Peter-Klaus Schuster

Warum es keine Alternative zum Umzug der Gemäldegalerie gibt

Der Ex-Generaldirektor der Staatlichen Museen, Peter-Klaus Schuster, über die ideale Gemäldegalerie am falschen Standort.

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„Wie sehr wurde er gescholten, wie massiv wurde er attackiert, mein Vorgänger im Amt des Generaldirektors der Berliner Museen, Wolf-Dieter Dube, als er sich unmittelbar nach der Wiedervereinigung standhaft weigerte, den von ihm geplanten Neubau der Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum aufzugeben, um statt dessen mit der Gemäldegalerie wieder auf die Museumsinsel zu gehen.“, schreibt PeterKlaus Schuster in der „Welt“. Mittlerweile gibt es eine neue Sachlage, was die Alten Meister betrifft. Schuster erklärt, warum es keine Alternative zum Umzug der Gemäldegalerie in Richtung Museumsinsel geben kann. Der Vorschlag wird seit einigen Wochen kontrovers diskutiert, seit Kulturstaatsminister Bernd Neumann bekannt gab, dass der Deutsche Bundestag zehn Millionen Euro für den Umbau der Gemäldegalerie zur Galerie des 20. Jahrhunderts beisteuert. Dort würde die Surrealisten-Sammlung von Ulla und Heiner Pietzsch ihre Heimstatt finden.

Die Alten Meister ziehen auf die Museumsinsel. Damit verwirklichen die Staatlichen Museen übrigens die Idee von Ex-Direktor Peter-Klaus Schuster, der schon die Skulpturen und Gemälde aus Mittelalter und Renaissance gemeinsam im Bode-Museum zeigen wollte. Er plädiert für den Erweiterungsbau gegenüber der Museumsinsel. Das Bode-Museum sei zu klein. „Dieser Missstand bestand seit jeher im Platzmangel für Bodes so reiche Sammlungen auf der Museumsinsel. Seine mit größter Kennerschaft und enzyklopädischer Ausführlichkeit beständig erweiterte Gemäldegalerie und die von ihm überhaupt erst begründete Skulpturensammlung, diese beiden Sammlungen Bodes ließen sich schon 1904 kaum mehr angemessen ausstellen.“ Schuster argumentiert gerade auch mit der Standortfrage. „Gegenüber der so erstaunlichen Entwicklung der Museumsinsel in der Publikumsgunst, gegenüber dem Triumph der Museumsinsel ist das Kulturforum – mit der bezeichnenden Ausnahme der Neuen Nationalgalerie – völlig ins Hintertreffen geraten. Das hat man bei der Planung dieser Gemäldegalerie 1990 so noch nicht wissen können und nach ihrer so hoffnungsvollen Eröffnung 1998 so auch nicht erwartet. Es ist eine ideale Gemäldegalerie am falschen Standort!“

Mittlerweile herrscht ein gewisser Konsens über diese Rochade Alter Meister und neuer Kunst. Aber das Finden von Übergangslösungen sorgt noch für Reibereien. „Dieses Springen“, so Schuster, „wird umso gewisser zu einem guten Ende führen, wenn weiterhin so viele sich so leidenschaftlich für die Alten Meister engagieren. Alle, die voller Sorge um eine nicht mehr gesicherte Präsenz sämtlicher Alten Meister die Rochade entschieden zurückweisen, sind eigentlich ihre wahren Unterstützer. Nur mit heftigstem und dauerhaftem Protest, der uns ganz deutlich macht, wie großartig und einzigartig die Berliner Sammlungen sind, und zwar die Gemäldegalerie ebenso wie die Skulpturensammlung, wird diese Rochade zum guten Ende kommen“, sagt Schuster. „Dafür braucht es außer den gewährten Sondermitteln als nächsten notwendigen Schritt einen Wettbewerb für den so dringend benötigten Erweiterungsbau des Bode-Museums. Dieser muss für die Präsentation Alter Meister ebenso vollkommen werden wie das Gebäude von Hilmer & Sattler am Kulturforum.“