TV-Serie „Cedar Cove“

Andie MacDowell - „Ich zerfleische mich nicht mehr selbst“

Ihre Rolle in „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ machte sie weltberühmt. Jetzt spielt Andie MacDowell eine Richterin. Ein Gespräch über Kinder, Karriere und das Leben in der Kleinstadt.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Das nennt man Durchhaltevermögen. Mit Beinverletzung tritt Andie MacDowell zum Interview im Berliner Adlon Hotel an, doch sie selbst verliert darüber kein Wort – auch nicht darüber, dass im Lauf des Gesprächs ihre Schmerzen stärker werden. All das ist erst im Nachhinein von den PR-Betreuerinnen zu erfahren.

Die 55-Jährige selbst macht eine strahlend positive Miene bei dieser anstrengenden Pflichtübung. Vielleicht hilft es auch, dass sie nach langem wieder einmal einen schauspielerischen Erfolg präsentieren kann.

Ab 18. März 2014 ist sie (auf SAT.1 emotions) in der Serie „Cedar Cove – Das Gesetz des Herzens“ zu sehen, einer Verfilmung der Bestseller von Debbie Macomber, die in den USA schon zum Publikumsrenner wurde. Aber vor allem hat Andie MacDowell gelernt, wie sie mit zunehmendem Alter ihr Leben besser genießen kann, selbst wenn sie dabei aktuell auf einen Partner verzichten muss.

Berliner Illustrirte Zeitung: Wir haben Sie ja lange nicht mehr in größeren Rollen gesehen...

Andie MacDowell: Was auch damit zusammenhängt, dass etliche der Filme, die ich gemacht haben, kaum in der Öffentlichkeit gelandet sind. Aber ich habe es durchaus genossen, kleinere Auftritte zu haben. Aber ich wollte auch nicht zu viel arbeiten, bevor meine Kinder aus dem Haus waren. Sie sind der wichtigste Teil in meinem Leben, und sie brauchten meinen absoluten Fokus. Sie haben mir zwar selbst gesagt, dass ich mehr drehen soll, aber erst mal sollten sie die Schule fertig machen. Und wir lebten auch nicht in Los Angeles, sondern in einer kleineren Stadt im Süden, da kannst du nicht einfach mal so schnell einen Film herunterdrehen. Aber inzwischen ist meine jüngste Tochter 18 geworden, da ist es für mich wichtig, mich wieder kreativ selbst zu verwirklichen. Das brauche ich, um Erfüllung zu haben.

Und prompt feiern Sie mit der Serie „Cedar Cove“ einen Quotenhit. Was bedeutet Ihnen so etwas nach Ihren früheren Welterfolgen?

Ich gebe zu, ich war wirklich vom Glück gesegnet. Filme wie „Sex, Lügen und Video“ oder „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ waren ja nicht einfach nur erfolgreich, sie haben die ganze Branche umgekrempelt. Aber ich bin genauso stolz auf Filme wie „Monte Carlo“, die ich in den letzten Jahren gedreht habe und die ebenfalls gut liefen. Und jetzt freue ich mich, Promotion für „Cedar Cove“ zu machen – in der Hoffnung, dass sie auch in Deutschland erfolgreich ist. Während der Arbeit an der Serie lebte ich in totaler Isolation, denn in der Zeit habe ich einfach nur gedreht und nichts von der Welt gesehen, und als ich damit fertig war, kamen plötzlich all die Zuschauer auf mich zu, die davon begeistert waren, und das war eine sehr schöne Erfahrung. Ich hoffe natürlich, dass ich noch die Chance bekomme, großartige Filme zu drehen, aber eine Serie zu haben, die in ihrem Marksegment Nummer 1 ist, das macht sehr viel Spaß.

Sie spielen darin eine Richterin, die die Chance für eine nationale Karriere ausschlägt, um in ihrer angestammten Kleinstadt zu bleiben. Können Sie so eine Haltung verstehen?

