Von 1979

Grönemeyer liefert Soundtrack zu Flimm-Film - auf Englisch

In dem Film "Uns reicht das nicht" des heutigen Intendanten der Berliner Staatsoper spielt Herbert Grönemeyer neben Uwe Ochsenknecht.

Foto: WDR/Turbine

„Ich will nicht mehr“, sagt der zornige junge Mann. „Ich bin raus.“ Der Lehrling versetzt seinem Meister eine schallende Ohrfeige, in dem klaren Wissen, dass damit seine Lehre zwei Wochen vor der Prüfung beendet ist. Aber genauso brachial verhält er sich auch gegenüber seinem Vater, der ihn zwingen will, sich eine Arbeit zu suchen, solange er unter seinem Tisch die Füße ausstreckt. Gerd ist ein Verweigerer, ein Aussteiger, ein Vertreter der Null-Bock-Generation – die kein Phänomen der achtziger, sondern schon der siebziger Jahre ist. Wie dieser Film zeigt, der 1979 im Fernsehen ausgestrahlt wird und programmatisch „Uns reicht das nicht“ heißt. Ein Generationenporträt von Unverstandenen, Aufbegehrenden, Halbstarken, die lieber mit ihren Mopeds über die Straßen knattern als am Fließband zu malochen. Und sich bloß nicht so anpassen wollen wie die Eltern. Der Film ist ein Bruder im Geiste des im gleichen Jahr entstandenen Dreiteilers „Die große Flatter“. Es war die Hochzeit des sozialkritischen deutschen Fernsehspiels.

Natürlich hat „Uns reicht das nicht“ seither ein bisschen Patina angesetzt. Aber er überzeugt nicht nur wegen seiner genauen Milieustudie als Zeitdokument, sondern auch wegen der Beteiligten. Gedreht hat ihn 1979 kein Geringerer als Jürgen Flimm, heute Generalintendant der Berliner Lindenoper, aber damals noch Bühnenregisseur mit wenigen Ausflügen ins Filmfach. Und seine Hauptdarsteller waren noch weithin unbekannte Nachwuchstalente. Ein blasser Mann mit merkwürdiger Körpersprache, flatternder Mähne und leicht fistelnder Stimme, der dennoch mit seiner Präsenz, seiner Wucht den Film klar trägt: Herbert Grönemeyer. Und neben ihm ein nicht weniger zorniger Mann, noch mit kurzem Strubbelhaar, aber mit unverkennbarem Sprachduktus: Uwe Ochsenknecht. Beide sollten zwei Jahre später in Wolfgang Petersens „Boot“ einsteigen – und damit ihren Durchbruch erleben. Entdeckt aber hat sie nicht Petersen, sondern Flimm.

Dass der Film, der seit seiner Erstausstrahlung nur einmal wiederholt wurde, ab 24. August als DVD vorliegt, ist eine echte Rarität. Weil Grönemeyer hier nicht nur als Filmfigur zur Gitarre greift, sondern auch den Soundtrack (der praktischerweise auch als CD mit beiliegt) gesungen hat. Und zwar noch nicht, wie später, als Deutschrocker, sondern, sehr ungewohnt, – auf Englisch. Das Debüt erstmals auf CD als Leadsänger der Band Ocean. Am Schlagzeug saß Dieter Flimm, der Bruder des Regisseurs.

Die Freundin des aufbegehrenden Schlosserlehrlings spielte übrigens Anna Henkel, die 1993 Frau Grönemeyer wurde. Das Paar hatte sich bei den Dreharbeiten kennengelernt, und Flimm darf von sich behaupten, er habe sie zusammengebracht. Der Film hat damit auch eine tragische Komponente: 20 Jahre später starb sie an Krebs. Sicher auch ein Grund, warum im Bonus-Material nur Flimm im Off-Kommentar spricht, nicht aber der Hauptdarsteller.

DVD + CD, WDR/Turbine, ca. 14,99 Euro