Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim, 72, will auftreten, solange das Publikum es vom ihm wünscht, sagte der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper im Interview. Er bittet seine Zuhörer jedoch um etwas mehr Geduld bei der modernen Musik: „Ich bin jetzt 65 Jahre auf der Bühne, und wenn ich eine Bitte äußern darf: Dass das Publikum ein bisschen mehr Geduld hat und beim ersten Hören nicht gleich aufgibt und wiederkommt – und ich werde spielen“. Sein erstes Konzert habe er im August 1950 gespielt. Barenboim freue sich sehr über das anhaltende Vertrauen des Publikums, dieses „wunderbare Geschenk“.
An diesem Donnerstag eröffnen Barenboim und seine Staatskapelle Berlin in der Philharmonie das Musikfest Berlin mit Kompositionen von Arnold Schönberg (1874-1951). Schönberg sei der „Vater“ der Musik des 20. Jahrhunderts, sagte Barenboim. Mit seiner Zwölfton-Kompositionstechnik habe er die Musik von Grund auf erneuert. Der Wiener Komponist habe geahnt, dass er zu Lebzeiten nicht populär sein werde, sagte Barenboim. Er sei aber davon ausgegangen, dass in 50 Jahren seine Melodien auf der Straße gepfiffen würden, wie Strauss-Walzer. Der tschechisch-französische Autor Milan Kundera, 86, habe geschrieben, Schönberg habe sich dabei nicht selbst überschätzt, sondern die Zukunft.
Über das vom Iran abgesagte Konzert in Teheran wollte sich Barenboim im Gespräch nicht äußern.
BM

