Kultur

Dieter Hallervorden und die harte Arbeit am Humor

Letztens, als er 80 Jahre alt wurde, verstörte Dieter Hallervorden mit einem Video. Man sah ihn tanzend, umgeben von vielen Freunden, und er rappte dynamisch, er müsse gegen „Lügenprofis“ kämpfen. Es fiel zeitlich seltsam zusammen mit den Transparenten auf Pegida-Demonstrationen, auf denen von der „Lügenpresse“ die Rede war und Journalisten als willfährige Agenten von Politik und Wirtschaft an den Pranger gestellt wurden. Mit dem Porträt Hallervordens beginnt eine neue Staffel der ARD-Porträtreihe „Deutschland, deine Künstler“ – nach ihm werden noch Annette Dasch, Moritz Bleibtreu und Peter Lindbergh im Zentrum stehen. Autorin Hilka Sinning gelingt es in dieser ersten Folge sehr gut, auch die dunkler getönten Seiten von Hallervordens Charakter auszuleuchten, ohne ihn damit gleich zu denunzieren. Zu ihm, der die deutsche Humorlandschaft über Jahrzehnte hinweg mitgestaltete, gehört eben auch, dass er sich ab und an vergaloppierte.

Dass er sich den Mund nicht verbieten lässt, ist eine Konstante im Leben dieses Künstlers. Er selbst nennt die Meinungsfreiheit als den entscheidenden Grund, warum er die DDR 1958 verließ. Der Film blendet zurück in Hallervordens Jugend in Dessau mit dem von ihm bewunderten Vater und erzählt von der bemerkenswerten Karriere dieses Mannes, die auch in Berlin viele Spuren hinterlassen hat – vom 1960 gegründeten Kabarett-Theater Die Wühlmäuse bis hin zum 2009 wieder eröffneten Schlosspark Theater in Steglitz.

Lange hing ihm die Rolle des Palim-palim-Didi aus seiner Slapstick-Ära nach, verbunden mit viel Häme aus dem Walhall der Kulturkritik. Dass er Fähigkeiten hat, die weit in andere Genres reichen, stellte er wohl auch deshalb immer wieder unter Beweis – zuletzt mit Rollen, die ihn als gebrechlichen Mann im hohen Lebensalter zeigen. Er ist vieles: Ein zugewandter Vater, der mit seinem Sohn auf einem Markt in der Bretagne Käse kaufen geht. Ein perfektionistischer Theater-Arbeiter, der ungern die Kontrolle abgibt – Freunde und Weggefährten wie Thomas Schendel oder Brigitte Grothum geben darüber Auskunft. Vor allem aber: ein Publikumsbeglücker. Einer, mit dem die Leute gerne lachen. Gut, dass wir ihn haben.

Deutschland, deine Künstler ARD, Sonntag, 22.35 Uhr