Kultur

Abschied üben von den Puhdys in der Wuhlheide

| Lesedauer: 4 Minuten
Peter E. Müller

Irgendwie glaubt ihnen das doch kein Mensch. Die Puhdys und aufhören. Wo gibt’s denn sowas? Die waren doch ­irgendwie immer da. Im Osten wie im Westen. Die Konsensband in einem geteilten Land. Die Musiker, die gezeigt haben, dass sich auch mit deutschen Texten fern des Schlagers guter Rock machen lässt. Als die Mauer gefallen war, haben sie sich nach kurzfristiger Auflösung berappelt und einfach ­weitergemacht. Und doch haben die Puhdys nun den langen Abschied ausgerufen.

Im vergangenen Herbst, im Jahr ihres 45jährigen Bestehens, starteten sie in der O2 World zu einer großen Abschiedstournee, die sie am Sonnabend zum betont „allerletzten Mal“ in die Freilichtbühne Wuhlheide führte. Und rund 14.000 Fans, die sich so jung fühlen wie die älteren Herren da oben im Rampenlicht, singen alle Hits mit und drücken insgeheim die Daumen, dass das mit dem Aufhören eher etwas mit Altersstarrsinn zu tun hat und die Lust auf Bühne doch noch mal siegt.

Nach dem Vorprogramm der Berliner Poprock-Band Goldmannpark, bei der mit Tom Groß der Enkel von Puhdys-Keyboarders Peter Meyer am Schlagzeug sitzt, eröffnen die Puhdys den Abend mit „Mein Schiff“, einem Stück vom 2012er-Album „Es war schön“. Um gleich darauf mit „Geh zu ihr“ die Stimmung anzufachen, der aus dem Film „Die Legende von Paul und Paula“ stammt. Ebenso wie „Wenn ein Mensch lebt“, den es später auch zu hören gibt.

Langsam sind die Puhdys zwar wirklich so alt und knorrig wie der Baum, den sie einst besungen haben, aber wer so agil und abgebrüht auf der Bühne steht wie diese fünf Rockkumpane, dem will man den Abschied einfach nicht abnehmen. Trotz der vielen Jahresringe. Die Sänger und Gitarristen Dieter „Maschine“ Birr (71) und Dieter „Quaster“ Hertrampf (70) und Keyboarder Peter „Eingehängt“ Meyer (75) sind von Anfang an dabei. Schlagzeuger Klaus Scharfschwerdt (61) wurde 1979 zum Puhdy, Bassist Peter „Bimbo“ Rasym (62) gehört seit 1997 zur Band. Okay, alle sind inzwischen in einem Alter, in dem man schon mal ans Leisertreten denkt. Vor allem in einer Truppe, die so unermüdlich unterwegs ist. 35 Alben haben sie veröffentlicht. Mehr als 20 Millionen Platten haben sie in Ost und West verkauft.

Im Abschiedsprogramm spielen sie sich einmal quer durch 46 Jahre Karriere. Neues und Altes wechseln sich ab. Der Wiedererkennungswert ist hoch. „Melanie“ ist so eine Und-jetzt-singen-alle-mit-Hymne. Bei „Kühle Lady“ schaukelt eine gigantische Aufblaspuppe mit den Hüften. Als Intro zu „Ich will nicht vergessen“ gniedelt „Maschine“ die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ in die Saiten. Einige ihrer großen Erfolge hauen sie in einem Medley weg, „Perlenfischer“ gehört dazu, „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, „Sturmvogel“ und auch das Lied vom „Ikarus“, bei dem „Maschine“ zu einem ausufernden Gitarrensolo abhebt.

Vieles, was sie da singen, klingt keineswegs so, als sollte das nun das Ende sein. In „Lust auf Abenteuer“ heißt es etwa: „Wir haben noch so viel zu tun, wir haben keine Lust, uns jetzt schon auszuruh’n“. Ja, wie jetzt? Warum tut ihr es dann? Beim Finale stimmen alle im Refrain ein: „Es ist keine Ente, wir spielen bis zur Rockerrente“. Das Stück ist auch schon wieder gute 30 Jahre alt.

Klar, die biologische Uhr tickt. Und den Musikern juckt es in den Fingern, endlich mal Soloprojekte auf den Weg zu bringen. Ruhe für Neues zu haben. Drum haben sie beim Konzert in der Wuhlheide auch ihr definitiv aller­allerletztes Konzert angekündigt, genau genommen sogar zwei. Am 1. und 2. Januar werden die Puhdys noch mal in der Mercedes-Arena auftreten. Danach soll wirklich Schluss sein. Aber mal sehen: 2019 gäbe es da ja ein 50. Bandjubiläum zu feiern.