Film

Jennifer Connelly - „Ich küsse jedes Flugzeug“

Mit 14 stand sie erstmals vor der Kamera, mit 31 bekam die Schauspielerin den Oscar. Jetzt ist Jennifer Connelly in dem Weltuntergangsepos „Noah“ in den Kinos zu sehen.

Foto: Jemal Countess / AFP

Auf der Leinwand ist Jennifer Connelly die Fachfrau für Grenzerfahrungen, was sie erneut in dem biblischen Weltuntergangsepos „Noah“ (Kinostart: 3. April) beweist. Dabei wirkt sie im Gespräch viel zerbrechlicher als auf der Leinwand. Und das zeigt sich sogar nach dem Ende des Termins: Mit Töchterchen Agnes verlässt sie das Berliner Regent Hotel durch den Küchenausgang, zudem noch begleitet von einem Bodyguard – obwohl draußen keine Meuten von Fotografen lauern. Im Interview selbst immerhin gibt sich die 43-Jährige sehr ausgeglichen und hat keine Probleme damit, Einblicke in dieses geschützte Familienleben zu geben.

Berliner Morgenpost: Ihr Film „Noah“ ist ja kein ganz einfaches Projekt. In einigen orientalischen Ländern ist er verboten, in den christlichen Gemeinden der USA gab es kritische Stimmen. Hatten Sie keine Angst vor solchen Kontroversen, als Sie die Rolle der Frau des Titelhelden übernahmen?

Jennifer Connelly: Absolut nicht. Ich finde es völlig legitim, wenn solche Geschichten neu erzählt und interpretiert werden. Nur so bleiben sie im Lauf der Zeit lebendig. Natürlich war es notwendig, dass die Filmemacher ein bisschen ihre Fantasie spielen ließen, denn im Buch Genesis nimmt die Noah-Handlung nur wenige Seiten ein. Aber der Film bleibt dem Geist der originalen Story treu, und für mich war es eine großartige Möglichkeit, wieder mit Russell Crowe und Regisseur Darren Aronofsky zu drehen, mit denen ich ja schon gearbeitet hatte.

Haben Sie denn persönlich einen Hang zu spirituellen Themen?

Offen gestanden, ich weiß nicht so recht, was dieses Wort genau bedeuten soll. Ich glaube jedenfalls, dass es Dinge im Universum gibt, die wir nicht genau kennen und die sich unserem Zugriff entziehen. Aber das ist auch wissenschaftlich akzeptiert. Nehmen Sie zum Beispiel die dunkle Materie.

Sie sind ein Spezialist für Physik?

Eigentlich gebe ich bloß wieder, was mir mein 16-jähriger Sohn erzählt. Der ist Mitglied in einem Physikclub und kennt sich bei solchen Dingen viel besser aus als ich.

Aber mit richtig übersinnlichen Dingen haben Sie’s nicht so?

Nicht wirklich. Ich glaube an Geister – aber im übertragenen Sinn. Ungelöste Konflikte aus der Vergangenheit, die in die Kindheit oder wenn nicht gar über ganze Generationen zurückreichen und das Verhalten von Personen prägen. Aber ich gehöre nicht zu den Menschen, die Gespenster sehen. Ich bin bestenfalls etwas abergläubisch. Zum Beispiel küsse ich jedes Flugzeug, bevor ich an Bord gehe.

Was ja bislang offensichtlich funktioniert hat.

So weit so gut. Aber lassen sie uns nicht weiter darüber sprechen. Das soll schließlich auch noch in Zukunft funktionieren.

In „Noah“ sind Sie außerdem noch Mutter einer ziemlich konfliktgeplagten Familie. Wie geht es denn bei Ihnen zuhause zu?

Da gibt es keinerlei Streitigkeiten. Alles absolut friedlich -- immer.

Tatsächlich?

Ich schwöre es. Ich kann mich an keine einzige Meinungsverschiedenheit erinnern – so unglaublich das klingt. Wenn zum Beispiel nur noch ein bisschen Eiskrem übrig ist, dann laufen die Dialoge in etwa so ab: „Nimm du’s Kai, nein du Stellan.“

Haben Sie Ihre Kinder so gut erzogen?

