Tue Gutes und rede darüber – nach diesem Motto handelt Bob Geldof normalerweise. Als der irische Rockmusiker am Dienstagabend im SchwuZ an der Rollbergstraße auftrat, hielt er sich, was das Thema des Abends anging, jedoch zunächst erstaunlich bedeckt. Im Rahmen der Konzertreihe „Berlin live“ des Kultursenders arte wurden dort Spenden für das Berliner Hilfsprojekt „Medizin hilft Flüchtlingen“ gesammelt.
„Ich liebe es, in Berlin zu spielen, ich nutze jede Gelegenheit, um hierher zu kommen“, plauderte er unverbindlich beim VIP-Empfang vor dem Konzert, den er für eine kurze Ansprache besuchte. Er freue sich bereits auf eine erholsame Nachtruhe im Anschluss, weil er für gewöhnlich nur nach einem Auftritt gut schlafen könne.
Häppchen zur Aufklärungsarbeit
Die Aufklärungsarbeit übernahm stattdessen arte mit einem Film über die Zuspitzung der Flüchtlingskrise in den vergangenen Monaten. Dazu wurden Häppchen, Longdrinks und Wein gereicht, die sich prominente Gäste wie Schauspieler wie Frank Kessler und Kollegin Julia Dietze, Moderatorin Tita von Hardenberg und ihre Mutter Isa von Hardenberg sowie Designerin Esther Perbandt gern schmecken ließen, bevor für sie ein Bereich vor der Bühne bereitgestellt wurde.
Alle anderen Gäste hatten zuvor die Möglichkeit gehabt, sich kostenfrei im Internet für das Konzert anzumelden, waren jedoch zum Spenden aufgerufen. Die ehrenamtlich tätigen Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und weitere Helferinnen und Helfer von „Medizin hilft Flüchtlingen“ betreuen aktuell 1700 Geflüchtete an vier Standorten in Berlin und finanzieren mit Spenden die Erstausstattung für Ärzte, erste Medikamente, Verbandsmaterial, Brillen und Instrumente. Durch ihren Einsatz überbrücken sie die lange Wartezeit, bis die Geflüchteten registriert sind und ihnen Zugang zu hausärztlicher Versorgung verschafft wird.
Weltretter seit den 80-ern
Bob Geldof engagiert sich seit den 80er-Jahren für Hunger- und Entwicklungshilfe sowie einen Schuldenerlass für Afrika und die Dritte Welt. Mit seinem Projekt Band Aid und den Live-Aid-Konzerten weltweit hat er nicht nur Spenden in Millionenhöhe gesammelt, sondern auch Musikgeschichte geschrieben. 1986 wurde er für sein soziales Engagement zum Knight Commander des Order of the British Empire ernannt und bereits mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.
Erst im Novemver 2014 hatte der Musiker in Berlin sein neues Projekt Band Aid Thirty vorgestellt. Eine Wiederauflage des legendären All-Star-Weihnachtsliedes „Do They Know It’s Christmas?“ von 1984, dieses Mal mit deutschen Musikern und zur Unterstützung des Kampfes gegen Ebola.
Dass ihm sein Berliner Publikum am Herzen liegt, stellte Geldof auch dieses Mal wieder unter Beweis. „Berlin ist eine großartige Stadt, vor allem in diesen Tagen. Ich spiele für euch noch ein bisschen länger, wenn die Kameras aus sind“, kündigte er gleich zu Beginn an und wurde seinem Ruf als Weltretter dann doch auch noch verbal gerecht: „Die deutsche Großzügigkeit sollte ein Vorbild für uns alle sein. Ihr seid eine hammergeile Nation.“



