Kultur

Georg Baselitz lässt seine Leihgaben am Freitag abhängen

Auch Maler Gerhard Richter kritisiert neues Kulturgutgesetz

Die von Georg Baselitz zurückgeforderten Leihgaben aus dem Dresdner Albertinum werden bereits an diesem Freitag abgehängt. „Donnerstag ist der letzte Tag, an dem man sie noch mal sehen kann“, sagte eine Sprecherin der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) am Dienstag. Offen ist, ob die Werke umgehend abgeholt oder verschickt werden. Mit ihnen verliert das Albertinum nach fünf Jahren einen seiner Künstlerräume. Über dessen künftige Nutzung wird derzeit noch beraten. Baselitz setzt mit dem Abzug seiner Dauerleihgaben aus deutschen Museen ein Zeichen gegen das geplante und umstrittene neue Kulturgutschutzgesetz der Bundesregierung.

Zurück gehen neben einer „Elke“-Skulptur und vier Gemälden mit fünf Porträts auch die ersten auf dem Kopf stehenden Bilder aus den späten 60er-Jahren. Die SKD besitzen insgesamt vier Gemälde und mehrere Arbeiten auf Papier des aus Sachsen stammenden Künstlers, darunter das 2010 angekaufte Überkopf-Bild „The Bridge Ghost’s Supper“. Das sogenannte Remix-Werk zeigt Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Edvard Munch beim Nachtessen.

Auch der 1932 in Dresden geborene Maler Gerhard Richter, Deutschlands teuerster Maler, sieht in der geplanten Verschärfung des Kulturgutschutzgesetzes einen Eingriff in die Freiheit. „Niemand hat das Recht mir vorzuschreiben, was ich mit meinen Bildern mache“, sagte er der „Dresdner Morgenpost“. Er werde seine Bilder nicht irgendeiner Kommission zeigen und fragen, ob er sie verkaufen dürfe. „Diese Leute haben meist auch gar keine Ahnung von Kunst“, sagte der teuerste lebende Gegenwartskünstler. Seiner Ansicht nach geraten Bilder nicht in falsche Hände, sondern fänden irgendwann den Weg in ein Museum, wenn sie gut seien.

Laut Richter gibt es ohnehin viel zu viel Kunst in Museen und ständig müssten neue Räume gefüllt werden. „So viel Qualität kann es in der Kunst gar nicht geben.“ Wenn ein Bild Millionen wert sei, guckten es die Leute an, weil es teuer sei, beklagte der Künstler – es gehe nur noch ums Spektakel. „Mit einem Bild, mit Kunst hat das nichts zu tun.“

Mit dem Gesetz will die Bundesregierung den Schutz von Kulturgut neu regeln und auch an EU-Recht anpassen. Damit sollen die Ausfuhrbeschränkungen verschärft werden. Die Reaktion seines Malerkollegen Georg Baselitz, der nun seine Dauerleihgaben abzieht, kann Richter gut verstehen. „Ich würde es genauso machen wie er: Die Bilder aus den Museen holen, schnellstens auf den Markt bringen und verkloppen.“ Am heutigen Mittwoch will Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) Stellung nehmen zur Kritik am neuen Kulturgutschutzgesetz.