Kultur

Atze-Musiktheater wünscht sich 682.500 Euro

Das Kindertheater sieht sich erneut vor dem Aus

Das Treffen am Donnerstag war offensichtlich ein Fehlschlag, sonst würde Thomas Sutter sich nun nicht an die Öffentlichkeit wenden. Der Leiter des Atze-Musiktheaters hatte sich mit den kulturpolitischen Sprechern der beiden Senatsparteien getroffen, um eine größere finanzielle Unterstützung für seine Spielstätte zu erhalten.

Es wird derzeit viel verhandelt zwischen Kultur und Politik, schließlich ist der Entwurf des Kulturhaushalts 2016/17 bekannt, und wenn dieser im Abgeordnetenhaus so durchgewunken wird, dann steigt der Etat 2016 um 32,2 Millionen Euro (sieben Prozent), 2017 um 49,3 Millionen Euro (10,5 Prozent). Der Senat möchte Prioritäten setzen: Ausgewählte Theater wie Schaubühne, Hau und Gorki werden weitaus stärker gefördert als früher, gleiches gilt für die Freie Szene. Die Kindertheater erhalten Inflationsausgleich – wohlgemerkt keine Kürzung. Nichtsdestotrotz beobachtet manch einer „Fassungslosigkeit, Entsetzen, Enttäuschung“ („Tagesspiegel“) unter Kinder- und Jugendtheatermachern.

Für einen spektakulären Höhepunkt inmitten der Los-Wochos-Stimmung sorgt nun das Atze-Musiktheater. Ohne eine Erhöhung werde Atze die nächste Spielzeit nicht überleben, schreibt Thomas Sutter – und meldet einen „Mehrbedarf“ von 682.500 Euro an. Das ist ganz schön viel Geld für ein Theater, das bislang mit einem Etat von 690.000 Euro auskam. Thomas Sutter hat säuberlich die Zahlen aufgeschlüsselt. Allein zur Deckung der Kosten für die Sozialversicherungspflicht der Schauspieler seien 167.000 Euro erforderlich, weitere 163.000 Euro für die Besetzung von offenen Stellen nötig. Die Löhne für die festangestellten Mitarbeiter müssten angepasst werden, da bislang „deutlich unter Tarif“ bezahlt werde. Zudem würden freie beschäftigte Schauspieler unzureichend entlohnt werden, hier fordert das Atze-Musiktheater weitere 121.500 Euro. Strukturell sind Kindertheater im Vergleich zu anderen Bühnen im Nachteil, da Eintrittskarten für Kinder im Grundschulalter günstiger sind. 470 Veranstaltungen macht das Theater nach eigenen Angaben.

Nach Angaben von Thomas Sutter haben die kulturpolitischen Sprecher von CDU und SPD, die beide nicht auf die Anfrage dieser Zeitung zurückriefen, „eine kleinere Summe“ in Aussicht gestellt. Damit sei dem Theater aber „nicht geholfen“: „100.00 Euro oder 120.000 Euro mehr decken nicht einmal den Bedarf für die Sozialversicherungsbeträge für unsere Schauspieler, zu der ich rechtlich verpflichtet bin.“

Das Musiktheater ist finanzielle Engpässe gewohnt. Im Sommer konnte man sich nach mehreren Treffen mit der Kulturverwaltung darauf einigen, dass das Theater 45.000 Euro zusätzlich erhält und so die Finanzierungslücke schließen. Vor zwei Jahren wollte das Bezirksamt Mitte den Mietvertrag nicht verlängern, erst nach langen Diskussionen ging das Gebäude ins Landesvermögen über. Die Miete teilen sich seitdem Bezirk und Land.