Ich habe keine Ahnung. Ganz offensichtlich sind es einfach vom Innersten her gute Menschen, und sie wissen, dass sie geliebt werden.

Wobei Sie und Ihr Mann Paul Bettany eigentlich nicht so viel Zeit gehabt haben dürften. Schließlich sind Sie beide viel beschäftigte Schauspieler.

Aber wir haben immer darauf geachtet, dass wir so viel Zeit wie möglich zusammen verbringen. Zuhause versuchen uns sogar im gleichen Zimmer aufzuhalten. Wenn wir auf Reisen sind, nehmen wir unsere Kinder mit – wobei wir sie manchmal untereinander aufteilen müssen. Eines kommt mit Paul mit, das andere mit mir – unser Ältester ist immerhin schon 16. Aber wir planen unsere Jobs immer so, um Trennungen zu vermeiden. Jetzt achte ich vor allem darauf, dass unsere zweijährige Tochter bei mir ist.

Sind den Filmdrehs die idealen Aufenthaltsorte für Kinder?

Meine Tochter ist meistens nicht am Set, das passt einfach nicht. Sie besucht mich zum Mittagessen. Aber „Noah“ haben wir unter anderem auf Island im Sommer gedreht, und das war ein idealer Ferienort für unsere Jungs, weil sie keine Schule hatten. Die ganze Familie war da, die Jungs mieteten sich ein Wohnmobil und fuhren über die ganze Insel.

Moment – Ihr Ältester ist 16 und Sie lassen ihn allein im Wohnmobil fahren?

Mit „Jungs“ meinte ich auch meinen Mann. Der saß am Steuer.

Nachdem Sie beide den gleichen Beruf haben – glauben Sie, dass Ihre Kinder Ihnen nacheifern werden?

Kai, der Älteste, hat schon Film-Kurse besucht und bei Schulaufführungen mitgemacht. Aber er ist auch ein ziemlich guter Gitarrist. Anderseits hat er seine technischen Neigungen, er ist derjenige mit dem Interesse an Physik, und eigentlich will er Ingenieurswissenschaften studieren. Stellan, unser Zehnjähriger, spielt exzellent Gitarre und Klavier, er komponiert auch. Deshalb sagt er momentan, er will Musiker werden. Diese Neigungen sind nicht weiter verwunderlich, denn mein Mann ist ebenfalls musikalisch begabt, auch wenn er nur in seinen jungen Jahren auf den Straßen von London aufgetreten ist.

Sie könnten eine Familienband gründen.

Die haben wir auch – nur ich gehöre nicht wirklich dazu. Ich darf nur Backup-Sängern sein – und ganz selten auch mal die Lead Vocals übernehmen.

Wann kann man Sie hören?

Wir treten nur in unserem Haus auf. Reine Privatkonzerte (lacht).

Im Gegensatz zu Ihren Kindern machten Sie schon früh Karriere. Bereits mit 13 spielten Sie eine wichtige Rolle in Sergio Leones Klassiker „Es war einmal in Amerika“...

Das war aber kein bewusster Plan. Offen gestanden weiß ich gar nicht mehr genau, weshalb ich da mitgemacht habe. Ich hatte keine Poster mit Filmstars an den Wänden hängen. Ich erinnere mich bloß noch, dass meine Eltern Freunde hatten, die in der Werbung arbeiteten, die fragten mich, ob ich Fotos machen könnte, damals war ich ungefähr zehn. Das führte dann zu Werbespots, und irgendwie landete ich beim Film. Aber eigentlich war ich einfach nur ein Kind in einem Film, der zufälligerweise von einem großen Regisseur gedreht wurde. Was ich seinerzeit überhaupt nicht beurteilen konnte. Ich weiß nur, dass ich Sergio Leone sehr sympathisch fand.

Vor zwei Jahren besuchten Sie in Cannes die Premiere des Director’s Cut von Leones Film. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Ich muss Ihnen ein Geständnis machen. Ich weiß, es ist furchtbar. Aber ich konnte mir den Film nicht anschauen.

