Echo 2012

Altmeister Udo Lindenberg hängt den Nachwuchs ab

Von Lana Del Rey bis Lindenberg, von Bushido bis Wolfgang Niedecken: Der Echo ist ein Schaulaufen der Musikbranche – und ein Abend für Emotionen. In 27 Kategorien werden die Auszeichnungen vergeben. Dabei hat es ein ganz Alter des deutschen Musikgeschäfts den vielen jungen Konkurrenten gezeigt.

Er brauchte mal wieder nicht viele Worte, um diesen Abend auf den Punkt zu bringen. „Echo, cooles Ding, Expertentreffen yeah, alle sind da“, nuschelte Panikrocker Udo Lindenberg zu Beginn der 21. Verleihung des Musikpreises im Palais am Funkturm. Und tatsächlich liefen nahezu alle, die momentan die Charts regieren, am Donnerstagabend über den violetten Teppich.

Es war eine bunte Mischung, die sich da zeigte: Der bleiche Schockrocker Marilyn Manson traf auf die blaugefärbte Popgöre Katy Perry, das schlichte Kleid von Lana del Rey auf pinkfarbene Pumps von Moderatorin Barbara Schöneberger. Sie führte gemeinsam mit Ina Müller durch die ARD-Show mit 14 Live-Acts – und begrüßte ihre Kollegin auf der Bühne gleich mit einem innigen Kuss.

„Was für ein schöner Donnerstag“, jubelte Moderatorin Schöneberger, eine Anspielung auf einen Satz des frisch gewählten Bundespräsidenten Joachim Gauck. Überhaupt: Beim Echo war erlaubt, was gefällt. Stangentanz bei der Neuinterpretation von „Reeperbahn“ des zweifachen Preisträgers Udo Lindenberg mit seinem „musikalischem Ziehsohn“ Jan Delay, viel Pyrotechnik beim ersten gemeinsamen Auftritt der deutschen Kultband Rammstein mit Marilyn Manson. Ungewöhnlich: Tim Bendzko, „Newcomer National“, im Duett mit Reggae-Star Shaggy.

Gewohnt provokant dagegen der Auftritt von Sido und Bushido, geehrt für „Bestes Video National“. Im Publikum applaudierte dabei Bushidos sichtlich schwangere Freundin Anna Maria Lagerblom, die zu ihrem sich wölbenden Bauch aber nichts sagen wollte. Einer bewegte besonders das Publikum: BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken, der erstmals nach seiner schweren Erkrankung im November wieder auf einer großen Bühne stand. Ihm wurde von Toten Hosen-Sänger Campino ein Echo für sein Lebenswerk überreicht. „Ich wußte genau, dass alles wieder gut wird. Ich danke meinen Fans für die wahnsinnig tolle Unterstützung“, sagte Niedecken. Sein Wunsch für die Zukunft: „Weiter Musik zu machen.“

Misstöne hatte es derweil im Vorfeld der glamourösen Veranstaltung gegeben: Tim Renner sorgte mit Kritik am Echo für Diskussionen. „Solange der wichtigste Bestandteil der Echo die Charts des letzten Jahres sind, bleibt der Preis verglichen mit den auf einer sehr breit aufgestellten Jury basierenden Brit Awards oder den amerikanischen Grammys eine traurige, rückwärtsgewandte Veranstaltung.

Große Überraschungen jenseits des Mainstreams wie dereinst der Erfolg von Norah Jones sind mit der Chartmechanik schlichtweg nicht machbar.“ Dass neben den Charts auch eine Jury aus ehemaligen Echo-Gewinnern mitentscheidet, bezweifelt Renner. Dem widersprach die zweifache Preisträgerin Jasmin Wagner: „Ich sitze seit mehreren Jahren in der Echo-Jury.“ In diesem Jahr fiel ihr die Entscheidung sehr schwer. „Es waren so viele Ausnahmekünstler dabei.“