Siegfried Lenz war einer der bedeutendsten und meistgelesenen Schriftsteller Deutschlands: Er verstarb am Dienstag im Alter von 88 Jahren, wie der Verlag Hoffmann & Campe mitteilte. Zu seinen bekanntesten Werken zählten die Romane „Deutschstunde“ (1968), „Heimatmuseum“ (1978) und „Arnes Nachlass“ (1990), die auch verfilmt wurden. Seine Werke wurden in 20 Sprachen übersetzt. Lenz gilt vor allem als einfühlsamer Chronist der Nachkriegszeit und Gegenwart.
Geboren wurde Lenz am 17. März 1926 in Lyck im in der Region Masuren, seit 1945 zu Polen gehört. Nach einem Einsatz bei der Kriegsmarine 1944/45 studierte er in Hamburg Philosophie, Anglistik und Literaturwissenschaft. 1951 erschien sein erster Roman „Es waren Habichte in der Luft“. Sein Werk umfasst 14 Romane, 120 Erzählungen sowie Novellen, Hörspiele und Dramen, darunter Welterfolge wie „So zärtlich war Suleyken“ (1955), „Die Klangprobe“ (1990) und „Schweigeminute“ (2008). Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte.
Im Juni 2014 wurde die Siegfried Lenz Stiftung in Hamburg gegründet, die sich um die wissenschaftliche Aufarbeitung seines Werks kümmert und alle zwei Jahre einen Siegfried Lenz Preis verleiht. Erster Preisträger, der am 14. November 2014 ausgezeichnet wird, ist Amos Oz. Jüngstes Werk ist das Buch „Schmidt-Lenz. Geschichte einer Freundschaft“ über die langjährige Freundschaft zwischen Lenz und Helmut Schmidt. Am 8. Oktober wird zudem eine Auswahl von Lenz' wichtigsten Essays aus fünf Jahrzehnten mit dem Titel „Gelegenheit zum Staunen“.
57 Jahre lang war er mit Ehefrau Lilo verheiratet, die 2006 im Alter von 87 Jahren starb. Im Juni vorigen Jahres heiratete er seine langjährige Hamburger Nachbarin Ulla Reimer. Das Paar lebte abwechselnd in Hamburg und auf der dänischen Ostseeinsel Fünen. Seit 2002 ist Lenz Ehrenbürger der Stadt Hamburg, seit 2004 Ehrenbürger in Schleswig-Holstein.
AFP


