Miriam Pielhau räuspert sich und klingt ein wenig heiser. Es könne sein, dass sie bei einigen hohen Tönen heute passen müsse, entschuldigt sie sich schon vorab. Seit Tagen plagt sich die Moderatorin mit einer Bronchitis, aber „The Show must go on“, sage man schließlich nicht umsonst in Theaterkreisen.

Seit Ende August laufen im Theaterhaus Mitte die Proben für die Uraufführung des Musicals „BurnOut“ an diesem Freitag im Imperial Club des Admiralspalastes. Pielhau spielt die weibliche Hauptrolle und kann es kaum erwarten, endlich auf der echten Bühne zu stehen.

„Ich habe mich lange nicht getraut, wieder als Schauspielerin zu arbeiten“, sagt sie. „Ich hatte Angst vor den Leuten, die denken, das ist jetzt diese Moderatorin, die plötzlich auch Schauspielerin sein will.“ Dabei war es am Anfang ihrer Karriere lange gar nicht klar, in welche Richtung es für Miriam Pielhau gehen würde. „Ich habe immer auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig getanzt“, erklärt sie.

Journalismus ging schneller

Und so bewarb sie sich nach der Schule für ein Journalismusstudium in Dortmund sowie die Schauspielschule in Leipzig und schrieb sich gleichzeitig für Medienwissenschaften in Siegen ein. Mit dem Journalismus sei es dann einfach schneller vorwärts gegangen, erinnert sie sich. Nach Stationen beim Radio und verschiedenen Tageszeitungen wurde sie 2001 Chefredakteurin der Sendung „NBC GIGA“ und moderierte später verschiedene TV-Shows. „Aber die Leidenschaft für das Schauspiel ist immer geblieben.“

Mit ihrer Doppelrolle in „BurnOut“ erfülle sich ein Traum, sagt die Wahlberlinerin. Heute sei es ihr egal, was andere denken: „Ich fahre jeden Morgen mit leuchtenden Augen zur Probe.“ Doch Vorurteile kennen auch ihre Kollegen. Gerade wenn es um Musicals im Allgemeinen geht. Kaum ein Genre werde mit einer solchen Leidenschaft gehasst und missverstanden.

„Viele Menschen denken, im Musical müsste die Welt nur rosa sein“, sagt Miriam Pielhau. Dabei gebe es erfolgreiche Gegenbeispiele wie „Chicago“ oder „Les Misérables“. „Unser Stück ist deutlich emotionaler als ein Showtreppe-Musical, aber ich glaube, die Leute mögen es auch, emotional berührt zu werden, wenn sie ins Theater gehen.“

Thomas Klotz in der männlichen Hauptrolle

Die männliche Hauptrolle spielt neben Miriam Pielhau der erfahrene Musicaldarsteller Thomas Klotz. Ben arbeitet erfolgreich in einer Werbeagentur und freut sich zusammen mit seiner Frau auf die Geburt ihres ersten Kindes. Innerhalb kürzester Zeit muss er erleben, wie seine ganze Welt zusammenbricht. Als bei ihm ein Burn-out diagnostiziert wird, beginnt der Kampf gegen Depression, Selbstzweifel und Vorurteile.

Klotz kennt all das aus eigener Erfahrung. Vor fünf Jahren erkrankte der 35-Jährige an einem Burn-out. Er habe lange darüber nachgedacht, ob er diese schwere Zeit noch einmal auf der Bühne durchleben wolle. Bereits damals habe er jedoch festgestellt, dass er anderen Menschen helfen könne, indem er seine Geschichte erzähle. Diesen Effekt wünscht sich auch Miriam Pielhau.

„Ich hoffe, dass die Leute mit einem leichten Lächeln aus der Vorstellung gehen, aber auch Denkanstöße mitnehmen“, sagt sie. „Ich fände es schön, wenn es ein Gesprächszünder wäre.“ Denn auch wenn es bei ihr kein Burn-out war, weiß die 40-Jährige sehr genau, wie es sich anfühlt, wenn einen das Leben unerwartet aus der Bahn wirft.

2004 überlebte Miriam Pielhau die Tsunami-Katastrophe in Thailand, 2008 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert, 2013 trennte sie sich knapp ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter von ihrem Ehemann Thomas Hanreich. „Ich glaube, dass die Autorin mich auch aufgrund meiner Geschichte für die Rolle ausgewählt hat. Wenn man Burn-out durch Lebenskrise ersetzt, dann kann ich durchaus ein bisschen mitreden“, sagt sie. Auch könne ihr Bekanntheitsbonus der Independent-Produktion sicher nicht schaden. Genauso wie ihre prominenten Freunde, die sie vorsorglich zur Premiere eingeladen habe.

Nach den Berliner Vorstellungen bis zum 11. Oktober geht es für den Cast auf Tour nach Emmerdingen, Mannheim und Wien. Die Termine seien fast alle familienkompatibel am Wochenende, sodass sie sich mit dem Vater ihrer Tochter gut koordinieren könne, sagt Miriam Pielhau. „Und für mich ist es eine schöne Auszeit vom Mamasein. Ein bisschen wie eine Klassenfahrt.“