Die Schauspielerin Rosemarie Fendel ist tot. Sie starb am Mittwoch im Alter von 85 Jahren in Frankfurt. Das bestätigte Fendels Management nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor sagte zum Tod der Schauspielerin: „Rosemarie Fendel ist mit dem Fernsehen groß geworden und das Fernsehen mit ihr. Sie war eine der ganz großen Schauspielerinnen, die ihrer Berufung bis zu ihrem Lebensende nachgehen konnte. Sie wird uns fehlen. Mein Mitgefühl gilt ihrer Tochter und der Familie.“
Ihr Theaterdebüt gab die 1927 in Metternich bei Koblenz geborene Fendel 1946 an den Kammerspielen in München. Nach einem Engagement in Tübingen holte Gustaf Gründgens sie nach Düsseldorf ans Schauspielhaus. Danach wurde sie in Film und Fernsehen vor allem durch Rollen in „Ödipussi“ (1988) und „Schtonk“ (1992) bekannt, durch die Serie „Der Havelkaiser“ und auch Auftritte in den Fernsehreihen „Der Staatsanwalt“, „Polizeiruf 110“ und „Pfarrer Braun“. Zuletzt war sie in dem Fernseh-Dreiteiler „Das Adlon“ als hochbetagte Sonja Schadt zu sehen.
Rosemarie Fendel war keine selbstverliebte Diva
Fendel begeisterte auch über Deutschland hinaus: Der schwedische Regisseur Ingmar Bergman etwa war von hingerissen und schwärmte von ihrem „internationalen Format“.
Eine Traumkarriere, an der Fendel vor allem die Möglichkeit schätzte, in andere Rollen zu schlüpfen. „Dann muss man nicht immer über sich selber so nachgrübeln. Man grübelt ja immer über die Figuren, die man spielt. Diese Nabelschau, dazu bin ich überhaupt nie gekommen in meinem Leben“, sagte sie einmal.
Eine selbstverliebte Diva war Fendel in der Tat nicht. Viel wichtiger als der Ruhm war ihr ihre Tochter Suzanne von Borsody, die selber eine erfolgreiche Schauspielerin wurde. Sechs Jahre lang blieb Fendel ihretwegen der Bühne fern. Ein Entschluss, der ihr nicht leicht gefallen sei. „Aber als das Kind auf die Welt kam, war mein Ehrgeiz weg, also litt ich keine Qualen.“
Gemeinsame Filme mit der Tochter Suzanne von Borsody
Erst nach der Scheidung von ihrem Ehemann Hans von Borsody 1962 musste sie wieder Geld verdienen. Sie begann zu synchronisieren und lieh Stars wie Elizabeth Taylor, Jeanne Moreau und Annie Girardot ihre Stimme, bevor sie wieder mit der Schauspielerei anfing.
Den Spagat zwischen Arbeit und Kind hat Fendel gut gemeistert. Sogar Filme haben sie gemeinsam gedreht, immer wieder auch in den Rollen von Mutter und Tochter. Für beide waren diese Drehzeiten eine willkommene Gelegenheit, während der Pausen endlich mal wieder viel Zeit miteinander zu bringen. Ihr Verhältnis war herzlich und innig so wie die Liebeserklärung, die Fendel ihrer Tochter einmal machte: „Du bist das Beste, was mir in meinem Leben je passiert ist.“
Für ihre Leistungen wurde Rosemarie Fendel 1973 mit der Goldenen Kamera geehrt, 1978 folgte der Adolf-Grimme-Preis und 2007 der Bayerische Filmpreis.
BM/dpa



