Staatliche Museen

Von Boddien will Berliner Gemäldegalerie auf Reisen schicken

Zwischenlösungen sind nicht seine Sache - Wilhelm von Boddien über Spenden, Sympathiewerte und fehlendes Marketing.

Foto: DPA

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist in die Kritik geraten. Eine Rochade sorgt für Turbulenzen: Nach dem Plan der Staatlichen Museen soll mit der privaten Sammlung Pietzsch in der heutigen Gemäldegalerie und der benachbarten Neuen Nationalgalerie im Kulturforum am Potsdamer Platz ein Kunststandort der Moderne entstehen.

Dafür hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) kürzlich zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Alten Meister sollen zusammen mit den Skulpturen im Bode-Museum und einem Neubau gegenüber gezeigt werden. Die Finanzierung dafür ist noch offen.

Gegen den Umzug der eigens für die Alten Meister gebauten Gemäldegalerie auf die Museumsinsel gibt es heftige Proteste, Kritiker fürchten, dass die Alten Meister jahrelang im Depot verschwinden. Wilhelm von Boddien kennt sich aus mit Großprojekten, Spenden und Bauterminen.

Morgenpost Online: Um die Verlagerung der Gemäldegalerie ist derzeit geradezu ein Glaubenskrieg ausgebrochen.

Wilhelm von Boddien: Für mich ist es wieder einmal die typische Berliner Aufgeregtheit. Es geht doch hier nur um eine Interimslösung, nicht um den Masterplan. Es geht darum, dass die Gemälde temporär gut unterkommen müssen. Wer Rembrandt und Caravaggio besitzt, wäre doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er diese Schätze ins Depot verfrachtet. Das will die Stiftung doch gar nicht. Da habe ich eine andere Idee: Ich möchte daran erinnern, wie gut besucht damals die Berliner Ausstellung des Museums of Modern Art in New York war. Damals war das MoMA wegen Umbauarbeiten für längere Zeit geschlossen. Mit seiner Wanderausstellung hat das MoMA damals gut Geld verdient! Also macht Werbung für Berlin und schickt Bilder der Gemäldegalerie auf Wanderschaft durch Deutschland!

Morgenpost Online: Sie lehnen ein Provisorium in Berlin ab?

Wilhelm von Boddien: Es ist doch kein Unglück, wenn der Masterplan umgesetzt wird und die Häuser neu bespielt werden und deswegen Teile der Gemäldegalerie auf Zeit einmal nicht in Berlin zu sehen sind. Statt sie ins Depot zu geben oder in einem Provisorium zu zeigen, könnte man sie großen deutschen Museen oder auch kleineren Städten wie Osnabrück als Wanderausstellung zeitweise zur Verfügung stellen. Mit dem Hinweis, hier tut Berlin einmal etwas für die Bundesrepublik. Die Bundeshauptstadt macht sich um Deutschland verdient, nicht immer nur Deutschland um Berlin. Die Berliner Gemäldegalerie mal zu Gast in Köln: das wäre positive Werbung, damit bekämen die Bilder gleich noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Sie werden zu Sympathieträgern für Berlin, und wenn das erweiterte Bode-Museum dann mit seinem neuen Konzept eröffnet wird, stehen die Leute in Berlin vor diesen Bildern endlich einmal Schlange. Jetzt ist doch in der Gemäldegalerie zu wenig los.

Morgenpost Online: Das Kronprinzenpalais war als Interimsgebäude im Gespräch.

Wilhelm von Boddien: Dieses Gebäude garantiert keine ausreichende Feuersicherheit, hat keine Klimaanlage, ist also ungeeignet für hochkarätige Gemälde. Da müsste man wieder Millionen investieren für eine reine Übergangslösung. Unsinn.

Morgenpost Online: Auch das Humboldt-Forum war im Gespräch für die Highlights der Gemäldegalerie als Aushängeschild.

