Berliner Morgenpost: Herr Thadeusz, Sie werden die Sommerpause der „Heute Show“ mit einer Impro-Comedy-Sendung füllen. Was erwartet den Zuschauer?

Jörg Thadeusz: Wir spielen wochenaktuelle Ereignisse nach, zum Beispiel den Bankeinbruch in Steglitz als Rock-Musical oder als Oper. Als wir neulich geübt haben, war ich echt erstaunt, wie lustig das sein kann. Ich bin dabei der gute Onkel, dessen Aufgabe es ist, den Übermut der Künstler wie Komiker Bernd Stelter, Norbert Frieling und Hennes Bender zu bändigen. Ich muss schon sagen: was denen alles einfällt!

Oliver Welke und seine „Heute Show“ sind extrem erfolgreich auf dem Sendeplatz am Freitagabend. Wie wollen Sie das Publikum bei der Stange halten?

Oliver Welke ist großartig, genau der richtige Mann für die Sendung. Wir sehen ja auch fast aus wie Brüder, kreisrunder Kopf, wenig Haare (lacht). Er ist unschlagbar. Aber ich will ja nicht mit ihm in Konkurrenz treten. Ich konkurriere nur mit schönen Männern, denen nichts einfällt.

So wie Markus Lanz?

Eher wie Kai Pflaume. Das ist schon sehr langweilig, was er da macht.

Bisher war der RBB ihr Heimatsender, das ZDF ist schon eine größere Hausnummer. Wurden Sie bisher unterschätzt?

Total. In jeder Beziehung, tänzerisch, sexuell (lacht). Im Ernst, der RBB vertraut mir seit acht Jahren eine Talkshow an. Ich agiere jedes Mal frei und ungezwungen mit meinem Gast, insgesamt waren es über 300. Noch nie hatte ich Vorgaben, was ich fragen soll. Ich habe absolut nichts zu meckern.

59 Prozent der Zuschauer finden, dass das ZDF ziemlich gestrig ist. Wie sehen Sie das?

Das sehe ich nicht so. Es ist vielleicht ein bisschen behäbig, aber trotzdem der modernste Sender des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Das hat Produzent Nico Hofmann ja gerade mit „Unsere Mütter, unsere Väter“ bewiesen, das angelehnt war an die moderne Erzählweise amerikanischer Serien. Was ist denn sonst vorwärtsgewandt im deutschen Fernsehen? Etwa der Unfug, den die privaten Sender verbreiten? Eine gewissenlose Heidi Klum, die jungen Mädchen Bulimie einredet, oder diese Assis im australischen Busch? Das gucken viele Leute, ja, aber da muss man auch mal fragen, was das für Typen sind.

Trotzdem laufen dem ZDF die Moderatoren davon, Pilawa, Joko und Klaas, Benjamin von Stuckrad-Barre. Was zieht Sie an?

Da muss man unterscheiden: Stuckrad-Barre ist in jeder Beziehung eine Klasse für sich, er ist eben nicht nur ein Talk-Moderator, sondern auch ein erstklassiger, frischer Intellektueller, dagegen sind wir alle Elektriker. Pilawa ist respektabel, höflich und nett. Ich kenne das ZDF, seitdem ich Fernsehen gucke, es ist eine tolle Institution, ich verbinde soviel damit, Mainzelmännchen, Aktenzeichen, Wetten, dass..?, Sportstudio.

Sie haben fünf Jahre die Talkshow „Dickes B“ im RBB moderiert. Warum ist Schluss?

Es ist sehr traurig, wir haben da tolle Sachen gemacht. Aber die Quoten haben leider nicht immer gestimmt.

Am 9. April starten sie mit dem Politmagazin „Thadeusz und die Beobachter“ im RBB zusammen mit Kollegen. Brauchen Sie jetzt Unterstützung?

Ja, woher soll ich denn die politische Expertise nehmen? Mit mir alleine wäre das eine Horrorsendung (lacht). Kluge Menschen wie Hajo Schumacher, Claudius Seidl und Thea Dorn müssen mir helfen.

Wen würden Sie gerne mal interviewen?

Senta Berger, der stelle ich schon seit drei Jahren nach. Kofi Annan, Joschka Fischer und Pippa Middleton wären auch toll, am besten alle zusammen (lacht). Nina Kunzendorf war schon bei mir, sie ist so bezaubernd, ich könnte sie in Dauerschleife durchinterviewen. Wenn ich nicht zu alt für eine Tätowierung wäre, würde ich mir ‚Nina‘ auf die Wade nadeln lassen.