Die preußischen Könige haben schon vor Jahrhunderten von den mediterranen Welten geschwärmt“, erzählt Andrea Palent, Künstlerische Leiterin der Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci. „Mittelmeer zwischen Traum und Wirklichkeit“ lautet das Festivalmotto vom 13. bis zum 29. Juni. In den Römischen Bädern, dem Sizilianischen Garten, dem Ägyptischen Portal im Neuen Garten, den vielen antiken Motiven im Marmorpalais und im Neuen Palais spiegelt sich die preußische Sehnsucht nach dem Süden.

„In wenigen deutschen Städten ist der Traum vom Mittelmeer so deutlich sichtbar wie in Potsdam“, meint Andrea Palent. Man darf gespannt sein, wie die Künstler die Orangerie in den Garten der Hesperiden verwandeln und die Freundschaftsinsel nach Kythera verlegen. Mit 60 Veranstaltungen entführt das Festival seine Besucher rund ums Mittelmeer, nach Spanien, Frankreich, Sardinien, Sizilien, Malta, Kreta, Tunesien, Syrien, Marokko und in die Türkei. Das Festspielteam hat ein opulentes, sinnliches Programm zwischen Orient und Okzident, zwischen Antike und arabischem Frühling zusammengestellt.

El-Baradei hält Festrede in der Friedenskirche

In dieser Saison feiern die Musikfestspiele ihr 60-jähriges Jubiläum. Mehr als ein Drittel der Zeit hat Andrea Palent mit ihrem Team das Festival gestaltet. „Als wir anfingen, hatten wir die Vision, dass sich Potsdam mit seiner eigenen Stärke, nämlich der unglaublich reichen Kulturlandschaft, entwickeln und profilieren sollte. Das scheint gelungen zu sein.“ Zum Jubiläum wird der ägyptische Nobelpreisträger Mohammed el-Baradei beim Eröffnungskonzert in der Friedenskirche die Festrede halten, bevor das israelische Ensemble Barrocade und vier Tenöre der Sardischen Bruderschaft auftreten.

Auch sonst ist das Programm vielfarbig wie das Thema Mittelmeer. Christina Pluhar und ihr All-Star-Ensemble gestalten den großen Open-Air-Abend „Mediterraneo“ mit Tanz und Feuerwerk. „Spanien im Herzen“ heißt ein Konzert mit Liedern und Musik der sephardischen Juden, die im Mittelmeerraum umhergezogen sind. Nuria Rial präsentiert katalanische Lieder, Jordi Savall stellt Musik aus Zypern vor. Mehrere Konzerte sind Luigi Boccherini gewidmet, der am Hof von Friedrich Wilhelm II. lebte.

Von Alter Musik zu Jazz und Weltmusik

Auf Alte Musik sind die Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci spezialisiert. Das Festival unternimmt aber auch immer wieder gern Ausflüge in andere Zeiten und Genres. So feiert die „Fête Méditerranée“ ein Fest mit Jazz und Weltmusik in der Mittsommernacht. „Mit der Oper müssen wir dieses Jahr unterwegs sein, weil das Schlosstheater für mehrere Jahre geschlossen ist“, sagt Andrea Palent.

Die Orangerie wird vorübergehend zum Opernhaus der Musikfestspiele umgestaltet. Schließlich waren die Pflanzenhallen auch historisch im Sommer Theater- und Konzertspielstätten. „Der goldene Apfel“ heißt die Barockopern-Produktion der Festspiele für alle Sinne. Mit Antonio Cestis gleichnamiger Oper wird in der Orangerie ein Fest für die Orange gefeiert. „Friedrich hat enorme Gelder für seine Orangenkulturen ausgegeben. Ein wichtiges Thema, das auch nach Süden führt“, erzählt Andrea Palent.

Barocke Genüsse für Leib und Seele

Der Clou an dem Abend ist das Menü, das vor der Aufführung von Cestis und Cavallis Opernszenen serviert wird. „Wir haben historische Speisen und Getränke wie das Frikassee vom Kapaun mit Pomeranzen und eine Pomeranzenbowle aus einem Kochbuch von 1877 entdeckt“, sagt die Festspielleiterin. Nach der Menü-Ouvertüre holt die Operntruppe die Gäste ab und entführt sie in die Welt des Barock.

Mit solchen ausgefallenen Projekten haben sich die Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci in den letzten Jahren besonders profiliert. „Sappho & Wellness“ heißt ein Wandelkonzert mit Muße, Musik und Massage in den Römischen Bädern. Für das Konzept des längst ausverkauften Fahrradkonzerts bekam das Festival letztes Jahr den Deutschen Fahrradpreis.

Der Park spielt wieder eine Hauptrolle

In diesem Jahr neu sind die musikalischen Spaziergänge, zum Beispiel das „Speed Dating mit der Antike“. Da wandelt man zwischen den römischen Bänken im Schlosspark, und wenn man sich setzt, erlebt man antikes Drama, Philosophie oder Musik. Für die „Musikvermittlung“ hat Andrea Palent in diesem Jahr extra eine Musikwissenschaftlerin eingestellt. Es gibt daher mehr Kinderprogramme und Veranstaltungen wie die „Schreibwerkstatt Musikjournalismus“. Neu ist auch, dass man manche Konzerte als Live-Stream im Internet erleben kann.

Die Festivalleiterin freut sich auf 15.000 Besucher aus aller Welt: „Wir wollen unser Thema Mittelmeer in größter Fantasie und Vielfalt für alle Generationen aufbereiten.“