Kultur

Mit einem toten Ehemann lebt es sich irgendwie besser

Ganz schön schmalzig: „Rose und ihr hilfreicher Geist“ in Steglitz

Hinter dem Vorhang muss das Meer liegen. Man meint, es rauschen zu hören, während das Publikum die Plätze einnimmt. Eine Sinnestäuschung? Mitnichten, das Meer ist so real, wie es im Theater nur eben sein kann. Sanfte Wellen, Wolken ziehen vorüber, die Sonne bescheint einen hölzernen Steg, der weit ins Wasser ragt. Eine Projektion, natürlich, aber eben sehr echt. Ganz im Gegensatz zu dem Mann, der diesen Steg entlanggeht und quasi aus der Leinwand heraus jene Bretter betritt, die den Steg nach vorne auf die Bühne fortsetzen.

Dieser Mann ist seit fünf Jahren tot. Für alle außer für Rose, die Frau, die ihn viele Jahre liebte und es immer noch tut. Sie weiß zwar, dass ihn ein Aneurysma damals beim Dinner jäh seinem Wolfsbarsch und diesem Leben entriss. Dennoch: Sie sieht ihren Walsh, spricht mit ihm, sie streiten und versöhnen sich, alles wie früher. Mindestens. Sie findet sogar: „Jetzt, wo du tot bist, lebt’s sich viel besser mit dir.“

Eine für seine Verhältnisse ganz schön melancholische Komödie hat Neil Simon, da geschrieben. Was daran liegen mag, dass er, als „Rose and Walsh“ 2003 in Los Angeles uraufgeführt wurde, schon in seinen Mittsiebzigern und zum fünften Mal verheiratet war. Im Schlosspark Theater bringt Regisseur Lorenz Christian Köhler das Stück als Koproduktion mit der Drehbühne Berlin unter dem Titel „Rose und ihr hilfreicher Geist“ auf die Bühne. In den Hauptrollen: Jürgen Heinrich (bis 2005 der Wolff in „Wolffs Revier“) und Michaela May, die damit erstmals seit ihrem Debüt vor über 40 Jahren am Kudamm wieder in Berlin Theater spielt.

Das Meer da hinten liegt ruhig, aber die Beziehung von Rose, der Pulitzer-Preisträgerin in der Schaffenskrise, und Walsh, dem berühmten Krimiautor und Womanizer, muss eine stürmische gewesen sein. Als reales Vorbild dienten Simon die Turbulenzen der US-Schriftsteller Lillian Hellman und Dashiell Hammett. Jürgen Heinrich und Michaela May gehen die Sache gemäßigt an. Sie leicht frotzelnd bis pieksig, sich ihrer Ausstrahlung sehr gewiss. Er überlegen, wissend, ihr Fels in der virtuellen Brandung. Doch Walsh will sich endgültig verabschieden, verrät ihr aber noch, wo er seinen letzten unvollendeten Roman versteckt hat. Der soll sie finanziell unabhängig machen, wenn er denn von irgendwem zu Ende geschrieben wird.

Damit öffnet sich die Geschichte vom Lieben und Loslassen in die nächste Generation. Der junge Krimiautor Clancy (Mathias Harrebye Brandt) taucht auf und Roses vernachlässigte Tochter Arlene (Nanda Ben Chaabane). Versöhnung für Mutter und Tochter, Kuss und Liebe für Arlene und Clancy und noch ein frischer Bestseller für alle.

Zu Beginn ist dieser Abend etwas langatmig geraten, was sich im zweiten Teil legt, dafür rosamundepilchert es dort umso mehr. Ein gutes Darstellerquartett, aber ganz schön viel Schmalz. Die wahre Attraktion des Abends ist ohnehin die von Jeannine Cleemen und Moritz Weisskopf gestaltete Bühne, ein hölzern-luftiges Sommerhaus, das sich über Videos und Projektionen elegant und poetisch ins Jenseits verlängert. Vor dieser Kulisse macht dann sogar das Pathos Spaß, das Rose und Walsh am Ende in die Segel ihres kleines Holzbötchens fährt, mit dem sie ihrem neuen gemeinsamen Sein jenseits des Irdischen entgegenschippern und dabei langsam am Horizont verblassen.

Schlosspark Theater, Schlossstr. 48, Steglitz. Bis 2.11. Täglich, 20 Uhr,