Wilhelm von Boddien: Aber das Humboldt-Forum wird doch erst 2019 bezogen. Bis dahin wird das Problem längst geschultert sein. Und außerdem hat das Schloss nur so viel Platz, dass dort nur die Sammlungen der Museen in Dahlem unterkommen können. Wir reden intern schon vom „Gummischloss“. So viel geht gar nicht rein, wie dort an Sammlungen gezeigt werden müsste. Der Platz fürs Humboldt-Forum ist definitiv nicht üppig. Wenn man dort auch noch dauerhaft die Gemäldegalerie präsentieren würde, dann wäre kein Platz mehr für die Dahlemer Sammlungen im Schloss. Wenn aber diese kostbaren Sammlungen nicht endlich von einem großen Publikum entdeckt werden könnten, dann wäre das ein jammervoller Zustand. Nach Dahlem fährt kaum ein Tourist, um sich zum Beispiel die asiatische Kunst anzusehen, obwohl die es mehr als wert wäre.

Morgenpost Online: Das Agieren der Preußenstiftung im Fall der Gemäldegalerie erscheint etwas unglücklich.

Wilhelm von Boddien: Wenn man kein Geld für eine öffentliche und professionelle Medienarbeit hat, wie will man dann glücklich agieren? Diese Ungeduld, die dann aufkommt, habe ich auch beim Schlossbau erlebt. Ich sage immer: Berlin ist gut für Adrenalinschübe, in Hamburg kann ich mich besser erholen.

Morgenpost Online: Machen die Staatlichen Museen etwas falsch?

Wilhelm von Boddien: Ich finde den Masterplan hervorragend. Die Museumsinsel nach der Idee Bodes mit der Gemälde- und Skulpturen-Galerie zu vollenden, ist ein großer Wurf. Die beiden gehören nun einmal zusammen. Da das Bode-Museum für die Sammlungen zu klein ist, braucht es den Erweiterungsbau auf der gegenüberliegenden Seite, den Museumshöfen. Der Besucher braucht nur über den Kupfergraben zu gehen, und schon findet er auf beiden Seiten auf kürzestem Weg eine Hochkonzentration von großer Malerei und Skulptur aller Epochen aus Europa. Zurück zum Schloss: Wenn dort etwa die andere Hälfte der Gemäldegalerie präsentiert würde, dann müssten die Besucher zunächst gut einen Kilometer zu Fuß zurücklegen, das würde ihren Gesamteindruck zerreißen. Wie schon gesagt, man sollte die Bilder auf Wanderschaft durch Deutschland schicken. Und die Sympathiewerte Berlins im Bundesgebiet würden wunderbar steigen. Sonst geht's Berlin bald wie Washington D.C., manche Amerikaner nennen ihre Hauptstadt „Mätresse der Nation – keiner liebt sie, aber alle zahlen.“ Dieser Status täte Berlin nicht gut.

Morgenpost Online: Wann waren Sie denn das letzte Mal in der Gemäldegalerie?

Wilhelm von Boddien: Nicht lange her. Ich war sechs- oder siebenmal dort, es gibt hinreißende Kunstwerke, viele, viele Highlights. Sie bräuchte einen Popularitätsschub.

Morgenpost Online: Marketing ist nicht gerade eine Stärke der Staatlichen Museen.

Wilhelm von Boddien: Das Marketing ist weit entfernt davon, wenn es darum geht, ein gutes Produkt zu vermarkten. Der Name Staatliche Museen sagt alles über das Marketing. Der Staat kennt kein Marketing – und spart am falschen Ende. Wenn ich sehe, was die Preußenstiftung für ein Budget dafür hat, das ist lächerlich. Stiftungspräsident Hermann Parzinger soll Erfolge produzieren, einerseits bekommt er Millionen für die Sanierung seiner Museen, andererseits aber viel zu wenig für Werbung und Marketing. Manchmal fehlt sogar Geld für Plakatwerbung. Jeder Unternehmer, der ein Produkt neu auf den Markt bringt, weiß, dass er einen bis zu zweistelligen Prozentbetrag des erwarteten Erlöses vorher in Werbung stecken muss. Das ist die Krux.