist eine Botschaft an die ganze Welt. Dass ich als Jude einfach so frei durch Deutschland spazieren kann, ist ein Vorbild für alle Menschen auf der Welt, die sich bekämpfen. Das zeigt: Es gibt Humanität auf diesem Planeten. Es ist fast einzigartig, leider. Ich wohne in Tel Aviv, vor meiner Tür gibt es Konflikte, erst recht ein paar hundert Kilometer von meinem Zuhause, in Syrien, dem Libanon, die Bürgerkriege in Afrika. Es ist schrecklich.

Eine letzte Frage: Gab es in diesem langen Leben einen Moment, in dem die Musik Ihnen ganz besonders viel gegeben hat?

Ob Sie’s glauben oder nicht: in jeder Sekunde!

Konzerthaus/Großer Saal 7.4. um 20 Uhr Tel. 20 30 92 101.