Der Kulturausschuss hatte sich im Abgeordnetenhaus am Montag einen Sitzungsmarathon vorgenommen: den Berliner Kulturhaushalt für die Haushaltsjahre 2016 und 2017. Die zweite Lesung – bei der in geregelten Abständen die Opposition Änderungsanträge einbringt, die dann von der Regierungskoalition abgelehnt werden – begann allerdings erst fünf Minuten nach zwölf. Eine junge Balletttänzerin hatte den Regierenden Bürgermeister Michael Müller in ein Gespräch verwickelt.
Der Hintergrund ist, dass die Tänzer des Staatsballetts fordern, dass ihr neuer Haustarifvertrag von Verdi und nicht von den traditionellen Künstlergewerkschaften verhandelt wird. Die kleinen Gewerkschaften halten sie für zu schwach, um für sie zu verhandeln, war in einer Tänzergruppe auf dem Flur zu hören. Im Abgeordnetenhaus wollten die anwesenden 20 Tänzer, zumeist Tänzerinnen, eine klare Positionierung der Berliner Kulturpolitiker einfordern. Michael Müller hatte sich bislang in diesem Konflikt noch nicht öffentlich geäußert. Mit der Tänzerin unterhielt er sich sehr freundlich, ja lächelnd. Das Ergebnis lässt sich kurz zusammenfassen: Die Künstlergewerkschaften hätten in der Vergangenheit zwar Fehler gemacht, aber in der Zukunft werde alles besser.
Gleich nebenan sprach Kulturstaatssekretär Tim Renner mit Sabine Schöneburg von Verdi, das Gespräch verlief dagegen gereizter. Die Tänzer wirkten insgesamt ziemlich enttäuscht über derart wenig Aufmerksamkeit. Man werde wie kleine Kinder behandelt, hieß es. Vor dem Sitzungssaal wurden sofort weitere Maßnahmen besprochen. In der vergangenen Saison waren insgesamt acht große Vorstellungen bestreikt worden, darunter fünf an der Deutschen Oper. Der Gesamtschaden beträgt rund 300.000 Euro. Bereits am Mittwoch steht in der Deutschen Oper die nächste Vorstellung von Nacho Duatos „Dornröschen“ auf dem Spielplan. Nun wird kein Streikwütiger so lange vorher öffentlich einen Vorstellungsausfall ankündigen – aber es sieht danach aus. Genau genommen wurde im Berliner Kulturausschuss der nächste Ballettstreik geplant.
vbl

