Einträchtig sitzen Michael Naumann und Sebastian Nordmann am Anhörungstisch mit den Mikrofonen nebeneinander. Manchmal finden im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses Menschen zusammen, die sich sonst nicht unbedingt begegnen. Selbst wenn sie Nachbarn sind und klassische Musik lieben. Sebastian Nordmann ist Intendant des Konzerthauses am Gendarmenmarkt, Michael Naumann ist Gründungsdirektor der Barenboim Said Akademie, die gerade im früheren Magazingebäude der Staatsoper ausgebaut wird.

Die neue Musikakademie wird einen eigenen Konzertsaal haben, den Stararchitekt Frank Gehry für Stardirigent Daniel Barenboim entworfen hat. Ein Freundschaftsgeschenk. Nun gibt es Befürchtungen, dass sich Konzerthaus und Barenboims Akademie irgendwie in die Quere kommen könnten. Dass einer dem anderen Publikum wegnimmt. Zumal auch im Humboldt-Forum ein neuer Saal entsteht. Oder dass Berlin am Ende womöglich auf irgendwelchen Kosten sitzen bleibt. Um das herauszufinden, haben die Abgeordneten am Montag eingeladen, einmal über die „Auswirkungen der Barenboim Said Akademie und des neuen Konzertsaals auf die Berliner Kulturlandschaft“ zu reden.

Zunächst einmal stellt Michael Naumann die Akademiepläne vor. Er betont, dass dieser Berliner Kulturbau im Kosten- wie im Zeitrahmen liegt. Von den 36 Millionen Euro Baukosten steuert der Bund 20 Millionen Euro zu, der Rest kommt von Stiftern. Der Bund wird auch die laufenden Kosten nach der Eröffnung übernehmen. Bei diesem Thema verliert sich Naumann nicht in allzu vielen Details. „Noch ist nicht alles in trockenen Tüchern“, sagt er, aber eigentlich alles klar. Der Bund zahlt. Im Kulturausschuss wird das gelassen entgegengenommen. Überhaupt betonen die Abgeordneten wie auch Kulturstaatssekretär Tim Renner, dass das Projekt für Berlin wichtig ist. Es gibt einen Konsens, dass das Projekt „ein Geschenk für die Stadt ist“. Einigen Zwischentönen ist zu entnehmen, dass mancher in Barenboims Akademie ein exklusives Konkurrenzprojekt zu den Berliner Philharmonikern erwarten.

Die Barenboim Said Akademie mit ihrem neuen Konzertsaal soll im Herbst 2016 eröffnet werden. Der argentinisch-israelische Dirigent Daniel Barenboim und der palästinensische Literaturwissenschaftler Edward Said (1935–2003) hatten 1999 das West Eastern Divan Orchestra (Wedo) mit Musikern aus arabischen Staaten und Israel gegründet. Das hat seither den Mythos eines Friedensorchesters. Das Wedo sei aber nicht identisch mit der Akademie, sagt Naumann. Das Sinfonieorchester bildet sich aus einem eigenen Pool von rund 800 Musikern. Die Akademie habe gerade ein Pilotprojekt mit zwölf Bewerbern gestartet, erzählt Naumann. Dafür hatten sich 100 junge Musiker aus dem Nahen Osten beworben. Vier Jahre wird das Studium dauern, maximal 80 Studenten werden künftig in der Akademie ausgebildet. Dort wird es also eher familiär vertraut zugehen. Der neue Saal wird maximal 620 Plätze haben, ein mittelgroßer Kammermusiksaal.

„Der Saal ist nicht das Zentrum der Akademie“, betont Naumann, „es sind die Studierenden.“ Aber natürlich wird einiges mehr im Boulez-Saal stattfinden als akademische Klassik. Naumann möchte gar die „Türen für arabische, inklusive kurdische Musik öffnen“.

Sebastian Nordmann kann in der Akademie auch „keine Konkurrenz sehen“. Geschäftlich schon gar nicht. Er habe sogar zu viele Anfragen für seinen Kleinen Saal, sagt Nordmann. Die werden dann weitergeleitet. Er sieht Chancen für gemeinsames Agieren, insbesondere bei Festivals. Genau darüber gibt es einen kleinen Dissens unter den Abgeordneten. Die Grünen wollen auch über Synergieeffekte reden, was Wolfgang Brauer von den Linken massiv wegwischt. Der Staat solle sich nicht einmischen, findet Naumann.