„Rubinrot“

Maria Ehrich - 20 Jahre alt, schon 21 Filme

Maria Ehrich übernimmt in „Rubinrot“ die Rolle der Gwendolyn Shepherd. Es ist bereits ihre 21. Filmrolle. Auch die anderen Teile der erfolgreichen Buch-Trilogie sollen verfilmt werden.

Foto: Amin Akhtar

Manchmal muss man einfach frech sein. Wie Maria Ehrich. Eigentlich sollte sie bei der Verfilmung des Jugendbuchs „Rubinrot“ nur für die Rolle der Freundin vorsprechen. Aber sie wollte unbedingt die Hauptrolle – und hat das angeforderte Bewerbungsvideo einfach für diese Rolle angelegt. Später hat sie dann der Regisseur Felix Fuchssteiner per Facebook gefragt: „Welcher Idiot hat eigentlich vorgeschlagen, dass du für Leslie vorsprechen sollst?“

Am 14. März kommt jetzt „Rubinrot“ in die Kinos, mit Maria Ehrich als Gwendolyn Shepherd, ein Mädchen mit der Gabe, durch die Zeit reisen zu können. Und die Reise ist noch lange nicht vorbei: Kerstin Gier hat nicht nur „Rubinrot“ geschrieben, sondern auch „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“. Und natürlich sollen auch diese Bücher noch verfilmt werden.

Wer sich beeilt, kann Maria Ehrich jetzt noch als Geheimtipp preisen. Und als Shooting Star. Bald werden das alle tun. Sie hat gerade erst in dem Fernseh-Highlight „Das Adlon“ mitgespielt. Und die „Liebe geht durch alle Zeiten“-Buchtrilogie soll, so zumindest sieht es der Regisseur, das „deutsche Twilight“ werden. Es geht hier zwar nicht um blasse Vampire und mormonische Vorstellungen von unbefleckter Ehe, aber es geht auch hier um ein jugendliches Paar in außergewöhnlichen Umständen, und auch dies ist ein Franchise. Sage also keiner, wir hätten ihn nicht gewarnt.

Ein bisschen Rampensau

Maria Ehrich ist ein Phänomen. Sie ist am 26. Februar erst 20 Jahre alt geworden und kann doch schon auf 21 Filme zurückblicken. Sie ist vor ziemlich genau zehn Jahren von Peter Timm entdeckt worden, für seine Filmkomödie „Mein Bruder ist ein Hund“. Und wurde dafür gleich für eine Undine als beste Filmdebütantin nominiert. Den Preis hat damals eine andere bekommen, Diana Latzko, die seither keinen einzigen Film mehr gemacht hat. Maria Ehrich war dagegen schon bei „Inga Lindström“ und bei „Rennschwein Rudi Rüssel“ zu sehen, in „Dresden“ und „Ausgerechnet Sex!“ Sie war das Mädchen, um das Veronica Ferres als „Die Frau am Checkpoint Charlie“ gekämpft hat. Und 2013 wird nun endgültig ihr Jahr.

So recht glauben mag sie das noch nicht. Anfangs war das alles ja nur ein Spiel. Ihre Mutter hat damals die Zeitungsannonce gelesen, und aus Spaß hat sie sich dafür angemeldet. „Ich hatte die Statur und das Alter“, erzählt sie heute und scheint noch immer darüber zu staunen, „ich hatte aber bis dahin nie was gespielt. Es gab auch keine Schauspieler in der Familie. Ich war in keiner Weise vorbelastet.“ Allerdings, gibt sie zu und bricht dabei in ein herzliches Lachen aus, war sie schon immer „ein bisschen eine Rampensau“. Hat auf Familienfeiern gesungen und sich auch mal auf den Tisch gestellt, um im Mittelpunkt zu stehen. Nie hätte sie damals geglaubt, dass sie ausgewählt werden könnte; sie saß da ganz entspannt unter Hunderten von Mädchen, die alle schon etwas mehr Erfahrung hatten und sie das auch spüren ließen. Aber am Ende fiel die Wahl auf sie.

