Heimat. Mit diesem Begriff verknüpft wohl jeder etwas anderes. Aber – und insofern ist das Thema der diesjährigen Themenwoche der ARD gut gewählt – jeder hat eine Vorstellung davon, was Heimat ausmacht. Am Mittwoch stellte das Erste die zehnte Ausgabe des Schwerpunktes vor, der einmal im Jahr die „Gesamt-PS-Zahl der ARD“ zum Tragen bringt, wie Christoph Hauser, der Fernsehdirektor des federführenden SWR, es ausdrückte. Ab dem 4. Oktober steht das Programm der ARD, der dritten Programme, des Hörfunks und erstmalig auch das von 3sat und Arte unter dem Eindruck dieses zwiespältigen Begriffs. Denn Heimat, da sind sich Hauser und ARD-Programmdirektor Volker Herres einig, löst – speziell in Deutschland – nicht nur positive Assoziationen aus. Die deutsche Fahne habe man, so Herres, mit der Fußball-WM 2006 „den Ewiggestrigen entrissen“, sie zu einem Symbol eines multikulturellen Deutschlands gemacht. Jetzt ginge es auch darum „eine neue Bedeutung zu finden“ für einen alten Begriff. Hauser: „Heimat ist da, wo wir herkommen – geografisch, sozial, emotional. Heimat ist aber auch da, wo wir ankommen: Nie waren mehr Menschen auf der Flucht und der Suche nach Heimat als heute.“
Tatsächlich ist die Diskussion um Heimat(en) in Deutschland selten so aktuell gewesen wie dieser Tage. Die Themenwoche ist aber keine spontane Reaktion auf die Diskussion um die Aufnahme von Asylsuchenden. Die Idee entstand bereits vor anderthalb Jahren. Da waren die Pegida-Demonstranten in Dresden noch dabei, jede Woche neue Rekordzahlen zu vermelden. Und Herbert Grönemeyer setzte als prominentester Vertreter einer ganzen Reihe deutscher Künstler mit einem Konzert in Dresden ein starkes Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. Die Entscheidung, den Musiker darum zu bitten, als Pate für die Themenwoche aufzutreten, dürfte der ARD ähnlich leicht gefallen sein wie Grönemeyer seine Zusage: „Die haben mich gefragt, und ich hab’ ja gesagt“. Zwei weitere Prominente stehen ebenfalls Pate: Schauspielerin Natalia Wörner und Fußballer Mesut Özil.
Neben drei Spielfilmen, Webspecials, Dokumentationen und Reportagen in Fernsehen und Radio, die die ganz unterschiedlichen Formen des Umgangs mit und der Wahrnehmung von Heimat aufzeigen, fällt vor allem das Auftaktprojekt der Themenwoche ins Auge: Den 4. Oktober erklärt das Erste zu „Deutschland. Dein Tag.“ Zwölf Stunden lang, von sechs Uhr morgens bis 18 Uhr am Abend, läuft die Echtzeitdoku, die „99 Menschen und ein Walross“ durch einen Tag begleitet.
Alexander Josefowicz