Sie waren doch im Zuschauerraum.

Ich ging über den roten Teppich ins Kino, was sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Meine Tochter war damals ein knappes Jahr alt, und ich stillte sie noch. Und so musste ich ins Hotel zurück, und sie war auch ziemlich aufgelöst, weil ich nicht da war. Also konnte ich nicht gleich weg, und weil das in Cannes mit dem Verkehr so lange dauert, habe ich es nicht mehr geschafft. Immerhin war mein Mann dabei, der meinte, ich solle den Film unbedingt sehen – was ich auch wirklich will.

Sie arbeiteten dann als Schauspielerin weiter, drehten unterem einen Fantasyfilm mit David Bowie. So gesehen muss Ihnen dieser Job doch Befriedigung gegeben haben?

Es hat sich einfach irgendwie so entwickelt, und ich hatte Spaß dabei. Ich hatte dann das Glück, mich weiterentwickeln zu können, wobei ich aber nicht behaupten möchte, dass ich als junge Schauspielerin immer gut war. Im Gegenteil. Aber es kam dann eine Zeit, wo ich mich in diesen Job hineinsteigerte. Denn meine Natur ist es, hart zu arbeiten. Ich bin einfach ein disziplinierter Mensch. Und wenn mir niemand sagt, dass ich stoppen soll, dann mache ich immer weiter.

Und jetzt sagt Ihnen das Ihr Ehemann?

Das ist nicht nötig. Denn das galt für eine Zeit, wo ich keine Familie hatte. Als ich ins College ging, hatte ich kein soziales Leben. Studium und Schauspielerei waren alles, was ich machte. Das war wirklich ungesund. Ich liebte meinen Job auch nicht mehr. Ich wollte mir nur etwas beweisen. Aber jetzt habe ich eben meine Familie, und deshalb weiß ich von selbst, wo ich bei der Arbeit Grenzen ziehen muss. Deshalb blute ich dabei nicht mehr innerlich aus, sie gibt mir Erfüllung.

Aber Sie spielen weiterhin meist Frauen in psychischen Extremsituationen. In „Noah“ haben Sie’s mit dem Ende der Welt und einem von Obsessionen geplagten Ehemann zu tun. Woher die Vorliebe für düstere Stimmungen?

Ich bin kein depressiver Mensch, aber ich interessiere mich für die menschliche Natur. Und in Dramen findest du meistens komplexere Rollen als in der Komödie. Deshalb drehe ich lieber so etwas als irgendwelche platten Komödien. Und intelligente Komödien mit interessanten Frauenrollen bietet man mir in der Regel sowieso nicht an. Wobei ich zugeben muss, dass mir die Offerten auch manchmal etwas zu einseitig waren. Vor allem nach dem Oscargewinn für „A Beautiful Mind“ hätte ich alle möglichen deprimierten oder mental labile Frauen spielen können. Da habe ich auch vieles abgelehnt.

Zum Glück haben Sie ja auch Angebote aus dem Familienkreis. Ihr Mann inszenierte Sie letztes Jahr in seinem Regiedebüt „Shelter“. Lief’s da auch so friedlich ab wie sonst im Familienkreis?

Bemerkenswert friedlich. Aber das war auch kein Wunder. Wir sind schließlich schon elf Jahre verheiratet und haben gemeinsam vieles durchgemacht. Außerdem haben wir bereits als Schauspieler ein paarmal zusammen gedreht und uns eben bei der Arbeit besucht. Unser Privat- und unser Berufsleben haben sich also sehr häufig miteinander überschnitten.

Welche Traumrolle würden Sie sich in diesem Leben noch wünschen?

Die der Großmutter. Ich bin jetzt 43, da bin ich mit dem Kinderkriegen fertig. Aber ich liebe Babys und alles, was dazu gehört. Der nächste Schritt ist also der zur Oma. Vielleicht dauert es auch nicht mehr so lange, jetzt nachdem mein Ältester langsam erwachsen wird. Auf jeden Fall wird das großartig. Ich werde sehr aufgeregt sein.