Neu im Kino

"Hitman" - durchgestylte Ballerorgien vor imposanter Kulisse

Ein Computerspiel kommt erneut auf der Leinwand: „Hitman – Agent 47“ mit Homeland-Star Rupert Friend und Berlin in den Hauptrollen.

Ein Auftragskiller aus dem Genlabor bei der Arbeit: Rupert Friend in der Computertspiel-Verfilmung „Hitman –  Agent 47“

Ein Auftragskiller aus dem Genlabor bei der Arbeit: Rupert Friend in der Computertspiel-Verfilmung „Hitman – Agent 47“

Foto: Reiner Bajo / AP

Eine gewisse Verrohung und Abgestumpftheit vorausgesetzt, kann man an diesem gelackten Leinwand-Actionspektakel durchaus seine Freude haben. Vor allem dann, wenn man auch das Killer-Computerspiel „Hitman“ kennt, in dem Gamer sich seit 15 Jahren und inzwischen in mehreren Folgen als Auftragskiller durch die Welt ballern können.

Weil das Computerspiel solch ein durchschlagender Erfolg war, hat man Agent 47, die Mördermaschine aus dem Genlabor, bereits 2007 für das Kino entdeckt. „Hitman – Jeder stirbt alleine“ mit Timothy Oliphant konnte die Erwartungen an der Kinokasse damals jedoch nicht erfüllen.

Der Killer wird von der Kette gelassen

Nun also wird dieser kaltschnäuzige Killer in „Hitman - Agent 47“ erneut von der Kette gelassen. Nicht etwa als Fortsetzung, sondern als Remake, mit einem komplett neuen Drehbuch. Und eigentlich will man die Erstverfilmung sowieso lieber verschweigen.

Der versierte Werbefilmer Aleksander Bach soll bei seinem Kino-Debüt nun alles besser machen. Das gelingt sogar teilweise, doch geht mit ihm immer wieder die Lust am aufwendig choreografierten Blutgemetzel durch und macht so die durchaus intelligent eingefädelte Story von Drehbuchautor Skip Woods zunichte.

Aus dem Genlabor in die Welt

Rupert Friend, der gerade als CIA-Agent in der Fernsehserie „Homeland“ unglücklich in seine Chefin Clare Danes verliebt ist, spielt nun diesen kahlköpfigen, stets adrett gekleideten Killer, der mitunter wie aus dem Nichts die größten Wummen hervorzaubern kann. Agent 47 ist, so scheint es zumindest, der letzte seiner Art, der in jahrzehntelanger Forschung nach 46 weniger geglückten Versuchen in einem Genlabor gezüchtet wurde.

Aber da gibt es noch ein etwas gestörtes Mädchen namens Katia van Dees (Hannah Ware), das ein Geheimnis mit sich herumträgt und in staubigen Berliner Kellerarchiven ihre Vergangenheit zu entschlüsseln versucht. Und Agent 47 ist ihr auf der Spur.

Eine Hauptrolle gehört Berlin

Aber auch der undurchsichtige John Smith (Zachary Quinto, der junge Spock aus „Star Trek“) ist hinter dieser Katia her, denn sie ist die einzige Verbindung zu jenem Wissenschaftler, der das Gen-Killer-Projekt geleitet hat und - nachdem das ganze Labor und sämtliche Unterlagen vernichtet wurden - untergetaucht ist.

Weil das Medienboard Berlin-Brandenburg und der Deutsche Filmförderfond das Projekt unterstützten, sind nicht nur einige deutsche Schauspieler dabei, im ersten Drittel des Film ist auch ein düsteres Berlin der Hauptdarsteller, beispielsweise bei einer irren U-Bahn-Verfolgungsjagd. Jürgen Prochnow hat einen Kurzauftritt als Passfälscher. Er ist einer der wenigen, die in diesem Film überleben.

Thomas Kretschmann als Schurke LeClerc

Agent 47 verbündet sich mit Katia, um den Konzernboss LeClerc (Thomas Kretschmann), in Singapur zur Strecke zu bringen. Der will in seinem Syndicate International Headquarter mit allen Mitteln das Rezept zur Schaffung des Auftragsmörders mit dem Barcode im Nacken an sich bringen, um eine unbesiegbare Killer-Armee aufzustellen.

Durch Katia erfährt Agent 47 auch einiges über seine eigene Vergangenheit, denn auch sie ist eine Überlebende der Gen-Versuche. Und noch ausgefeilter. Noch perfekter. Katia van Dees klingt ausgesprochen wie das französische Quatre-vingt-dix. Sie ist Agent 90.

Blutrausch in Edel-Kulissen

Zwischen den wenigen erhellenden Spielszenen schafft Regisseur Bach in seinem optisch reizvollen Debüt aber jede Menge Raum für das, wofür Computerspiel-Agent 47 nun mal erdacht wurde. Und er hat bei der Dosierung tief ins Pulverfass gegriffen.

Da wird unter massivem Hieb- und Stichwaffengebrauch, mit Garotten und einem Arsenal an Revolvern, Pistolen und Maschinengewehren gemeuchelt und geballert und gehäckselt, was das Zeug hält. In meist weißen Kulissen mit flächigen Glaswänden und steilen Treppen, damit das Blut so richtig spritzt und die Knochen ordentlich hörbar brechen. Leichen pflastern seinen Weg. Aber abendfüllend ist das nicht.

Eigentlich sollte der stunterprobte Paul Walker („The Fast & The Furious“) die Hauptrolle spielen. Nach dessen Unfalltod 2013 wurde die Produktion zunächst verschoben und schließlich mit Rupert Friend neu besetzt. Der versucht durchaus, seiner Figur so etwas wie Charakter zu verleihen, obwohl er Dinge sagen muss wie „Sei vorsichtig Mädchen, diese Welt ist ein gefährlicher Ort“. Auch Hanna Ware und Zachary Quinto sind festen Willens, ihren Rollen in diesem Baller-Franchise so etwas wie Format zu geben. Ein wenig zumindest.

Großes Drama ist nicht gefragt

Doch das große Drama ist hier nicht gefragt. Hier steht die durchgestylte Action im Mittelpunkt. Man kommt sich vor wie in einem aufgeblähten Auto-Commercial. Weil wir inzwischen sowieso alle durch die übermächtige Werbung versaut sind, kann man an diesen aufpolierten, unterkühlten Bildern stellenweise sogar Gefallen finden.

Allein: trotz beeindruckende Kampf- und Ballerorgien c auf den Straßen Berlins und über den Hochhausdächern von Singapur bleibt dieses blutige Schlachtfest auf spektakuläre Weise blutleer.

Thriller D/USA 2015 96 min, von Aleksander Bach, mit Rupert Friend, Hannah Ware, Thomas Kretschmann