Man muss nur, irgendwann bei Minute sechs oder sieben ihres Klassikers „Crush“, in das Gesicht von Schlagzeuger Carter Beauford blicken. Wie er hinter seinem Bataillon aus Trommeln sitzt und seine Hände mit den Sticks durch die warme Luft der Columbiahalle wirbeln. Wie er rüberschaut zu Dave Matthews, zu Boyd Tinsley, der gerade mit dem Bogen über die Saiten seiner Violine rast. Und wie er lacht.
Lange mussten die Fans in Deutschland warten, bis Dave Matthews und seine Truppe wieder Halt machten. Die letzte Tour war 2010. Jetzt läuft eine Welttournee, mit vier Stationen auch in Deutschland. Eine davon ist die Columbiahalle.
25 Jahre steht die Dave Matthews Band auf den Bühnen dieser Welt, 38 Millionen Alben haben sie verkauft, zweimal gewannen sie den Grammy-Award. Hunderte Male hat die Band die Ballade „Crush“ gespielt. Und an diesem Abend in Berlin freuen sie sich so, als hätten sie gerade den Groove für einen neuen Superhit entdeckt.
Immer noch sind sie so etwas wie ein Insider-Tipp
Dave Matthews Band, kurz DMB, zählt zu den bekanntesten Jambands in den USA. Und zu den erfolgreichsten. In Deutschland sind sie jedoch immer noch so etwas wie ein Insider-Tipp, am Dienstag waren sie in Berlin zu Besuch. Jambands wie DMB durchbrechen auf ihren Konzerten die genormten Dreiminutendreißig-Schallgrenzen der Musikindustrie. Sie verlieren sich in einem Lied, passen sich gegenseitig die Soli mit ihren Instrumenten zu, überraschen. Manchmal auch sich selbst. Die Setlists der Band sind immer wieder verschieden, Klassiker wie „Jimi Thing“, „Warehouse“ oder „Don’t Drink The Water“ gehören oft dazu. Doch die Soli in den Songs entstehen aus dem Moment – und so ist jedes Konzert etwas besonderes.
Urahnen der Jambands sind „The Grateful Dead“ und „The Band“, die einst stundenlang in hippiesken Gitarren-Gefriggel versanken, um dann wieder aufzutauchen in den Rhythmus des Bluesrock. Dave Matthews Band sind die Popstars unter den Jambands. Ihre Musik bleibt nicht linientreu beim Bluesrock, Funk oder Folk. Sie mischen Genre. Jeder der sieben Musiker trägt seine eigene Geschichte in die Lieder. Dave Matthews, Gitarrist und Sänger, ist in Südafrika geboren. Der Sound des Kontinents prägt seine musikalische DNA. Schlagzeuger Beauford groovt funkig-verspielt, Tinsley ergänzt mit seiner Violinen modernen Folk-Klang. Auch die Musiker an Bass, Saxofon und Trompete haben ihren eigenen Stil.
Für eine Ballade sitzt Matthews am Piano. Er erzählt von den Sternen, die er sich abends mit seinen Kindern anschaue. Viele Lieder schreibe er für sie, sagt er dann.
Christian Unger

