Perspektive

Rand des Lebens und der Stadt

Der Berlin-Film „Meteorstraße“ erzählt eine ungewöhnliche Geschichte von Migranten

Die Meteorstraße liegt in Reinickendorf, direkt am Flughafen Tegel, getrennt von seinem Rollfeld nur durch die Autobahn 111. Sie ist ein Ort im Abseits, eine unwirtliche Transitzone, über den unablässig die Flugzeuge hinwegdonnern – und wie zur Versinnbildlichung dessen tragen die Straßen hier alle die Namen weit entfernter Gestirne: Marsstraße. Venusstraße. Jupiterstraße. Und eben Meteorstraße, benannt nach Objekten, die oben in der Atmosphäre verglühen, hoch über unseren Köpfen.

Es ist eine gute Metapher für das, was uns Regisseurin Aline Fischer erzählen will. Die gebürtige Französin, ausgebildet an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg, hat mit „Meteorstraße“ die Sektion Perspektive Deutsches Kino eröffnet – und diese Perspektiven sind, nimmt man diesen Film zum Maßstab, verheißungsvoll. Im Zentrum stehen zwei verlorene Brüder: Der 18-jährige Mohammed (Hussein Eliraqui) und sein älterer Bruder Lakhdar (Oktay Özdemir). Sie sind mit Vater und Mutter vor dem Krieg aus dem Libanon geflohen. Die Eltern mussten zurückkehren, nun leben die beiden jungen Männer im Unrat eines zerbrochenen Lebensentwurfs.

Mohammed ist introvertiert, er schreibt Tagebuch und arbeitet in einer Motorradwerkstatt. Wenn er verzweifelt seinen Vater anruft, vertröstet der ihn mit knappen Worten, dann wird die Leitung unterbrochen. Lakhdar ist impulsiv, jähzornig und oft betrunken. In den unruhigen Bildern der Handkamera verfolgen wir die Geschichte der Hassliebe zweier Migranten, denen sich die Sinnfrage ganz existenziell stellt: Niemand braucht sie, keiner hat auf sie gewartet. Wofür sind sie eigentlich hier?

Aline Fischer erzählt diese Geschichte ohne Überschuss an Melodramatik: nüchtern, fast dokumentarisch. Und sie hat nebenher auch noch einen Berlin-Film geschaffen, der wohltuend aus der Reihe tanzt: Hier werden keine Wahr­zeichen präsentiert und keine Kiezheimeligkeit vorgegaukelt, wo es sie nicht gibt. Berlin ist auch eine Stadt der Nicht-Orte ohne Eigenschaften, um die sich niemand kümmert, weil sie niemand liebt.

Termine 18.2., 15.30 Uhr, Zoo Palast 1, 19.2., 21.30 Uhr, City Kino Wedding