Kultur

Das Karussell der Kultur dreht sich in Charlottenburg

Ein gelungenes „Heim_Spiel“ in der Kommunalen Galerie

Was liegt näher, als ein Heimspiel zu geben im eigenen Bezirk, wo man lebt und arbeitet? Seit einigen Jahren können professionell arbeitende Künstlerinnen ihr Schaffen in nächster Nähe vorstellen. So haben in der Vergangenheit bereits in Tempelhof-Schöneberg, Spandau und Mitte ansässige Bildhauerinnen, Malerinnen und Fotografinnen ihre vielfältigen Werke in „Heim_Spielen“ präsentiert. Nun ist die geballte Frauenpower von Charlottenburg-Wilmersdorf gefragt.

Die Ausstellungsreihe des Frauenmuseums Berlin gastiert mit zehn Positionen in der Kommunalen Galerie Berlin. Gibt es eigentlich einen spezifischen weiblichen Blick und spielt der Bezirk überhaupt eine Rolle? Kaum, aber die Themen Heimat und Stadtbehausung tauchen umso stärker auf. Catrin Welcher etwa steuert einen imposanten Digitaldruck bei. Ihr ungewöhnlicher „Stadtplan“ setzt sich aus 6000 Einzelbildern von Fenstern und Vorhängen zusammen. Von Weitem wirkt er wie eine riesige Häuserfassade.

Heimat ist überall

Diese großformatige Fotoarbeit ist ein echter Eyecatcher. Barbara Eitel findet daneben „Heimat im Überall“. Populäre Motive aus verschiedenen Ecken der Welt werden bei ihr in Papierschnitt und Zeichnung zu einer Art lebendigem Karussell der Kulturen. Die filigranen Fragmente formen eine dynamische Ansicht von Wachstum und Veränderung. Ein attraktives Spiel der Assoziationen ist der im Odenwald gebürtigen Wahlberlinerin in diesem Bild voller Bewegung gelungen.

Die meisten der Teilnehmerinnen sind gestandene Künstlerinnen, die längst ihren Weg gefunden und ihre Bildsprache entwickelt haben. So wie die Bildhauerin und Keramikerin Rachel Kohn, die seit 1993 in Charlottenburg lebt. Als Vorsitzende des Frauenmuseums hat sie die Schau mitkuratiert und auch den Nachwuchs berücksichtigt. Die blutjunge Marta Djourina zum Beispiel. Die 24-Jährige baut Lochkameras, die sie sich dann mit eingelegtem Fotopapier per Post selbst zuschickt.

Auf dem Postweg sind die Kameras aktiv. Die Reise der Sendungen wird also von innen fotografisch dokumentiert. Die dabei entstehenden Fotogramme erscheinen wie eine poetische Referenz an den abstrakten Begriff „Zuhause“. Von fern erinnert das Ergebnis dieses eigenwilligen Schwarz-Weiß-Experiments an die Rauchbilder Otto Pienes. Ein Gruß aus analoger Vorzeit. Kaum zu glauben, dass die Serie „Von: mir/ An: mich“ von einer 1991 Geborenen stammt.

Wirklich viel Abwechslung bietet diese Ausstellung in der Kommunalen Galerie: vom Wilmersdorfer Schrebergarten, den Angela Bröhan ins Visier nimmt, bis zu Betina Kuntzschs bewegten Bildern aus stummen Endlosfilmen für Laterna magica, vom zarten Paillettenschleier bis zur Betonbehausung. Eine romantische oder auch introspektive Ader wird bei mehreren Künstlerinnen sichtbar. Sie gehen dabei weniger progressiv als retrospektiv zu Werke, fantasievoll oder ganz konkret der Bedeutung von Heim und Heimat nachspürend.

Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, Di–Fr 10–17 Uhr, Mi 10–19 Uhr, So 11–17 Uhr. Bis 30. August