Kultur

Pete Dohertys neues Album: Warnung vor dem Drogendealer

The Libertines treten am Sonnabend in Berlin auf

Es ist ein Comeback, mit dem lange Zeit niemand mehr gerechnet hatte: Pete Doherty kehrt mit den Libertines zurück auf die Bühne. Nach elfjähriger Pause bringen die Ikonen des britischen Indie-Rock an diesem Freitag ihr neues Album mit dem Titel „Anthems for Doomed Youth“ heraus – Hymnen für die verlorene Jugend. Einen Tag später treten die Musiker beim Lollapalooza-Festival in Berlin auf.

Pete Doherty, der auf eine ausgedehnte Drogenkarriere und eine Beziehung mit Kate Moss zurückblicken kann, hat dieser Tage eine Form von Erlösung gefunden. „Life can be so handsome“ (das Leben kann so schön sein) heißt es im Titelsong des neuen Albums. In Thailand machte er einen Entzug – und schrieb nebenbei mit seinen alten Kollegen Carl Barât, John Hassall und Gary Powell das neue Album.

Kaum zu glauben: Es ist erst das dritte Libertines-Album überhaupt. Die Band brauchte nur wenige Lieder, um Musikgeschichte zu schreiben. Ihre eigene Geschichte aber endete einfach zu abrupt – weil Doherty nicht zu Konzerten erschien, weil er bei Co-Sänger Barât einbrach, weil er mit den Babyshambles eine Konkurrenzband gründete. Der britische „New Musical Express“ (NME) hat ausgerechnet, dass es inzwischen drei Jahre her ist, dass ein Libertine mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Zeit also, für wichtigere, für bessere Dinge im Leben: für richtig gute Musik.

Weniger sperrig, weniger aufgeladen, aber genauso energiegeladen

Mit ihrem neuen Album bleiben die Libertines unverkennbar die Libertines, Garagenrocker irgendwo zwischen melodischem Britpop und kreischendem Punk. Doch ihre Musik klingt rund wie nie, weniger sperrig, weniger aufgekratzt – und trotzdem so energiegeladen wie ein Debüt. Sangen sie auf ihren ersten beiden Alben vor allem von Maßlosigkeit und Selbstzerstörung im Drogen-London der Nullerjahre, geht es jetzt um die Narben, die dieses Leben hinterlassen hat. Fazit: „Don’t spend your days in the haze with the iceman. It means nothing at all“. Halt dich fern vom Drogendealer. Barât erzählt in „Belly of the Beast“ von Depressionen und Besuchen beim Therapeuten, und in „Fury of Chonburi“ tun die beiden Sänger Barât und Doherty, die beiden engen Freunde von einst, das, was sie schon vor Jahren hätten tun sollen: Sie arbeiten ihre Freundschaft auf.

In „Fame and Fortune“ erinnert sich die Band, wie sie einst auf den Straßen von London beides suchte: Ruhm und Geld. In der ersten Single-Auskopplung „Gunga Din“ scheint ein kleines bisschen Reggae durch und „You’re My Waterloo“ ist eine gefühlvolle Liebeserklärung mit Klavierklängen. Das Album beginnt mit dem Song „Barbarians“ und dem Satz „This one’s for your heart and for your mind“ (Dies ist für dein Herz und deinen Verstand).