Sanierung

Die alte Stuckdecke hängt wieder

Die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden geht voran, jetzt wird der Zuschauerraum ausgebaut. Die große Eröffnung soll 2017 sein

Der Geist des Architekten Richard Paulick kehrt allmählich ins Opernhaus Unter den Linden zurück. Die Baufortschritte werden jetzt auch im Inneren sichtbar. Nach dem Abbau des Gerüsts im Zuschauerraum wurde am Dienstag erstmals ein Blick auf die rekonstruierte Saaldecke freigegeben. Dabei ist auch die Dimension des neuen Vorzeigesaales zu erkennen. Die denkmalgeschützten Deckenteile sind bereits angebracht. Staunend steht man mit Bauhelm und in Gummistiefeln im leeren Zuschauerraum und schaut auf das ovale schwarze Loch, wo irgendwann der riesige Kristallleuchter hängen wird und voraussichtlich am 3. Oktober 2017 das Wiedereröffnungspublikum in Feststimmung bringen wird.

Der Raum ist um rund fünf Meter erhöht worden. Die Arbeiten an der Saaldecke gehören zu den wichtigsten und auch umkämpftesten Maßnahmen bei der Sanierung der Staatsoper – die höhere Saaldecke soll eine bessere Akustik schaffen. Generalmusikdirektor Daniel Barenboim hatte bessere Klangverhältnisse für die Lindenoper gefordert.

Der Stardirigent hatte sich ursprünglich sogar für einen modernen, akustisch perfekten Saal ausgesprochen. Berlin hatte auch einen Architektenwettbewerb ausgerichtet. Der Siegerentwurf von Klaus Roth sah den Abriss des Paulick-Saals und eine Neugestaltung des Zuschauerraums vor. Nach heftigen Protesten in Berlin kassierte der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit 2008 den Entwurf. Paulicks prächtiger Saal sollte rekonstruiert werden.

Unterhalb der Decke muss als Höhenausgleich eine neue Verkleidung eingezogen werden, ansonsten werden die alten Teile der Lindenoper verwendet. Bis Frühjahr 2016 könne nun die Originalverkleidung an Wänden und Rängen angebracht werden, hieß es gestern auf der Baustelle. Zur Zeit wird die Untermaschinerie der Bühne eingebaut. Der Bühnenturm ist von den Ausmaßen her größer als der Zuschauerraum, was später keiner im Publikum mehr sehen wird. Wegen des Grundwassers ist der Bühnenturm in eine Stahlwanne gestellt worden. Beiläufig vergrößert wurde auch der Orchestergraben, wo die Staatskapelle unter Barenboim residiert.

Bereits fertiggestellt ist der Verbindungstunnel zwischen dem Probenzentrum und dem Opernhaus, wo später einmal die Kulissen hindurchgeschoben werden statt wie früher über die Straße. Der Tunnel war in Verruf geraten, weil plötzlich uralte Baumpfähle im Untergrund auftauchten. Dafür gab es sogar eine eigene Pressekonferenz, in der ein Corpus Delicti ausgestellt wurde. Auch wegen der Pfähle zog sich die Sanierung noch ein Stückchen länger hin und wurde teurer.

Morastiger Grund und marode Bausubstanz

Die Sanierung des von Generalmusik­direktor Daniel Barenboim und Intendant Jürgen Flimm geleiteten Opernhauses hatte bereits 2010 begonnen und sollte ursprünglich im Herbst 2013 beendet sein. Aber wegen Planungspannen sowie Schwierigkeiten mit dem morastigen Grund und der maroden Bausubstanz stiegen die Kosten von 239 auf inzwischen wohl 389 Millionen Euro. Der Bund ist an der Sanierung mit 200 Millionen Euro beteiligt, den Rest, wie viel auch immer es wird, zahlt das Land Berlin. Laut Planungen soll das Ensemble im Frühjahr 2017 mit dem Rückzug aus dem Schillertheater ins Stammhaus beginnen. Zur Wiedereröffnung der Lindenoper am 3. Oktober 2017 planen Barenboim und Regisseur Flimm gemeinsam eine Opernuraufführung.