Konzert in Berlin

Vintage Trouble bringen das Columbia Theater zum Überkochen

Im Sommer spielten sie im Vorprogramm von AC/DC im Olympiastadion. Nun sorgten sie als Hauptband für schweißtreibend gute Laune.

Vintage Trouble setzen live ungebändigte Energie frei

Vintage Trouble setzen live ungebändigte Energie frei

Foto: picture alliance / Photoshot

Als sie im Sommer als Vorprogramm von AC/DC mal kurz das Olympiastadion aufgemischt hatten, war die Meinung einhellig. Die müssen wieder kommen. Denen wollen wir ganz nahe sein. Die wollen wir in einem Club sehen. Die Rede ist von Vintage Trouble, dem kalifornischen Quartett, das sich so hemmungslos und detailverliebt dem Rock und Soul der 60er-Jahre hingibt. Und nun am Freitagabend das prall gefüllte Columbia Theater zum Überkochen brachte.

Zunächst aber steigt Vintage-Trouble-Sänger Ty Taylor auf die Bühne, um persönlich die Vorgruppe anzusagen, die Slydigs aus Worrington am Mersey River im Nordwesten Englands, zwischen Liverpool und Manchester gelegen. Und zwischen Liverpool und Manchester klingt auch dieses Quartett, das sich in diesen modernen Zeiten dem bodenständigen Sixties-Beat verschrieben hat. Die Slydigs sind eine energiegeladene Rock-’n’-Roll-Band, die einen großen Bogen zu schlagen weiß von den Pretty Things zu Oasis und dabei höchste Eigenständigkeit beweist. Der Laden kocht schon jetzt.

Schon beim zweiten Song tanzt der ganze Saal

Und die Stimmung im Columbia Theater wird noch aufgeheizter, als Vintage Trouble schließlich mit dem soulschwangeren „Soul Serenity“ vom aktuellen, dritten Album „1 Hopeful Rd.“ die Bühne entert, um das Publikum Song für Song mehr und mehr in Ekstase zu treiben. Sänger Ty Taylor im Dinnerjacket ist ein ungezähmter Entertainer, eine Mischung aus James Brown und Otis Redding, der über die Bühne tobt und tänzelt und auch vor Abstechern mitten ins Auditorium nicht Halt macht.

Vintage Trouble sind eine unglaublich kompakte, hochmusikalische Band, deren Retro-Stil sofort ungebändigte Energie freisetzt. Schon beim zweiten Stück „Blues Hand Me Down“ tanzt der ganze Saal und ist diesem Zeremonienmeister auf der Bühne und dem Drive, den diese Band vorlegt, auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Bei „Angel City, California“, der pulsierenden Hymne auf Los Angeles, singt bereits alles textversiert mit.

Frontmann Ty Taylor sang bereits in der Gruppe Dakota Moon, als er gemeinsam mit dem Gitarristen Nalle Colt das Projekt Vintage Trouble aus der Taufe hob. Mit Bassist Rick Barrio Dill und Schlagzeuger Richard Danielson war die Truppe komplett und sorgte bereits mit dem Debüt-Album „The Bomb Shelter Sessions“ 2011 für Aufsehen. Vor allem die Live-Qualitäten von Vintage Trouble waren es, die ihnen eine immer größer werdende Fangemeinde bescherten. Schnell hatten sie den Ruf weg, eine der aufregendsten Old-School-Blues-Rock-Bands der Gegenwart zu sein. Zu Recht.

Sänger wetzt sich in Publikum

Sie nahmen die großen Festivalbühnen von Glastonbury bis Coachella im Sturm. Auftritt im Vorprogramm der Rolling Stones, The Who, Bon Jovi und eben in diesem Jahr AC/DC sorgten für die nötige Breitenwirkung. Doch es ist vor allem die Nähe in einem Club, in der dieses treibende Gemisch aus Rock und Soul so richtig zur Geltung kommt. Gegen Ende der Show, bei „Run Like The River“, wetzt Ty Taylor mitten ins Publikum, lässt sich auf Schultern tragen und heizt die Stimmung mehr und mehr an, bevor er sich auf den Händen des Publikums zurück auf die Bühne bugsieren lässt.

Was für ein Energiebündel. Dazu liefert Gitarrist Nalle Colt knackige, gestochen scharfe Riffs und schabt zwischendurch mit dem Bottleneck über die Saiten. Bass und Schlagzeug halten den Groove auf Trab. Ein eingespieltes Team, das sich blind vertrauen kann und das Glücksgefühle im Auditorium provoziert. Der traditionsverbundene Rhythm’n’Blues von Vintage Trouble sorgt für gut eineinhalb Stunden für schweißtreibend gute Laune. Der Applaus ist so atemlos wie dankbar. Sie müssen wiederkommen. Die Slydigs übrigens auch.