Der britische Fantasy-Autor Terry Pratchett ist tot. Der Verfasser der „Scheibenwelt“-Romane starb im Alter von 66 Jahren, wie der Verlag Transworld Publishers am Donnerstag mitteilte. „Die Welt hat einen seiner klügsten, scharfsinnigsten Geister verloren“, sagte Verlagschef Larry Finlay.
Bekannt geworden war der Schriftsteller, dessen Markenzeichen ein schwarzer Filzhut und ein schwarzer Mantel waren, auch als „Alzheimer-Krieger“. Pratchett hatte im Dezember 2007 bekanntgegeben, dass er an einer sehr seltenen Form der Gehirn-Erkrankung leidet. Dem Verlag zufolge starb er „zu Hause, während seine Katze auf seinem Bett schlief, umgeben von seiner Familie“.
Auf Twitter-Account von Terry Pratchett und Rob Wilkins erschienen kurz nach der Todesnachricht mehrere Tweets: „AM ENDE, SIR TERRY, MÜSSEN WIR GEMEINSAM GEHEN.“ In den Romanen von Pratchett spielt häufig der personfizierte Tod eine Rolle, dessen Sätze immer in Großbuchstaben geschrieben wurden. Kurz darauf stand auf Twitter: „Terry nahm Tods Arm und folgte ihm durch die Türen und in die schwarze Wüste unter einer endlosen Nacht.“ Gleich darauf: „The End“.
Terry Pratchett, eigentlich Sir Terry Pratchett, wurde am 28. April 1948 im englischen Beaconsfield geboren. Seine erstes Buch veröffentlichte er bereits mit 13 Jahren. Nach der Schule begann Pratchett eine Ausbildung zum Journalisten. Später wurde er Pressesprecher des Central Elecricity Generating Board. 1987 war jedoch klar, dass er von seinen Büchern leben konnte.
1998 wurde er zum Officer des Ordens des Britischen Empire ernannt. Für seine Verdienste um die Literatur ernannte ihn die Queen zum Knight Bachelor.
Eine Scheibe auf dem Rücken von Elefanten
Terry Pratchett hat mehr als 70 Bücher veröffentlicht. Seine bekanntesten Romane spielten auf der Scheibenwelt, einer Fantasie-Welt, die eine Scheibe ist. Diese liegt auf vier Elefanten, die wiederum auf einer riesigen Schildkröte durch das All treiben. Die Meere der Scheibenwelt strömen über den Rand der Erde ins Nichts und bilden den Randfall.
Pratchetts Romane waren geprägt von einem typisch britischen Humor und einem selten erreichten Sprachwitz, der die Fans in aller Welt fesselte. Seine Figuren, der trottelige Zauberer Rincewind, der Hauptmann der Wache Mumm oder Lord Vetinari, der Patrizier der riesigen Stadt Ankh Morpork hatten Kultstatus. Ebenso wie der Tod, der in seinen Romanen Großvater wurde und loszog, das Leben zu genießen.
Seine Romane beschäftigten sich häufig mit der Vorstellung, was passieren würde, wenn Elemente unseres modernen Lebens in eine Fantasy-Welt gebracht würden. So ließ er das Kino, die Rolling Stones, die Post, eine Bank und in einem seiner letzten Romane sogar die Eisenbahn auf die Bewohner der Scheibenwelt los. Das Ganze spickte er mit viel Magie und einem absurden Humor.
Die Romane wurden in 37 Sprachen übersetzt. Das erste Scheibenwelt-Buch erschien 1983 unter dem Titel „Die Farben der Magie“.
Pratchett bekämpfte seine Alzheimer-Erkrankung mit seinen „Markenzeichen Entschlossenheit und Kreativität“, wie Verlagschef Finlay weiter mitteilte. Und er schrieb weiter. Seinen letzten Roman beendete er im Sommer 2014, bevor er in das letzte Stadium seiner Krankheit abglitt. Er hinterlässt seine Frau Lyn und die gemeinsame Tochter Rhianna.
2010 wurde ihm ein eigenes Wappen verliehen, das unter anderem den ägyptischen Schlüssel für Leben, das Ankh, und eine Morpork-Eule zeigt - eine Anspielung auf Ankh Morpork. Darunter stand das Motto: „Noli timere Messorem“ - Fürche den Sensenmann nicht.
mit dpa


