Kultur

Die Berliner Finalisten

Die Juroren haben die Shortlist für den Deutschen Buchpreis verkündet

Mit Jenny Erpenbeck, aber ohne Clemens J. Setz: Die am Mittwoch veröffentlichte Shortlist für den Deutschen Buchpreis hat einige Überraschungen parat. Erpenbecks hochaktueller neuer Roman („Gehen, ging, gegangen“), in dem sie einen Berliner Professor auf sechs afrikanische Flüchtlinge treffen lässt, war im Finale erwartet worden. Am 12. Oktober wird zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse unter den sechs Finalisten, drei davon sind aus Berlin, der beste deutschsprachige Roman des Jahres gekürt.

Suhrkamp-Autor Setz („Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“), der noch auf der 20 Titel umfassenden Longlist stand, wurde von der Jury aussortiert. Dabei hat es der Wortakrobat aus Graz, oft als Wunderkind apostrophiert, in den Vorjahren schon zweimal auf die Shortlist geschafft. Ulrich Peltzer („Das bessere Leben“), ebenfalls hochgehandelt, hat das Finale dagegen erreicht. In seinem philosophisch angelegten Roman beschreibt der Berliner Autor am Beispiel von drei Managern den Alltag von global agierenden Handlungsreisenden.

Auch Rolf Lappert („Über den Winter“) schaffte es – zum zweiten Mal nach 2008 – auf die Shortlist. Der Schweizer hat am Beispiel eines in New York lebenden Künstlers, der in eine Krise gerät, einen Familienroman geschrieben. Ebenfalls aus der Schweiz kommt Monique Schwitter. Die jetzt in Hamburg lebende Autorin und Schauspielerin hat einen Roman („Eins im Andern“) vorgelegt, in dem die Protagonistin ihre persönliche Liebesbiografie am Beispiel von zwölf Männern nacherzählt.

Auch wenn Schwitter für ihre Geschichte teils hymnische Besprechungen erhielt, dürfte sie im Finale nur Außenseiterin sein. Noch mehr gilt dies für Inger-Maria Mahlkes Roman „Wie Ihr wollt“, der von der Geschichte einer kleinwüchsigen Adligen in der englischen Tudor-Zeit Ende des 16. Jahrhunderts handelt.

Historische Romane haben es beim Deutschen Buchpreis schwer – und schon gar, wenn sie in England spielen. Viel näher an der deutschen Wirklichkeit ist Frank Witzels 800-Seiten-Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“. Das ist nicht nur der witzigste Titel auf der Shortlist. Rezensenten haben sich beim Lesen des Romans des Offenbacher Autors, der die Identifikation eines psychisch labilen Heranwachsenden mit der RAF beschreibt, auch mit Superlativen fast überschlagen.

Fest steht, dass dieses Mal anders wie in früheren Jahren kein Roman gewinnen wird, der in der DDR oder zu Zeiten der Wende spielt. 2014 hatte Lutz Seiler den Preis für seinen auf Hiddensee verorteten Aussteigerroman „Kruso“ erhalten. Ansonsten ist die Shortlist geschlechtermäßig mit drei Frauen und drei Männern ausgewogen. Es fehlen dieses Jahr aber Autoren aus Österreich und mit Migrationshintergrund. Prominentestes „Opfer“ ist Feridun Zaimoglu mit seinem Istanbul-Roman „Siebentürmeviertel“, der noch auf der Longlist stand. Auch Deutschlands literarisches Renommierhaus Suhrkamp ist auf der Shortlist mit keinem Titel zu finden.