Kultur

„Rekordverdächtige Steigerung“ des Kulturetats

Die Freie Szene, Gorki-Theater und Schaubühne sind Gewinner im Haushaltsentwurf

Von „einem starken Zeichen für die Kultur“ spricht die Pressemitteilung des Senats. Das stimmt in vieler Hinsicht, bestätigt sie doch die kräftige Aus­gabensteigerung für Berlins Kultur, die gestern in der Berliner Morgenpost vermeldet wurde.

Demnach erhöht sich der Etat in 2016 um 32,2 Millionen Euro, ein Plus von 6,8 Prozent. Für 2017 ist eine Steigerung um 49,3 Millionen Euro vorgesehen, eine Zunahme um 10,4 Prozent. Man kann sich nicht erinnern, jemals so eine Steigerung des Kulturetats in Berlin erlebt zu haben: „Das ist schon ­rekordverdächtig“, sagt auch der Sprecher für Kulturelle Angelegenheiten.

Aber interessant sind vor allem die Zeichen, die der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller (SPD) und Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) mit diesem Haushalt setzen wollen. Das eine Signal ist bekannt. Die Freie Szene bekommt ordentlich mehr Geld: 7,5 Millionen Euro in 2016 und 9,5 Millionen Euro im Jahr darauf. Bislang erhält sie direkt vom Land Berlin zwölf Millionen Euro, über weitere Fördertöpfe sind es nach Auskunft des Senats 15 Millionen Euro.

„Für ihre exzellente Arbeit“, so die Pressemitteilung, werden Schaubühne und Maxim-Gorki-Theater belohnt, die strukturelle Unterfinanzierung werde ausgeglichen. Insbesondere Thomas Ostermeier, Intendant der Schaubühne, wird diese Erhöhung der Zuwendung als verdienten Lohn für sein Klagen in den vergangenen Monaten empfinden. Im Zuge der Diskussion über den Intendantenwechsel bei der Volksbühne im Frühling wurde er nicht müde, die Benachteiligung gegenüber der Volksbühne zu betonen: „Die Volksbühne bekommt bereits jetzt fast vier Millionen Euro mehr als wir bei nahezu gleichem Aufwand“, hatte er auch im Interview mit der Berliner Morgenpost beklagt.

Auch an Volksbühne und Berliner Ensemble hat der Senat ein Signal gesetzt. Es lautet ungefähr so: Sobald die alten Intendanten gehen, gibt es auch ordentlich mehr Geld. Die beiden Theater profitieren – wie die anderen Bühnen auch – davon, dass die Stadt die ­Tarifkostenerhöhung weitgehend übernehmen wird. Aber für die letzte Saison von Claus Peymann und Frank Castdorf gibt es keine Etaterhöhung. Dafür gibt es einen sogenannten „Vorbereitungsetat“. Das ist so üblich bei Wechseln im Management, im Falle der Volksbühne aber doch aufsehenerregend: 2,2 Millionen Euro bekommt die Volksbühne 2017, wenn Chris Dercon auf Claus Peymann folgt. Das hat schon Bundesliganiveau, wenn ein Trainer wechselt. Der Sprecher der Kulturverwaltung versichert, dass der größte Anteil für Terminal Plus, der neuen digitalen Bühne der Volksbühne vorgesehen ist. Dass Rückstellungen für Abfindungen gebildet wurden, bestätigt der Sprecher. Der ­radikale Umbau der Volksbühne wird ins Geld gehen.