Doch, auf jeden Fall. Denn ich lebe selbst in einer kleinen Stadt, und es ist für mich sehr wichtig, mich am Leben dieser Gemeinschaft zu beteiligen. Ob es nun Umweltthemen angeht oder ob ich das Krankenhaus unterstütze. Gerade weil ich einen gewissen Bekanntheitsgrad habe, kann ich öffentliche Aufmerksamkeit für solche Angelegenheiten schaffen – mehr als der Normalbürger, und das habe ich immer versucht. Wenn du also weißt, dass du mit deinem Einsatz für deine Gemeinde etwas bewirken kannst – so wie das auch meine Figur tut – dann tust du dich schwer, so etwas zurückzulassen.

Sie sind also im Herzen eine Kleinstadtpflanze?

Ganz bestimmt. Wobei ich es auch genossen habe, in Großstädten wie Paris zu leben. Aber selbst solche Metropolen haben Teile, wo du dich wie in einer Kleinstadt fühlst und deinen Frieden bekommen kannst. Das habe ich auch in New York festgestellt. Dort bin ich ständig in den Park gegangen und habe mir auf diese Weise mein Dorf geschaffen. Die einzige Stadt, die ich nicht auf die Dauer ertragen kann, ist Los Angeles. Die ist zu ausufernd, es gibt zu viele Menschen, und ich mag es nicht, Auto zu fahren. Deshalb bin ich nach Montana gezogen, wo ich meine Ranch habe, und dann mache ich nur ein paar Stippvisiten vor Ort.

Selbst wenn Ihnen dadurch dann Rollen entgehen?

Ich hoffe es doch nicht. Mein Job ist schließlich mein kreatives Ventil. Aber ich habe eben nicht nur berufliche Ziele und Wünsche. Zum Beispiel möchte ich noch viel mehr über Gartenarbeit lernen. Zu meiner Ranch gehören verschiedene Wiesen, ich will mich bei den einzelnen Gräserarten auskennen und verstehen, wie ich sie kultivieren kann, ohne Herbizide zu benutzen. Ich möchte auch nach Indien reisen und grundsätzlich um die Welt ziehen, und das zum Spaß, nicht aus Arbeitszwecken – das möglichst mit meinen Kindern.

Sind Ihre Kinder auch so Naturmenschen wie Sie?

Sie haben sicher etwas für die Natur übrig, aber momentan geht bei ihnen eher das Großstadtleben ab. Rainey pendelt zwischen Los Angeles und Nashville, wo sie gerade ein Album aufnimmt. Aber sie tut sich mit so einem Leben leicht, denn sie ist eine ziemlich gute Fahrerin. Und meine jüngere Tochter Margaret, die wie Rainey auch als Schauspielerin arbeitet, lebt in New York. Mein Sohn Paul wiederum ist gerade mit seinem Vater in Panama.

Sie sind ja zweimal geschieden. Aber mit dem Vater Ihrer Kinder sind Sie nach wie vor in Kontakt?

Natürlich. Gerade weil wir eben Kinder haben. Er geht jetzt auf seinem eigenen Weg durchs Leben, aber ich habe nichts Negatives über ihn zu sagen. Wobei eine Scheidung schon etwas Furchtbares ist; so etwas möchte ich nicht noch einmal durchmachen.

Sinnigerweise waren Sie die Königin der romantischen Komödie. Hat dieser Ruf eigentlich zu Ihnen gepasst?

Ich denke schon. Ich kann ziemlich lustig sein (lacht); ich mag nur keinen krassen Slapstick-Scherze. Ich liebe es einfach, wenn die Leute durch ihre Persönlichkeit witzig sind. Und ich bin auch eine Romantikerin.

Was war die romantischste Erfahrung Ihres Lebens?

Die habe ich dem Vater meiner Kinder zu verdanken. Wir lebten damals auch auf einer Ranch. Und einmal an Weihnachten gingen wir nachts Langlaufen. Es war Vollmond, wir fuhren über die große Wiese bei unserem Haus und dann in den Wald hinein; auf einmal legte mein Mann einen Schalter um, und plötzlich leuchtete da ein Weihnachtsbaum vor mir auf. Und unterhalb lag mein Geschenk. Dann liefen wir weiter durch den Wald zu einem anderen Ort, wo ein Abendessen mitten im Schnee für uns vorbereitet war. Eine Kellnerin aus seinem Lieblingsrestaurant bediente uns.

