Schimankis Erbe

Til Schweigers „Tschiller: Off Duty“ feiert Berlin-Premiere

Til Schweiger bringt nach 30 Jahren wieder einen „Tatort“ ins Kino. Ein Vorab-Screening für Journalisten gab es auch diesmal nicht.

Bei frostigen drei Grad hätte die Kleiderwahl der Premierengäste nicht stärker auseinandergehen können. Während Hauptdarsteller Til Schweiger im gefütterten Mantel kam, erschien seine Ex-Frau Dana bloßfüßig in Highheels – Gänsehaut garantiert. Trotz „Scheißkälte“ wie Schweiger sagte, schnappte er sich gut gelaunt das Aufnahmegerät einer Radioreporterin und machte damit Faxen. „Ich bin bei Premieren nie aufgeregt“, sagte er. „Erst wenn der Film am Donnerstag in die Kinos kommt.“

1985 war schon einmal ein „Tatort“ auf großer Leinwand zu sehen. In „Zahn um Zahn“ gab Götz George den legendären Horst Schimanski. Es sollte jedoch 30 Jahre dauern, bis es wieder hieß: „Tatort“ goes Kino. Am Mittwochabend feierte „Tschiller: Off Duty“ Premiere im Zoo Palast an der Hardenbergstraße.

Eine kleine Sensation – und Überraschung. Denn eigentlich war der vierteilige Erzählstrang rund um den unangepassten Hamburger Kommissar Nick Tschiller, gespielt vom unangepassten Til Schweiger, auserzählt. Nach der Verhaftung des Mafiabosses Firat Astan (Erdal Yildiz), Tschillers Erzfeind, war eigentlich Schluss. Doch nun ist Tschillers Tochter Lenny (Luna Schweiger) in Gefahr, und der suspendierte Ermittler muss sich durch die Welt prügeln. Von Istanbul bis Moskau geht die Verfolgungsjagd, gerne wird der Vergleich mit James Bond bemüht – und bedient. Sei es beim Plakat, auf dem Schweiger über Dächer in Istanbul springt, bei einer attraktiven Geliebten (dargestellt von der türkischen Schauspielerin Berrak Tüzünataç), lässigen Sprüchen und Action nonstop. „Bei dem Film ist alles dicker und lauter. Vom Feuer, über die Kulissen bis zu den Drehorten“, brachte es Fahri Yardim auf den Punkt. Yardim, der als Tschillers Kollege Yalcin Gümer schon beim TV-„Tatort“ für humorvolle Momente sorgte, pflegt diese Rolle auch im Kinofilm. Auf seine Nacktszene angesprochen, verriet er: „Ich trug eine Socke vornerum, damit das Team nicht geschockt war“.

Die Premierengäste waren gespannt auf Tschillers neues Abenteuer. „Endlich wieder ein anständiger Actionfilm aus Deutschland“, sagte Martin Semmelrogge. Der Schauspieler hatte die letzten beiden TV-Tatorte mit Schweiger auf Mallorca gesehen. „Til ist ein gerader Junge, der seinen Weg geht“, sagte er weiter.

„Tatort“-Kommissar Jan Josef Liefers kennt keine Konkurrenz: „Das gibt es unter Freunden nicht.“ Außerdem sei Til ein eigenes Universum geworden, das unbeeindruckt seine Bahnen ziehen würde, so Liefers. Und verriet noch, dass der Münsteraner „Tatort“ auch einen Kinofilm plane. „Aber in Münster mahlen die Mühlen langsam.“ Modemacher Wolfgang Joop schätzt Schweiger und lobte: „Er ist ein Mann, der polarisiert.“ Von dem Film erwarte er aber nicht viel. „Mir sind die Schnitte zu schnell“, so Joop.

Ein Urteil, das wohl viele Fernsehzuschauer teilen, denn bei der letzten TV-„Tatort“-Doppelfolge schwächelte die Quote. Nur 8,24 Millionen Zuschauer verfolgten „Der große Schmerz“, rund 7,69 Millionen Zuschauer interessierten sich für die Fortsetzung „Fegefeuer“. Zum Vergleich: Tschillers erster Einsatz „Willkommen in Hamburg“ lockte noch 12,5 Millionen Menschen vor den Fernseher. Til Schweiger reagierte damals dünnhäutig auf die Kritik. Auf seiner Facebook-Seite schrieb der 52-Jährige: „Wenn sie ehrlich wären, würden sie zugeben, dass du (Regisseur Christian Alvart , Anm. d. Red.) was Außergewöhnliches geschaffen hast!! Das kriegen sie aber nicht hin, weil sie schwach und klein sind!“ Man darf daher jetzt schon gespannt sein, wie Schweiger nach dem Kinostart mit Kritik umgehen wird.