Auch die nächsten Filme haben sich einfach so ergeben. „Das hat einfach mit Leidenschaft zu tun, die sich über die Jahre entwickelt hat“, sagt sie heute. Es gab keinen Schlüsselmoment, an dem sie beschlossen hat, aus dieser Leidenschaft ernsthaft einen Beruf zu machen. Aber irgendwann, es war in der zehnten Klasse, „da hat sich das einfach so im Herzen festgesetzt.“

Das könnte jetzt die Stelle sein, an der man über Kinderstars lamentiert, über verdrehte Kinder, unnatürliche Posen, verlorene Jugendtage und Träume, die jäh zerschellen, wenn der Niedlichkeitsfaktor erst mal weg ist. Nicht so bei der gebürtigen Erfurterin. Sie hat sich früh damit abgefunden, „dass so ein normales Leben für mich wohl nicht vorgesehen war.“ Und das ist der einzige Moment, wo sie ein bisschen altklug klingt. In der Mittelstufe habe sie schon mal Sehnsucht gehabt nach einer „normalen“ Jugend, da wurde sie schon mal geschnitten und angeneidet. Aber das sei halt auch eine Zeit, „in der sowieso alle eine Meise haben“. Pubertät eben. Und man dürfe ja auch nicht vergessen, dass das Drehen einem auch ganz viel zurückschenke. Jetzt jedenfalls hat sie schon richtig „Heimweh“, wenn sie länger nicht gedreht hat.

Dreharbeiten vor dem Abitur

Das Abitur hat sie so nebenbei gemacht. Montags bis freitags „Rubinrot“ gedreht, sonnabends gepaukt, sonntags Prüfung gemacht. Kurz vor dem mündlichen Abitur war der Film abgedreht, dann gab’s Abi-Ball und dann wurde auch schon „Adlon“ gedreht. Bislang nimmt Maria Ehrich alles aus sich heraus. Sie hat keine Schauspielausbildung absolviert – und findet das auch ganz gut so. „So konnte ich meinen eigenen Stil finden und mir auch was von Schauspielkollegen abgucken.“ Oder, wie sie gleich ergänzt, auch nicht abgucken: wenn es ihr nicht gefallen hat. Das fühle sich gerade richtig an, sie will aber nicht ausschließen, doch einmal Workshops oder gar eine Schauspielschule zu besuchen.

Und das ist jetzt der Moment, wo wir von Kristen Stewart reden müssen. Da ist der „Rubinrot“-Regisseur Felix Fuchssteiner selber schuld. Der hat ja bei der allerletzten „Twilight“-Premiere in Berlin sein „Rubinrot“-Paar Maria Ehrich und Jannis Niewöhner auf dem roten Teppich als die deutsche Antwort auf „Twilight“ gepriesen. Ob die Filme das hergeben, wird sich zeigen müssen. Viel wichtiger bei „Twilight“ war ja aber, dass die Liebe im Film sich auf die Darsteller übertrug und die Berichterstattung schon bald nicht mehr trennte zwischen Beruf und Privat. Eine solche Hysterie wünscht man niemandem. Und Maria Ehrich beeilt sich denn auch gleich festzustellen, dass der Jannis und sie ganz dicke Freunde und echt easy miteinander seien. „Die Chemie muss schon stimmen, wenn man so einen weiten Weg zusammen geht.“ Aber mehr sei da nicht. Und das soll auch so bleiben.

Bei der „Twilight“-Premiere wie auch kürzlich bei der Oscar-Verleihung wirkte Kristen Stewart völlig neben sich. Wir fürchten, auch ein wenig benebelt. Dagegen gibt sich Maria Ehrich völlig unverstellt und authentisch. Der Rummel um ihre Person ist ihr noch nicht zu Kopf gestiegen. Der Rummel geht jetzt allerdings auch erst richtig los.

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