War das nicht ein bisschen kalt?

Er hatte zum Glück auch einen Heizstrahler aufstellen lassen. Das war sehr kuschlig.

Um solche Gesten zu machen, braucht man freilich eine richtige Ranch. Das kann nicht jeder.

Eigentlich war’s nicht viel mehr als eine Holzhütte. Sie können sich so etwas ja mieten, dann können Sie auch etwas in der Art machen.

Momentan sind Sie allerdings Single.

Ja, aber es wird sich schon wieder ergeben. Ich will mich jetzt nicht blindlings in eine neue Beziehung stürzen. Und ich möchte auch nicht wieder heiraten. So etwas ist viel zu offiziell; da dreht sich alles um organisatorische Fragen.

Sie sind inzwischen 55. Hat sich Ihre Lebenseinstellung gegenüber Ihren jüngeren Jahren gewandelt?

Ich würde sagen, dass ich das Leben mehr schätze. Wenn du so alt bist, dann weißt du, dass du keine Zeit vergeuden sollst. Ich habe es erlebt, wie Freunde gestorben sind. Erst im letzten Jahr habe ich einen an den Krebs verloren. So versuche ich jeden einzelnen Tag zu genießen. Und ich zerfleische mich nicht mehr selbst und versuche es anderen Leuten Recht zu machen. Wenn du 30 bist, dann weißt du deine eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften nicht richtig zu schätzen, anders als jetzt. Und ich tue mir was Gutes, kümmere mich um mich und versuche zu den anderen Menschen gut zu sein. Das ist das beste Rezept, um glücklich zu sein.

Was tun Sie sich denn Gutes?

Ich trinke viel Wasser und mache Yoga. Auch bin ich viel in der Natur unterwegs. Mit meiner Schwester zum Beispiel gehe ich Bergwandern. Und ich versuche genügend Schlaf abzubekommen. So fühle ich mich wohl in meiner Haut. Zum Glück haben wir Frauen einiges dazu gelernt, was wir für unseren Körper tun können – mein Wissen zu solchen Themen ist viel größer als das meiner Mutter. Aber, wie gesagt, die innere Einstellung ist noch wichtiger.

Angeblich macht es die Showbranche älteren Schauspielerinnen schwerer, gute Rollen zu bekommen. Was ist da Ihre Erfahrung?

Im Kino ist es schwieriger als beim Fernsehen. Denn die meisten Filme drehen sich nun mal um jugendliche Protagonisten, da bekomme ich eben nur Nebenrollen ab – zum Beispiel darf ich dann die Mutter der Hauptfiguren spielen. Aber mein Selbstwertgefühl wird dadurch nicht beeinträchtigt, und ich mache trotzdem weiter, dafür bedeutet mir die Arbeit zu viel. Und deshalb hoffe ich auch, dass „Cedar Cove“ weiter erfolgreich läuft.

Sie gelten ja auch als eines der großen Schönheitssymbole. Was haben Sie im Lauf der Jahre über das Geheimnis von Schönheit herausgefunden? Reicht es, Yoga zu machen, Wasser zu trinken und zu schlafen?

Schönheit definiert sich durch unsere Handlungen. Die Menschen sind für mich schön, in dem was sie innerlich sind – in ihrem Geist, in der Essenz ihres Wesens. Und sie zeigen dies in ihrem Verhalten, so wie sie andere Menschen behandeln. Ich habe viele physisch schöne Leute gesehen, die im Bruchteil einer Sekunde hässlich wurden. Und ich habe Menschen erlebt, die aus Sicht der Gesellschaft durchschnittlich ausgesehen haben und die von einem Moment auf den anderen ihre wahre Schönheit zeigten. Nur dein Wesen macht dich schön. Du hast es oder du hast es nicht. Dein Aussehen hat nichts damit zu tun.