Nach Eklat

NPD will von rechter Band Frei.Wild profitieren

Nach großen Protesten flog die Band von der Echo-Nominierungsliste. Die Südtiroler Band will zwar nicht in die rechte Ecke gestellt werden, erhält jedoch aus genau dieser Beifall.

Foto: Holger Fichtner / dpa

„Südtirol, Deinen Brüdern entrissen! In der Hölle sollen Deine Feinde schmoren! Südtirol, wir tragen Deine Fahnen, denn Du bist das schönste Land der Welt!“ Mehr als 10.000 Fans grölen begeistert mit auf dumpfe Gitarrenakkorde, die Musik peitscht nach vorn. Die Deutschrock-Band „Frei.Wild“ füllt große Hallen.

Nicht zum ersten Mal wird der Band nun vorgeworfen Rechtsrock zu machen und völkischen Nationalismus zu betreiben. Identität durch Musik, das ist ein beliebtes Muster in der Neonazi-Szene.

Am Donnerstagabend hatte der Bundesverband Musikindustrie Frei.Wild von der Liste der Nominierten für den Musikpreis Echo gestrichen: Die Diskussion um das rechte Gedankengut der Band drohe den Echo zu überschatten. Mehrere Künstler hatten zuvor protestiert, auch die Berliner Popgruppe MIA wollte nicht mehr gemeinsam mit Freiwild als Kandidaten für den Echo geführt werden.

„Zu 80 Prozent bei uns auf Linie“

Die vier Musiker von Frei.Wild sind im italienischen Brixen in Südtirol zu Hause. Seit zwölf Jahren betreiben sie ihre eigene Plattenfirma. Zuvor war Sänger Philipp Burger Mitglied in der rechtsextremen Band „Kaiserjäger“. („Eine Gruppe Glatzen kämpft dagegen an, gegen Weicheier wie Raver und Hippies und Punks“ / „Heil dem Kaiser, Heil dem Lande, Österreich wird ewig stehen“) Die Texte klingen wie Hymnen, pathetisch und aggressiv, gegen das korrupte System.

Im Video zum Song „Wahre Werte“ zeigen sie Bilder vom Südtiroler Schützenbund, die Männer in Trachten mit Fackeln in der Hand, die Mädchen mit Hut und Spitzenkragen. Eine harte Absage auf eine offene, heterogene Gesellschaft sei das, sagt Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit. „Die Traditionen und Bräuche sollen sich bloß nicht mit anderen vermengen. Diese Aussage wird vermeintlich unpolitisch dargestellt. Das ist sie aber keineswegs, denn sie geht mit der Forderung einher, die Heimat zu verlassen, wem die alten Traditionen nicht gefielen.“

Die NPD fühlt sich von den Texten Frei.Wilds angesprochen. „Frei.Wild ist vielleicht nicht 100 Prozent bei uns auf Linie, aber doch 80 Prozent“, sagte NDP-Funktionär Patrick Schröder in einem Interview im offenen Kanal. „Wir haben die Möglichkeit in extremem Maße von der Band zu profitieren.“