Wettbewerb

Eine Waffe aus Zahlen

Der Dokumentarfilm von David Gibney widmet sich dem Stuxnet-Virus: „Zero Days“

Wenn es um die Weltherrschaft der Computercodes geht, ist der Film schon seit Jahren auf dieselbe Bildsprache angewiesen. Wir haben sie wohl im Jahr 1999 in „The Matrix“ zum ersten Mal gesehen: wild die Leinwand besetzende Zahlenkolonnen, unverständlich wie Hieroglyphen, Chiffren einer von Maschinen beherrschten Welt.

Regisseur Alex Gibney, einer der momentan besten US-Dokumentarfilmer und 2007 mit dem Oscar prämiert, greift auf dieselbe Ästhetik zurück, um durch „Zero Days“ zu führen. Es geht um das sogenannte Stuxnet-Virus, das im Jahr 2010 weltweit auftauchte und das als Computerwurm zu umschreiben sicher untertrieben wäre: Eher war es eine Anakonda. Gibney hat zahlreiche IT-Experten vor die Kamera geholt, die sich fasziniert zeigen von der Perfektion des zerstörerischen Virus. Er enthielt keine „Bugs“, also keine für solche Programme typischen Kleinfehler, und es war in seiner Komplexität selbst für die beschlagensten Hacker kaum zu durchschauen. Sicher schien nach wochenlanger Analyse nur, dass es sich ursprünglich gegen Steuerungssysteme der Firma Siemens richtete, mit deren Hilfe die Geschwindigkeit von Motoren reguliert werden konnte – wie sie zum Beispiel in Wasserwerken, Klimatechnik oder Pipelines eingesetzt werden. Oder in Zentrifugen zur Anreicherung von Uran. Wer hatte das Interesse und die Mittel, ein derart aufwendiges Programm zu entwickeln?

Weil ein Großteil der befallenen Computer im Iran stand und dort zudem bald Ausfälle in einer Urananreicherungsanlage bekannt wurden, richtete sich der Verdacht auf die USA und Israel. Gibney bringt viele Insider vor die Kamera, darunter den ehemaligen NSA- und CIA-Chef Michael Hayden. Aber wenn das Wort „Stuxnet“ fällt, werden sie allesamt sehr einsilbig. Es ist deshalb einem computergenerierten, von Whistleblowern gespeisten Frauenkopf vorbehalten, die USA und Israel als Urheber zu nennen. Wer die Materie kennt, wird nichts Neues in diesem Film finden – der zudem durch seine Bildsprache über 110 Minuten oft ermüdet.

Termine Friedrichstadpalast, heute,
9.30 Uhr u. 19.2., 12.15 Uhr;
International, 19.02., 22.30 Uhr.